FeedBrandenburg (Friedr. Wilh., Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Brandenburg (Friedr. Wilh., Graf von), preuß. General der Kavallerie und Staatsmann, geb. 2⁴. Jan. 1792 zu Berlin, war der Sohn König Friedrich Wilhelms II. aus dessen morganatischer Che mit der Gräfin Sophie Juliane Friederike von Doenhoff. Derselbe wurde 6. Juli 1795 (gleich seiner Schwester Julie, die als Herzogin von Anhalt-Köthen 28. Jan. 1848 starb) in den Grafenstand unter dem Namen eines Grafen von B. erhoben. Schon früh trat Graf B. in die Armee, war 1812 als Rittmeister dem Stabe des Generals Nork im russ. Feldzuge beigegeben, zeichnete sich in den Feldgen von 1813 — 15 vielfach durch persönliche apferkeit aus und kommandierte 1848 als Generallieutenant das 6. Armeekorps in Schlesien. Nach dem Rücktritt des Ministerium Pfuel erfolgte 3. Nov. 1848 seine Ernennung zum Chef des neuen Ministeriums, das mit dem Namen des Ministeriums B.⸗Manteuffel bezeichnet ward, die preuß. Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg verlegte, später auflöste und die Truppen unter General Wrangel in Berlin einrücken ließ. (S. Preußen.) Im Nov. 1850, als man den österr. ⸗preuß. Konflikt dem schiedsrichterlichen Spruche Rußlands unterbreitete, wurde Graf B. als Unterhändler nach Warschau gesandt. Wenn er, über seine Webens de hinaus, Esterreich in Betreff des Aufgebens der Union und des Ge-Dund gagei dieses Staats in den Deutschen und Konzessionen 4 so that er dies unter der Voraussetzung, daß Preußen und Ssterreich künftig eine koordinierte Stellung einnehmen und das Bundespräsidialrecht gemeinschaftlich ausüben. Diese Bedingungen brachte er nochmals in Anregung, als nach dem Rücktritt des Ministers Radowitz der Minister Manteuffel jene Konzessionen an Osterreich ohne Gegenbedingung machen wollte. Zwar hatte Graf B. in der Ministerialsitzung vom 2. Nov. gegen die von Radowitz beantragte Mobilmachung der Armee gestimmt, aber es verwundete ein patriotisches Herz auf das tiefste, als er Preuen, Osterreich gegenüber, immer weiter die Bahn er Nachgiebigkeit beschreiten — Der Graf verfiel in ein hestiges Gehirnfieber, dem er nach viertägiem Krankenlager 6. Nov. 1850 erlag. Friedrich VBilhehm IV. ließ ihm ein Denkmal auf dem Leipziger Platze in Berlin errichten. Aus seiner 1818 mit Mathilde, geborenen von Massenbach, geschlosenen Ehe gingen 840. Töchter und drei Söhne ervor. Von den beiden ältern Söhnen (geb. als Zwillingsbrüder 30. März 1819) ist Graf Friedrich von B. preuß. General der Kavallerie à la. zuite der Armee und Generaladiutant des Kaisers, ur. Wilhelm von B. ebenfalls General der Kavallerie, eneraladjutant des Kaisers und Commandeur der Garde-Kavalleriedivision. Der dritte Sohn, Graf Gustav von B., geb. 24. Aug. 18²⁰, bekleidet das Amt eines kaiserl. deutschen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers zu Brüssel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 442Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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