FeedBreithaupt (Joh. Aug. Friedr.)
NaturlehreBrockhaus 1882

Breithaupt (Joh. Aug. Friedr.), namhafter Saalseie geb. 18. Mai 1791 zu Propstzella im Saalfeldischen, besuchte das Gymnasium zu Saalfeld, studierte seit 1809 in Jena und ging 1811 nach Freiberg, wo er sich das Wohlwollen Werners erwarb, auf dessen Empfehlung er 1813 als Lehrer an der Bergschule und Hilfslehrer bei der Bergakademie angestellt wurde, an welcher er auch 1827 die Professur für Oryktognosie erhielt. Nach Werners Wunsch setzte er das größere Hoffmannsche Handbuch der Mineralogiev fort, zu dessen drei Abteilungen er noch fünf hinzufügte. Seine ersten bmaonits, Oo von Mineralspezies, wie die des Ambluygonits, Skorodits, Kupfermanganerzes u. s. w./ fanden allgemeinen Beifall. Gleichzeitig trat er als selbständiger Forscher auf durch die Schrift «lber die Echtheit der Krystalleß (Freiber 1816) und die Vollständige Charakteristik des Mineralsystems» (Freiberg 1820; 3. sehr bereicherte Aufl., Dresd. 1832). B. führte in die krystallographische Nomenklatur viele zweckmäßige Ausdrücke ein und versuchte in seiner Progressionstheorie, aus tesseralen Gestalten alle andern monoaxen Primärformen abzuleiten. Sein Hauptverdienst ist, fast alle Mineralien sorgfältig untersucht zu haben und durch diese Untersuchungen nicht nur eine 1 Mannigfaltigkeit der Krystallisationsformen, sondern auch eine viel größere Menge von Mineralspezies festgestellt zu haben, deren Grenzen freilich um Teil subtil sind. Die Resultate dieser For-Lr hat B. in einem Vollständigen Handbuche der Mineralogien (Bd. 1—3, Dresd. 1836—47) niedergelegt, dem er die bersicht des Mineralreichen Abhandlungen 1eis der Rüne veröffentlichte er noch «Die Paragenesis der Mineralien» (Freiberg 1849), ein Werk, das viele neue Beobachtungen enthält und den Gegenstand mit besonderer Rücksicht auf den praktischen Bergbau beleuchtet. Auch im praktischen Bergbau hat sich B. große Verdienste erworben; ihm verdankt vorzüglich Zwickau in Sachsen die Erschließung ausgedehnter Kohlenfelder, auf denen jetzt die alenfanmn Gruben bauen. Die methodische Mineraliensammlung der Bergakademie Freiberg ist unter B.s Verwaltung von ungefähr 2800 Nummern bis über 30000 vermehrt worden. Eine treffliche Topographie lieferte er in 1825), die von seinem Sohne Hermann B. in einer verbesserten zweiten Auflage (Freiberg 1847) 1 ausgegeben ward. Nachdem B. 1866 als Oberbergrat in Ruhestand getreten war, starb er, fast vollständig erblindet, 22. Sept. 1873 zu Freiberg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 500Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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