Braunsberg, Kreisstadt im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen, liegt an der Staatsbahn Königsberg-Dirschau, 60 Kme im SW. von Königsberg, und an der her mih u welche Alt- und Neustadt trennt, bis hierher mit kleinen a bei zeugen beschifft wird und 8 Em weiter unten bei ihrer Mündung in das Frische Haff einen Hafen bildet. Die Stadt ist Sitz eines Land⸗, eines Amtsgerichts, einer hat 11880) 1194 und einer Reichsbanknebenstelle, hat (1880) 11542 E., welche zu drei Vierteilen Katholiken sind, vier Kirchen (drei katholische, unter welchen die Katharinenkirche, und eine evangelische) und vier Hospitäler, starken Gewerbebetrieb und nicht unbedeutenden Handel mit Getreide, Flachs, Olkuchen und Schiffbauhol Früher wurde vie Garn ausgeführt, viel Tuch- und Leinweberei getrieben. Jetzt ist die Brauerei am blühendsten, daneben die Gerberei und der Mehlhandel. In dem an Stelle des Rüudenn fürstbischöfl. Schlosses errichteten Gebäude befindet sich ein 2. Juli 1811 gestiftetes Schullehrerseminar. ½½ ist in B. das 1579 von dem berühmten ermeländ. Kardinal-Bischof Stanislaus Hosius gegründete Lyceum Hosianum. Dasselbe war früher nur ein bischöfl. Seminar für junge Geistliche, wurde aber bei seiner Wiederherstellung, nach der Auflösung infolge teilweiser Zerstörung durch die Franzosen 1807, durch die Kabinettsordre vom 19. Mai 1818 zu einer kath. Fakultät der Theologie und Philosophie erhoben und aus den Gütern des kurz vorher — — risierten Klosters Neuzelle bei Frankfurt a. O. dotiert. Es hat 10 Professoren und im Durchschnitt 40 Studierende jährlich, aus denen sich der Klerus von Ermeland in Daneben besteht das Priesterseminar des Bistums Ermeland, 1565 ebenfalls von Hosius gegründet, ferner ein Gymnadurch welches, 1565 gegründet, 1807 ebenfalls urch die Franzosen — — aber 1811 reorganisiert ward. Die Deutsche Ordensburg Brunsberg ist 1241 erbaut; die Stadt wurde 1251 gegründet. Sie war der Sitz des Bischofs von Ermeland von 1255 — 98, wo derselbe nach Frauenburg verlegt wurde. Nachdem sie 1261 die Preußen verbrannt, wurde sie 1279 wieder erbaut, erhielt durch Bischof einrich I. 1284 Lübisches Recht und gehörte zur ansa. Im J. 1454 trat B. auf Seite der sog. ündner, des Gegenbundes gegen den Deutschen Orden, und 1466 kam es durch den + von Thorn mit dem ganzen Bistum Ermeland an Polen. Am 1. Jan. 1520 überfiel die Stadt der Hochmeister Albrecht von Brandenburg. Im dene desselben Jahres belagerten sie die Wolen, enen sie 30. — 1626 von Gustav Adolf entrissen wurde. Iu affenstillstand zu Altmarkt 1629 blieb sie den chweden überlassen und ward von diesen erst 1635 wieder B. wurde 1656 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg besetzt, in dessen Pfandbesitz es bis 1663 blieb; wieder an Polen Tilun eben, kam die Stadt 1772 bei der ersten Teilung Polens an Preußen. Im J. 1807, wo es an der Passarge zu mehrern Gefechten kam, vertrieben die Russen bei B. die franz. Vorposten 24. Febr., wurden aber 26. Febr. von Bernadotte nach Heiligenbeil Ianf945, Scr — Der Kreis Braunschweig, deutsches Herzogtum, zerfällt in drei größere getrennte Landstücke, die Kreise Brauns weig-Wolfenbüttel-Helmstedt, Ganderseim-Holzminden und Blankenburg und in fünf leinere Exklaven, die Amtsgerichtsbezirke Kalvörde und Dodenbura sowie die Ortschaften Glsburg, Boden und Ostharingen, wovon Thedinghausen und Olsburg zum Kreise B., Kalvörde zum Kreise Helmstedt und Bodenburg nebst Ostharingen zum Kreise Gandersheim gelegt