Brabant ist die centrale Landschaft des holländ.⸗belg. Tieflandes, welche in einer Raumbedeckung von 11243 akm vom linken Ufer der Waal bis zu den den Uatburcer der Dyle, und von der Maas und den limburger Ebenen bis zur untern Schelde reicht. Sie bildete im Mittelalter ein Herzogtum, dem 1107 die Markgrafschaft Antwerpen und 1347 auch für eine Zeit lang die mit Lüttich bis dahin verbundene Herrschaft Mecheln einverleibt wurde. Die Landschaft zerfällt Velnsomtia, zwischen dem Königreich Holland und Belgien geteilt, in drei Provinzen: 1) das holländ. Nordbrabant, 5128,32 gkm mit (1880) 470431 C., 2) die belg. Provinz Antwerpen, 2831,73 qEm mit (1879) 569,279 E., und 3) das belg. Südbrabant, mit 3282,0 akm und der überaus dichten Bevölkerung von (1879) 993596 E. Das Land wird von einer nordwestlich sanft abgedachten Ebene anaen er men, die im N. von Heide⸗ und Sumpfstrecken erfüllt ist und im S. in die sanfthügeligen Formen der Vorstufen des Ardennenwaldes übergeht, wo selbst der Wald von Soigne, südwärts von Brüssel, als die ausgedehnteste Waldung erscheint (4350 ha). Das Gebiet der Mags im N., das der Schelde im S. bewässert den Boden reichlich. Kanäle, darunter der Süd-Wilhelmskanal und der von reda, beleben den Binnenverkehr im N., die bei Mecheln konzentrierten Eisenbahnen im S. Unter den Einflussen eines nördlich zwar feuchten, im allgemeinen aber gesunden und milden Klimas unterstützt eine große Fruchtbarkeit des Bodens Ackerbau und Viehzucht, als Hauptbeschäftigungen der Bewohner, in meine Berbrei. Weise. Hierzu gesellt sich die 8 56meine Verbreitung einer fleißig gepflegten und besonders im S. schon vor alters blühenden Industrie, welche dem ausgebreitetsten Handel reiche Quellen bietet und besonders in den Fabrikaten der (brabanter Spitzen), Baumwoll⸗, Tuch⸗ und Lederwaren Ausgezeichnetes liefert. Die Bewohner sind im Norden holländ., in der Mitte vläm. und im Süden wallon. Stammes. Die Sprachgrenze zwischen german. und franz. (wallon.) Idiom läuft südlich von Brüssel an den Ortschaften Braine Alleud, Waterloo, Wavre und Jodoigne vorbei. Die Römer lernten unter Cäsar die Bewohner B.s als ein Mischvolk von Germanen und Kelten kennen. Unter den verschiedenen Stämmen leisteten namentlich die Menapier zwischen Rhein, Maas und Schelde, als das mächtigste und kriegerischste, tapfern, wenn auch endlich vergeblichen Widerstand gegen die röm. Unterso ung, durch welche dieser Teil Niederdeutschlands der Provinz Gallia Belgica einverleibt wurde. Im 5. Jahrh. bemächtigten sich die Franken B.s; bei den Teilungen des Frankenreichs in den J. 587 und 625 dem austrasischen Stammlande, im Vertrage von Verdun 843 dem Reiche Lothars zugeteilt, 870 bei der Teilung Lothringens Kuhteniz Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen zu Frankreich geschlaen, von muich L. es aber 925 durch den Deutschen önig Heinrich I. wieder an Lothringen, und zwar von 959 ab zu Niederlothringen und somit an Deutschland fiel. Mit dem Beginn des 11. ahrh. wurde es von Lothringen getrennt, als der erzog Otto, Sohn des von Kaiser Otto mit Niederlothringen N½ Karl des Dicken, 1005 kinderlos Perstarb. achdem es hierauf mehrere Grafen von den Ardennen bis 1076 und Gottfried von Bouillon besessen, en es Kaiser Heinrich V. an Gottfried den Bärtigen (gest. 1140) aus dem Geschlechte der Grafen von Löwen und Brüssel, deren Dynastie bis zur Mitte des 14. Tusche daselbst herrschte. Erst 1190 mit Heinrich