Bromberg (poln. Bydgoszcz, daher lat. Bidgostia), Hauptstadt eines Regierungsbezirks in der preuß. Provinz Posen, liegt an der Brahe, 11 Km von deren Einmündung in die Weichsel, in 43 m Höhe, 152 km nordöstlich von Posen, und wird im S. von fortlaufenden Anhöhen, im N. von einer allarober aufsteigenden, in einiger Entfernung von großen Waldungen umschlossenen Ebene begrenzt. die Stadt ist Sitz einer Regierung, eines Land⸗ und eines Amtsgerichts, der königl. Direktion der Ostbahn, eines königl. Eisenbahnbetriebsamts, eines königl. Hauptsteueramts, einer Reichsbankstelle und des Stabes der 4. Infanteriedivision und trägt einen durchaus deutschen Charakter. Die Bevölkerung beläuft sich auf (1880) 34044 E., worunter 9166 Katholiken. Unter den Gebäuden der Stadt sind die beiden katholischen und die neue, nach einem Plane von Prof. Adler in Berlin in den J. 1874 und 1875 erbaute evang. Kirche zu bemerken. Auf dem Friedrichsplatze erhebt sich seit 31. Mai 1862 das eherne Standbild Friedrichs d. Gr., von Uhlenhuth modelliert. Von höhern Unterrichtsanstalten bestehen ein Gymnasium, ein städtisches Realgymnasium, eine städtische höhere Töchterschule mit einer Selekta und das größte evang. Schullehrerseminar in der Provinz Posen. Die Gerberei, Dei erstreckt sich auf Maschinenbau, Gerberei, Destillation, Betrieb von Schneide⸗ und Mahlmühlen, vornehmlich die großen Etablissements der königl. Seehandlung, ferner auf Ziegelfabrikation, Eisengießerei u. s. w. Der bedeutende und rasch aufblühende Handel, hauptsächlich in Holz und Getreide, wird durch die schiffbare Brahe, namentlich aber durch die Eisenbahnen (die Ostbahn, die Bahn nach Warschau und die nach Posen) und den Bromberger Kanal gefördert. Letzterer wurde unter Friedrich d. Gr. 1773—74 unter von 44r Ahlrn. Leitung mit einem Aufwande von 684 471 Thlrn. erbaut, verbindet die Brahe mit der Netze (das Weichsel⸗ mit dem Odergebiet), ist 1,5 m tief, 19 m breit, 36 Km lang und hat 12 Schleusen. Derselbe trägt Fahrzeuge mit 1000 —2500 Ctr. Belastung. Die Stadt B., die bereits 1252 urkundlich erwähnt wird, befand sich bald in den Händen der Polen, bald der pommerschen Herzöge, bis sie 1327 in Beiz der Deutschen Ritter kam, die sie schon 1343 im rieden zu Kalisch wieder den Polen überließen. ie durch die Kriege völlig verödete Stadt wurde 1346 durch König Kasimir von neuem aufgebaut und erhielt Magdeburgisches Recht. Im 16. Jahrh. war B. einer der bedeutendsten Handelsorte Polens. Doch sank die Stadt unter der poln. Herrschaft und wurde auch 1701—11 durch die Pest fast ganz entvölkert, sodaß sie 1772, als sie unter preuß. Scepter gelangte, nur 700 E. zählte. Seit den Zeiten Friedrichs d. Gr. jedoch hat sich B., namentlich infolge der Anlage des Kanals, zu einer betriebsamen Handelsstadt erhoben. Die Zahl der Einwohner hat sich seit 1843, wo dieselbe 8878 betrug, nahezu vervierfacht. Vgl. Kühnast, «Histor. Nachrichten über B.y (Bromb. 1837); Wuttke, «Städtebuch des Landes Poseno (Opz. 1864); «Der Netzedistrikto (Bromb. 1868); Garbe, «Der Bromberger Kanaly (Bromb. 1874). — Der Regierungsbezirk Bromberg begreift ein Areal von 11447,2 qkm, zählt 607524 E. (246 689 Protestanten, 339 776 Katholiken, 20039 Juden), die in 50 Städten und 2170 andern Ortschaften wohnen, und zerfällt in ehn Kreise: Czarnikau, Kolmar, Wirsitz, Schubin, nowrazlaw, Mogilno, Gnefen, Wongrowitz, Brontberg Stadt und Bromberg Land; letzterer zählt (1880) auf 1388 qlcm 72 433 E.