sind. Das nördl. Br. und 8 55, 47“ bis 11 27/ 50“ östl. L. Dan oper, Wenf wird von den preuß. Provinzen annover, Westfalen und Sachsen und Dabdeck auf kurzen Strecken vom aldeck4½ und dem Anhaltischen begrenzt und umfaßt insgesamt 3690,43 qkkm. Das früher mit Preußen Beninschaftliche Kommunionharzgebiet ist durch Vertrag vom 9. Juli 1874 zwischen B. und Preußen geteilt, jedoch ist der gemeinschaftliche Betrieb der Hüttenwerke, an deren Ertrage ersteres mit drei Siebenteln, letzteres mit vier Siebenteln teilnimmt, bestehen geblieben. Der nördl. Hauptteil ist meist eben und Dugeltgz die höchste Pepdöl findet sich hier im Elme (327 m). Der südöstl. Hauptteil (das ehemalige Fürstentum Blankenburg nebst Stift Walkenried) liegt im Bereiche des Harzes, dessen höchste Punkte hier der Wormberg (971m), die Achtermannshöhe (936 m) und der Eversberg (679 m) sind. Die westl. Ländermasse wird von dem sog. Wesergebirge wuld das im Ith zu 390 m und im Sollingerwal zu 448 m emporsteigt. Mit Ausnahme des Kreises Blankenburg und des Amtes Kalvörde, welcher erstere durch die Bode wie letzteres durch die Ohre zum Elbgebiete gehört, sowie der Gegenden, wo der große Bruchgraben Elb⸗ und Wesergebiet auf merkwürdige Art verbindet, liegt das Herzogtum im Bereiche des Wesergebietes. Die Weser selbst ist im Westen größtenteils nur Grenzfluß, wie im Nordosten die Aller; den größten Anteil hat jedoch die bei Wolfenbüttel und B. vorüberfließende Ocker; die Leine ist nur zu kleinem Teile braunschweigisch. Das Klima für die Ebenen das den an vieh norddeutsche, für die höhern Harzgegenden ein viel rauheres, weshalb man hier vier Wochen später als im Flachlande erntet. Die mittlere Jahrestemperatur ist in der Hauptstadt B. + 7,22 R. Die Bevölkerung des Herzogtums belief sich nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1880 auf 349367 E. (95 auf 1 akm), wovon auf 13 Städte 133 991 CE. und auf 444 Flecken und Landgemeinden 215376 E. entfallen. Bewohnte Gebäude wurden gezählt in den Städten 10532, auf dem Lande 28 176, im Herzogtum überhaupt 38 708. Der Religion nach verteilt sich die Gesamtbevölkerung auf 334318 Lutheraner, 3428 Reformierte, 9615 Katholiken, 618 sonstige Christen und 1388 Juden. Mittel der X Cheschli Periode 1871 —80 betrug die Zahl der Eheschließungen 3064, der Lebendgeborenen 11790, der Gestorbenen 8376, mithin Geburtsüberschuß jährlich 3414 Köpfe. Die Betriebszweige der Landesindustrie finden in allen drei Naturreichen vortreffliche Stützen. Der Ackerbau ist hoch entwickelt. Bei der agrarstatist. Erhebung im J. 1878 wurden an Ackerland 177032 ha (48,2 Proz.), Gärten 6122 ha (1,7 Proz.), Wiesen 36 687 ha (10,1 Proz.), Angern 154538 ha (4, Proz.), Forsten 110250 ha (30,3 Proz.) und an unproduktiver Fläche 18114 ha (5 Proz.) ermittelt. Von dem Acker⸗ und Gartenlande waren bestellt mit Getreide und Hülsenfrüchten 64,2 Proz., mit Hackfrüchten und Gemüsen 19,1 Proz. (darunter Kartoffeln allein 9,7 Proz.) und mit Futterpflanzen 9,3 Proz. Der Besitzanteil des Staates an dem esamten landwirtschaftlichen Areal beträgt 10,3 .7 an dem Waldboden 72 Proz. Der Ernteertrag der Hauptprodukte im J. 1881 betrug an Weizen 311800, Roggen 774.350, Gerste 179400, Hafer 504200, Kartoffeln 2938300 metr. Ctr. Gartenbau 7 namentlich bei den Städten B. und Wolfenbüttel in größerm Umfange — Die Obstkultur hat sich insbesondere durch die thätige Mitwirkung der in der Stadt B. auf Staatskosten unterhaltenen Landesbaumschule sehr