I. erscheint der Titel Herzog von B., in dem allmählich der eines Herzogs von Niederlothringen Due de Lothier) aufging. Unter eigenen Herzögen gewann das Land schnell an Macht und Selbständigkeit; doch war es vielfach in Fehde mit den Nachbarn und sehr schwankend in dem Hinneigen zu Deutschland oder zu Frankreich. Von den sechs Herzögen von B., Heinrich 1., II.j III. und Johann I., II., III., sind besonders merkwürdig Johann I., der mit die Schlacht bei Worringen (1288) Limburg mit B. vereinigte und auch als deutscher Minnesänger bekannt ist, und Johann III „ der 1349 von Kaiser Karl IV. unter dem Namen der Brabanter Goldenen Bulle das wichtige Privilegium freien Gerichtsstandes erhielt, zufolge dessen sich seine Unterthanen vor keinem auswärtigen Gerichtshofe zu stellen brauchten. Mit Johann III. erlosch 1355 der gräfl. Löwensche Mannsstamm, und durch das Vermächtnis seiner bis 1406 regierenden und mit Wenzel von Luxemburg vermählten Tochter Johanna kam B. an das burgund. Haus, und zwar zunächst an deren Großneffen Anton von Burgund, zweiten Sohn Philipps des Kühnen. Als dieser in der Schlacht von Azincourt 1415 gefallen und seine beiden Nachfoler, sein Sohn Johann IV. (Gründer der Universität Löwen) 1427 und dessen Bruder Philipp, Graf von Saint-Pol, 1430 kinderlos H waren, wurde das Land als Erbteil Philipps des Guten förmlich dem burgund. Hause zuerkannt. Durch die Verheiratung von Philipps Enkelin, Marie von kam B. an das Haus Habsburg, ging somit au auf Karl V. über und wurde von diesem seinem Sohne Philipp II. von Spanien übergeben. Gegen das Religionsedikt des letztern und Albas Grausamkeiten empörte sich B. bald; aber nur der nördl. Teil (Herzogenbusch) erkämpfte seine Freiheit und wurde 1648 unter dem Namen der Generalitätslande der niederländ. Union ein ereiht, vährend Südbrabant (die Viertel Brüssel, Löwen, Antwerpen) bis 1714 bei Spanien verblieb. Damals kam B. durch den Utrecht-Rastatter Frieden mit den übrigen südl. Provinzen der Niederlande an das r Jeseph II. Kaiserhaus zurück. Als unter Kaiser Ner II. ein heftiger Streit über die Auslegung der provinziellen Rechte, welche B. in der Joyeuse entrée (s. d.) besaß, entstand, infolge dessen die Stände von B. und Limburg aufgehoben wurden, versammelten sich die Brabanter und spraan die Trennung B.s von der Landeshoheit des Hauses Ssterreich aus. Den Streit schlichtete nach Josephs II. Tode Leopold II. dadurch, daß er den Brabantern die alten Vorrechte zugestand. Wie schon 1746 das österreichische B. durch die Franzosen erobert, im Frieden zu Aachen 1748 aber zurückgegeben worden war, so ward es von diesen 1794 von neuem erobert und im Frieden zu Campo-Deil de⸗ 1797 mit Wemmn 8 vereinigt. Der nördl. eil desselben wurde nun das Depart. der beiden Nethes, mit der Hauptstadt Antwerpen, der südliche das Depart. Dyle, mit der Hauptstadt Brüssel. Als Napoleon 1810 auch das holländische B. mit dem Französischen 7 vereinigte, ward aus demselben nebst einem Teile von Geldern das Depart. Rheinmündungen gebildet. Infolge des Pariser Ronareh von 1814 und der Beschlüsse des Wiener ongresses wurde B. ein Hauptteil des Königreichs der Niederlande und bildete die drei Provinzen Nordbrabant, Antwerpen und Südbrabant. Die letztere mit der Hauptstadt B.s, Brüssel, ward 1830 der Herd des belg. Aufstandes und wurde infolge desselben das Stammland des neuen Königreichs Belgien (s. d.), während Nordbrabant bei Holland verblieb. [Kronenthaler.