FeedBrechnuß
PflanzenreichBrockhaus 1882

Brechnuß nennt man: 1) die Samen von Jatropha Curcas L., einem Baume Westindiens und Südamerikas (s. Jatropha); 2) die Samen von Strychnos Nux vomica L., einem auf der Küste von Koromandel in Ostindien und auf Ceylon einheimischen Baume. (S. Strychnos.) Die Samen von Jatropha, den Pharmaceuten unter den Namen Semen Curcadis, Ricini majoris, Nuces catharticae, americanae, Barbadenses bekannt, sind 20 —25 mm lang, 6—8 mm breit und stark, dunkelbraun, fast schwarz, hellgesprenkelt, den Ricinussamen sehr ähnlich. Jhr öliger Kern schmeckt anfangs mild, bald aber äußerst kratzend; er wirkt drastisch purgierend und amen mit Wase In Amerika kocht man die Samen mit Wasser und gewinnt dadurch ein fettes ol, das Oleum infernale, Ricini majoris, welches ähnlich wie Krotonöl wirkt und oft zur Verfälschung des Ricinusöls gebraucht werden soll. Bekannter und häufiger in der Medizin angewendet sind die Brechnüsse von Strychnos, die sog. aneh Dieselben (Semina Strychni, Nuces vomicae). Dieselben sind 20— 25 mm breit und lang, 3—4 mm stark, fast kreisrund, platt, von kleinen, angedrückten Haaren hellgrau oder gelblichgrau, seidenglänzend und sanft anzufühlen, auf der Mitte der untern Seite genabelt und des halb einem Krähenauge etwas ähnlich. Sie enthalten drei äußerst giftige Alkaloide: Strychnin (s. d.), Brucin (s. d.) und Igasurin (s. d.); diese gelangen schnell ins Blut unbewiken Merauf heftige Konvulsionen, Kinnbackenkrampf, Starrkrampf, anhaltende Biegung des e da und der Wirbelsäule nach hinten, indem sie das Rückenmark sehr stark affizieren. Die Anfälle setzen aus, kehren aber bald mit verdoppelter Heftigkeit wieder, bis endlich, je nach der Menge des genossenen Gifts, schon nach 6—10 Minuten oder erst achliche —I Stunde, unter immer kürzer und oberflächlicher werdendem Atem, unregelmäßigem, aussetzendem Pulse und bläulichroter Färbung der Lippen und Haut der Tod eintritt. Rettung ist allein möglich, wenn unmittelbar nach dem Genusse des Gifts dasselbe durch ein starkes Brechmittel oder durch die Magenpumpe wieder aus dem Körper entfernt werden kann, bevor es ins Blut übergeht. Als direkte Gegengifte des noch im Magen befindlichen Strychnins dienen die Gerbsäure und gerbsäurehaltige Substanzen, welche mit Strychnin eine im Wasser schwer lösliche Verbindung geben. Die Krähenaugen werden zu Vergiftungen uls wut Tiere gebraucht, aber auch in der Medizin (als wässeriges und weingeistiges Extrakt Extractum Strychni aquosum und spirituosum] und als Lehm und und ätherische Tinktur [Tinctura Strychni und Tinctura Strychni aetherea) sowie von den Alkaloiden das Strychnin) in kleinen Gaben bei Muskelschwäche, Lähmungen, geschwächtem Sehvermögen, Störungen des Magens und Darmkanals.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 491Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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