gehoben, auch sind die Staats⸗ und Landstraßen großenteils mit wertvollen Obstsorten besetzt. Zur Förderung der Landwirtschaft ist ein Landwirtschaftlicher Centralverein zu B. mit 22 Zweigvereinen im Lande thätig, welcher auch eine agronomisch-chem. Versuchsstation in B. unterhält. Eine ustedt. Die Bieh-Lehranstalt befindet sich zu Helmstedt. Die Vieh⸗ *„ wird meist in Verbindung mit dem Ackerbau etrieben und tritt nur ausnahmsweise auf dem Harze und im Amte Thedinghausen in den Vordergrund. Zur Hebung und Veredelung der Pferde-Beht ist ein herzogl. Landgestüt mit 33 auf 10 eschälstationen des Landes verteilten Hengsten vorhanden. In Harzburg befindet sich ein Privatgestüt des Herzogs, welches durch Züchtung hochedler Rasse⸗ und Rennpferde in neuerer Zeit Hervorragendes geleistet und sich einen weitverbreiteten Ruf erworben hat. Im J. 1873 zählte man 24813 Pferde, 86 172 Stück Rindvieh, 313 165 Schafe, 76731 Schweine und 41494 Ziegen. er Bergbau wird nebst der Hüttenindustrie (mit Ausnahme jedoch der von B. und Preußen gemeinschaftlich besessenen Kommunionwerke am —.— lediglich von Privaten betrieben. Die Auseute betrug 1881 in Tonnen à 1000 kg: Braun-Saaer 273 683, Asphalt 18010, Eisenerze 96 433, Bleierze 924, Kochsalz 7544, Roheisen 21 405, Blockblei 424, Glätte 1586, Kupfer 419, Schwefelsäure 12414, Kupfer⸗ und Zinkvitriol 2882, ferner 24 kg Gold und 3854 kg Silber, mit einem Gesamtwerte von 6504000 Mark. Die Zahl der Arbeiter belief sich auf 2400. Nächst etwas Torf findet sich vortreffliches Baumaterial, und zwar bei Rübeland (Marmor), im Ockerthale (Granit), bei Blankenburg, Velpke und im Solling (Sandstein), bei Königslutter (Tuffstein) und bei Lutter am Barenberge (Syenit u. s. w.). Vorzügliches Material zu Straßenpflasterungen liefern die großen Gabbro-Steinbrüche bei Harzburg. Sonstige Industriezweige von Bedeutung sind: Rübenzucker⸗, Tabak⸗, Cigarren⸗, Cichorien⸗, Papier⸗, Tapeten⸗, Tuch⸗, Seifen⸗, Cement⸗, Stroh⸗, Filz⸗ und Seidenhut⸗, Wagen⸗, Maschinen⸗ und Chokoladefabriken, ferner . ande lackierter Blechwaren, von Chemikalien (in „und Schöningen), von Holzwaren, Zündhölzern und zur Bereitung von Holzstoff zur Papierfabrikation (am Harze), Glashütten (am Harze und Solling), Steinschleifereien lam Solling), Flachs⸗ und Porzellanfabrit lin Wolfenbüttel, B. und Vechelde), orzellanfabrik (in Fürstenberg), Fabriken von Pränfen, U. Nähmaschinen, feuerfesten Geldschränken, Glacehandschuhen, Konserven, Würsten (in B.). Der Hauptsitz der Rübenzuckerfabrikation befindet sich im nördl. Hauptteile des Landes. Überhaupt verarbeiteten 30 Fabriken im Betriebsjahre 1880/81 5653 184 metr. Ctr. Rüben mit einer Ausbeute von 473 774 metr. Ctr. Rohzucker; 57 825 metr. Ctr. Zucker wurden gegen Steuervergütung aus ef sh Die Zahl der Branntweinbrennereien belief sich 1880/81 auf 48, wovon 34 im Betriebe, welche 544932 Mark Brennsteuer entrichteten; die Zahl der Brauereien betrug 101, wovon 88 im Betriebe mit einer Produktion von 275000 hl Bier und einem Brausteuerertrage von 234284 Mark. Im J. 1879 waren bei sämtlichen Gewerbebetrieben des Landes (mit Ausschluß der Eisenbahnen) 621 Dampfkessel, 553 feststehende Dampfmaschinen mit 9190 Pferdestärken und 132 Lokomobilen mit 979 Pferdestärken in Thätigkeit. Der Handel des Herzogtums ist ansehnlich und wird namentlich sehr begünstigt durch dessen Lage, die es von alters her zu einem Vermittelungspunkte der Nord⸗ und Ostseeküsten mit dem Adriatischen Meere (über