Bregenzerwald, ein Bergland im nördl. Vorarlberg (s. d.), Gruppe der Vorarlberger und Algäuer Alpen (f. Alpen, 24) gehörig, erstreckt . vom Rheinthal ötlich bis zum Mittelbergerthal, wird im S. durch das Große Walserthal und das Plateau von Hohenkrummbach (1713 m) von den Klosterthaler und Lechthaler Alpen geschieden und geht im N. und NO. ohne scharfe Abgrenzung in die eigentlichen Algäuer Alpen über. Von SoO. nach NW. wird das Gebirge von der Bregenzerach emit nitten, welche unweit Hohenkrummbach in dem Kessel von Schröcken (1260 m) entspringt, rechts den Sübersbach und die Weißach aufnimmt und nach 66 km langem Lauf beim Kniehorn, 3km westlich von Bregenz, mit einem Delta in den Bodensee mündet. Der nördl. Teil des B.s, der Außere oder Vordere Wald, ist ein nünen Wief grünes Voralpengelände, reich an Obstgärten, Wiesen und Waldungen, mit vielfach zerschnittenem Terrain. Zahme, bewachsene Berge, deren Abhänge selten von Felsabstürzen unterbrochen werden, wechseln mit kleinen Hochebenen und Thalmulden. Die Flüsse sind tief zwischen bewaldeten Steilhängen eingegraben, die Gipfel meist nur 900 — 1200 m, selten über 1500 m hoch (Brückelekopf 1180 m, Hittisberg 1324 m, Hochälpele 1463 m, Winterstaude 1874 mj. fer: Hintern Walde sind die Bergzüge länger, schärer profiliert; und schrone aufgebaute Felswände, dectiae Gräte und schroffe Pyramiden ragen aus en grünen Flanken und Kämmen der Ketten auf. Der Hohe Freschen erreicht 2002, die Mittagspitze 2092, der Hohe Ifen 2234 m, die Dolomitpyramide der Künzelspitze 2402 m. Die Flüsse sind bald wilde, tobende dald sleße mit Stromschnellen und Wasserfällen, bald fließen sie urchdie Laufes, Inseln und Kiesbänke ablagernd, durch die mit malerischen Klusen abwechselnden Thalweiten. Die herrschenden Gesteine sind Kalksteine und Schiefer der Kreide- und Flyschformation und im nördl. Teile des Vordern Waldes Molassesandstein und Nagelfluh. In administrativer Hinsicht bildet der B. einen besondern Gerichtsbezirk (1880 mit 15 421 E.) des vorarlbergischen Bezirks und dan Die Bevölkerung ist alamann. Stammes und ath. Konfession. Die Haupterwerbsquellen sind die Viehzucht und Alpenwirtschaft, der Holzhandel und die Stickerei. Viele (Wälder gehen im Sommer als Maurer, Gipser u. s. w. auswärts, um im Herbst mit ihren Ersparnissen wieder in die Heimat zurückzukehren. Städte besitzt der B. nicht. Im Hintern Walde drängen sich die Wohnstätten in den Thalkesseln zwischen den rauhen und steilen Bergflanken zu Dörfern zusammen; im Vordern Walde tit uber bestehen die Gemeinden aus zahlreichen, weit über die grünen Berghänge zerstreuten Weilern und einzelnen Höfen, und die schmucken Pfarrkirchen sind gewöhnlich nur von wenigen Häusern umgeben. Die wichtigsten Ortschaften sind im Vordern Walde Alberschwende (717 m) am Eingange in den B., Hittisau (828 m) auf der ch,Eeg zwischen dem Sübersbach und der Bolgenach, Egg (560m), Schwarzenberg (694m),/ der Heimatsort der Malerin Angelika Kaufmann, und Bezau (637 m), der Sitz des Bezirksgerichts, mit 926 C., im Thale der Bregenzerach. Im Hintern Walde liegen im bes 5, M. Reute (638 m), mit der ältesten Kirche des B. Mellau (684 m), ein aufblühender Kurort, und Schoppernau (864 m), die Heimat des Volksdichters Michael Felder. Von allen Seiten auf Saum⸗ und Fußwegen leicht zuänglich, besitzt der B. nur wenige Fahr⸗ und Postsra en. Quer durch den Vordern Wald zieht sich von der Station Schwarzach der Vorarlberger Bahn eine Poststraße über Alberschwende, Miselbach und Lingenau nach Hittisau und von dort der Bolgenach und Weißach nach zu der Station Oberstaufen der bayr. Bahnlinie Lindau-Kempten-München. Bei Miselbach zweigt von derselben eine Fahrstraße ab, die, dem rechten Ufer der Bregenzerach folgend, durch das mägnache bis Schoppernau ansteigt, wo der Saumweg nach Schröcken und Hohenkrummbach anschließt. Trotz dieser geringen Entwickelung des Straßennetzes ist der B. mit seinen zahlreichen Pfaden, seinen gangbaren Jochen und unschwierigen Bergen überall leicht zugänglich und wird auch seiner reizenden, bald anmutigen, bald wildromantischen Landschaftsbilder wegen häufig von Touristen durchwandert. Als Aussichtspunkt ist namentlich der Hohe 77 berühmt. Vgl. Buck, «Algäu, Lechthal und B. (Kempten 1878); Schindler, Vor-Vorarlberg und esttirol⸗ (Augsb. 1880).