FeedBrandenburg an der Havel
ErdkundeBrockhaus 1882

Brandenburg an der Havel, das alte Brennaburg oder Brendanburg, später durch Korruption Brennaborch oder Brennabor, Stadt, von welcher die Mark B. den Namen erhalten hat, jetzt als eigener Stadtkreis zum Regierungsbezirk Potsdam geörig, liegt an der Berlin-Magdeburger Staatsahn in 35 m Höhe und wird durch die Havel in die Alt⸗ und Neustadt geteilt; einen dritten Teil bildet der sog. Dom oder Burg B. auf einer Insel des lusses. Alt⸗ und Neustadt waren früher getrennte tädte, wurden aber 1715 unter einen Magistrat vereinigt. Unmittelbar neben der Altstadt erhebt ich, etwa 63 müber den Spiegel der Havel, der Rarien⸗ oder Harlungerberg, auf dessen Gipfel einst ein heidnischer Tempel des Triglaff, später die berühmte Marienkirche mit dem zugehörigen Kloster stand und seit 1880 ein 30 m hohes Denkmal für die in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Kurmärker sieht. Die Stadt ist der Sitz eines Amtsgerichts, einer Strafanstalt, zweier Superintendenturen, eines Hauptsteueramts und anderer königl. Behörden, sowie einer Reichsbanknebenstelle; auch bb sie ein Gymnasium, eine Ritterakademie, eine öhere Töchterschule und ein Realgymnasium, so- wie zahlreiche milde Stiftungen und gemeinnützige Vereine. Unter den ältern Gebäuden der Sta zeichnen sich mehrere Kirchen aus; besonders sind die St. Katharinenkirche (1381—1402) in der Neustadt und die Domkirche (1170—1318, mit einer Krypta und mancherlei Altertümern) ehialanden Vor dem Rathause steht eine 5,86m hohe Rolandssäule. Die Stadt hat viele und schöne Promenaden. Die Einwohner, deren Zahl, einschließlich des Doms, (1880) 29 066 beträgt, unterhalten bedeutende Woll⸗ und Seidenwaren⸗,Ol⸗, Goldleisten⸗„Tuch⸗, Korbwaren⸗, Stärkezucker⸗ und Sirupfabriken, Loh⸗ und Weißerbereien, Lederfabriken, Schneide⸗„Mahl⸗ und lmühlen; die *½. und die Fischerei in der Havel und dem nahegelegenen Plauer-⸗ und Beetzsee sind beträchtlich; auch die Gartenkultur steht auf hoher Stufe. 7 Die Burg Brennaburg wurde im Winter 927 auf 928 von 1 7 Heinrich I. den Hevellern abgenommen. Sein Nachfolger Kaiser Otto I. stiftete hier 949 ein Bistum, das zuerst dem Erzbischof von Mainz untergeordnet, 968 dem neuerrichteten Erzbistum Magdeburg zugeteilt, aber schon 983 durch die heidnischen Wenden wieder vernichtet und dann durch Albrecht den Bären 1161 von neuem hergestellt wurde. Nachdem 1539 der Bischof Matthias von Jagow zur evang. Kirche übergetreten und 1544 der kath. Gottesdienst im Dom eingestellt worden war, wurde das Bistum bis 1598 von Kurfürsten administriert, dann aufgehoben und die Stiftsgüter teils in kurfürstl. Domänen verwandelt, teils an Adelige veräußert. Doch blieb das Domkapitel, welches erst 1810 gesetzlich aufgehoben, aber 1826 wieder erneuert wurde. Von den zwölf Domherrentellen, welche sämtlich vom Könige verliehen weren, gehören seitdem neun dem Adels⸗ und drei dem geistlichen Stande. Im Nov. 1848 wurde der Sitz der preuß. Nationalversammlung nach B. verlegt, wo sie 27. Nov. eröffnet und 5. Dez. 1848 aufgelöst wurde. . Heffter, «Geschichte der Kur⸗ und Hauptstadt B.» (Potsd. 1839); Jork, 4B. in der Vergangenheit und Gegenwart, ein Wegweiser durch die Stadt und ihre Altertümer» (Brandenb. 1880); 440 Brandenburg (Friedr. Wilh., Gr. Schillmann, «Geschichte der Stadt B. an der Havelo (Brandenb. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 441Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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