Leipzig), zwischen dem Osten n; geographisch-statistisch) 47⁵ und Westen (Preußen) wie zwischen Nord⸗ und Süddeutschland (über Frankfurt a. Messen In der Stadt B. finden *+ wei Messen statt. Die wichtigern Ausfuhrartikel des Landes sind: Getreide, Garn, Leinwand, Jutegespinste, Cichorien, Papier, Tapeten, Ban und Seidenhüte, Lendl Bier, Konserven, Branntwein, Rüb⸗ und inöl, Blei, lackierte Waren, Eisen und Eisenwaren, Nähmaschinen, Holz⸗ und Holzwaren, Bausteine, Cement, Asphalt, Schwefelsäure und andere chem. Fabrikate, Würste, hes Woaem u. s. w. Das Land besitzt ein vorzügliches Wegenetz in einer Gesamtlänge von 4600 Em (worunter 747 km Staatsstraßen). Die Staatseisenbahnen, welche 1870 durch die Regierung für ein Kapital von 33 Mill. Mark und gegen Erlegung einer Annuität von 2625000 Mark (bis zum J. 1934) an eine Privatgesellschaft, die Braunschweiger Eisenbahngesellschaft, verkauft sind, haben (1880) eine Länge von 344,3 km, wovon 277,1 Em in B. und 67,2 km auf preuß. Gebiete belegen sind. Außer dieser Gesellschaft hat die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahngesellschaft in der Stadt B. ihren Sitz, welche 1870 eine Eisenbahn von Halberstadt nach Blankenburg und 1880 im Anschlusse + eine Zweigbahn von Langenstein nach Derenburg gebaut hat. Die Bahnen der letztern Gesellschaft haben eine Gesamtlänge von 26 EKm, davon 11 km in B. und 15 km in Preußen. K.deauhe Eisenbahnen unterstehen der Oberaufsicht des herzogl. Eisenlhen eins Bandel in B. In der Stadt B. bestehen eine Handelskammer, eine (1876 errichtete) Reichsbankstelle, welche letztere ihren Geschäftsbetrieb auch auf die in der preuß. Provinz Hannover belegene Stadt Goslar mit erstreckt (Gesamtumsatz 1880: 372,1 Mill. Mark), ferner die Braunschweiische Bank, eine (Braunschweigisch-Hannoversche) y othekenbank, eine Kreditanstalt und ein herzogl. Leihhaus (letzteres mit fünf Zweiganstalten in den übrigen Kreisstädten). Die Landeskreditanstalt (herzogl. Leihhaus) vermittelte seit 1842 (Gesetz vom 7. März 1842) die Kontrahierung der Staatsanleihen und ist vorzugsweise eine Hypothekenbank, macht daneben aber auch Lombardgeschäfte. Ein Annex derselben ist das Sparkassen⸗ und Versatzwesen. Durch Gesetz vom 20. Aug. 1867 war die Anstalt im wesentlichen in ein Pfandbriefinstitut umgewandelt; nach einem Reformgesetze vom 10. Juli 1881 werden aber die Darlehen auf Immobilien nicht mehr, wie seit 1867, in Pfandbriefen, sondern der Regel nach in barem Gelde gewährt, und soll das in Wertpapieren angelegte, vorzugsweise aus dem Eisenbahnverkaufe originierende Staatsvermögen durch Vermittelung der Leihhausanstalt allmählich in Hypotheken angelegt werden. Die Braunschweigische Bank (gegründet 1853), mit einem Grundkapital von 3½ Mill. Thlrn., kann bis 4½ Mill. Thlr. Banknoten ausgeben und mu Lmta deren Einlösung stets für 3½ Mill. Thlr. umlaufende Noten den vierten Teil, darüber hinaus aber den dritten Teil des umlaufenden H bar vorrätig halten. Nach dem Reichsbankgesetze vom 14. März 1875 beläuft sich die Summe der ungedeckten Noten der Bank, welche ohne Besteuerung in 2— esetzt werden kann, auf 2829000 Mark; der 1¹ umsatz betrug 1881 969,37 Mill. Mark. Seit 1862 lhen im Herzogtume als Hypothenbank für ländlichen Grundbesitz ein Ritterschaftlicher Kreditverein mit der Befugnis der Aufnahme von Anlehen gegen Schuldverschreibungen. Im J. 1881 bestanden im Herzogtume 79 Reichspost⸗ und 62 Reichstelegraphenanstalten einschließlich 11 Fernsprechämter.