Boy oder Boi, s. unter Flanell. Boyacä, ehemals das größte und östlichste Departement der südamerik. Republik Neugranada, jetzt einer der Vereinigten Staaten von Columbia, welcher 1858 aus jenem Departement nebst den Provinzen Casanare, Tundama, Tunja und Teilen von Velez gebildet wurde, von dem aber 1862 ein Teil zur Bildung des Staats Tolima abgetrennt worden ist, sodaß B. einschließlich des Territoriums Casanare jetzt nur noch einen Flächenraum von 44000 àakm hat. Der Staat grenzt im NO. und O. an Venezuela, im SO. an das zum Staate Cauca 45 180 Territorium San-Martin, im SW. und an Cundinamarca, im NW. an Santander und bietet in en Bonkane und Er umfabt Beziehung die größten Kontraste dar. Er umfaßt nämlich die Ostcordillera mit ihren Hochebenen und gegen das Thal des Magdalenenstroms sich senkenden Stufenländern, während der größere östl. Teil aus den weiten, heißen Tiefebenen von Casanare besteht, die von Zuflüssen des Orinoco bewässert werden. Der westl. hohe Teil produziert europ. Cerealien in Menge und ist reich an Metallen, namentlich Kupfererzen, sowie an Edelsteinen. In den heißen Ebenen von Casanare bilden Pferde⸗ und Rinderherden den Hauptreichtum des Landes. se ur sind aber auch die günstigsten Verhältnisse für den Anbau tropischer Kulturpflanzen vorhanden, für welche es bisjetzt freilich sowohl an Arbeitskräften als auch an Absatzwegen fehlt. B. zählt (1870) 482 874 C., einschließlich des Territoriums Casanare 508 940 E., die größtenteils im westl. Hochlande zusammenwohnen. Die Hauptstadt Tunja, 110 km nordnordöstlich von Bogota, auf einem Plateau an der Westseite der Ostcordilleren gelegen, ist schön gebaut, hat 5471 E., eine prächtige Pfarrkirche mit schönen Gemälden, einige ehemalige Klöster, ein Kollegium und andere Schulen. Bolivar, der hier 22. Nov. 1814 vom Kongreß den Heerbefehl erhalten hatte, schlug, unmittelbar vor Eroberung der Stadt, 1. Juli 1819 die Spanier unter Barreyro bei Tunja und bei der Stadt 7 Aug 45 km ostnordöstlicher, dann nochmals 7. Aug. bei dem unweit südöstlich von Tunja auf der Straße nach Bogota gelegenen Dorfe Boyacä (5414 E.) in einer denkwürdigen Schlacht, die Neugranada für immer von der span. Herrschaft befreite, und deren Andenken der Name des Staats bewahrt. Bemerkenswert ist noch Chiquinquirä, 70 EKm im W. von Tunja, eine Stadt von 13 116 E., mit einem Provinzialkollegium (bis 1835 Dominikanerkloster) und einer sehr schönen Kirche, zu deren reich mit Edelsteinen verziertem wunderthätigen Marienbilde jährlich 20—30000, und alle sieben Jahre, wenn die öffentliche Prozession der Jungfrau stattfindet, 50000 Fremde wallfahrten. In der Um-Der urf des 30 Km im SW. von diesem Wallfahrtsort gelegenen Dorfe Muso oder Muzo, 3706 E., befinden sich die berühmten Smaragdgruben, welche, von der Regierung für 10000 Pesos jährlich verpachtet, die schönen Smaragde liefern, die als Peruanische Smaragde in den Gempo kommen.