FeedBreithaupt
TechnikBrockhaus 1882

Breithaupt (Joh. 0f bei Dar geb. 23. Juni 1736 auf dem Hartenauer Hof bei Darmstadt, ward 1768 Mechanikus an dem Hofe des Landgrafen Friedrich, übernahm die Leitung von dessen Sammlung physik. und astron. Instrumente und machte sich namentlich bekannt durch die Ausführung eines großen Mauerquadranten und eines Distanzmessers, dessen Konstruktion in neuerer Zeit wieder 8.—Sen ultefter men ist; er starb 1800 in Kassel. — Sein ältester Sohn Heinrich Karl Wilhelm, geb. 22. Juni 1775 zu Kassel, war zuerst als Gehilfe seines Vaters thätig, studierte dann Mathematik, ward 1817 Professor am Gymnasium zu Bückeburg und starb daselbst 10. Juni 1856. Er verfaßte zahlreiche Schriften über angewandte Mathematik und Technologie, von welchen besonders die Iuamenter eines neu erfundenen Markscheide-Instruments (Kassel 1800) wichtig ist, weil sie den vom Verfasser 1798 ausgefhrten Grubenzug, Berechnung und Kartierung eines Teils des Richelsdorfer Bergreviers enthält, bei welcher ein von dem bisher üblichen völlig abweichendes und viel zuverlässigeres Verfahren angewandt wurde, nämlich die Berechnung der rechtwinkeligen Koordinaten aus den Ergebnissen der mit neuen selbstkonstruierten, zweckmäßigen Instrumenten ausgeführten Längen⸗ und Winkelmessungen, und die nach diesen Koordinaten und nicht mehr auf dem Wege des unbehülflichen und ungenauen sog. Zulegens bewirkte elm 8. 0 des Grundrisses. — Friedrich Wilhelm B., jüngerer Bruder des letztern, geb. 23. Juli 1780 zu Kassel, trat in das väterliche Geschäft ein, errang gegen 1810 die ersten Erfolge mit den von ihm hi tigten Grubenkompassen, vervollkommnete die Meßtische, Boussolenapparate und Nivellierinstrumente, baute 1836 die ersten Grubentheodoliten, gewann eine sehr feine Einstellung bei den Mikrometerschrauben durch Anwendung der Differentialschraube und baute in Deutschland die erste vorzügliche große Kreisteilmaschine. Zum delte: der feinen Einteilungen gab er den Theodoliten die Verdeckungen und erfand die matte A der Kompasse. Im J. 1827 begründete er das «Magazin neuester mathem. Instrumenter, von welchen 1835 das zweite und 1846 das dritte Heft erschien. Nachdem er inzwischen die Stelle eines Münzmeisters und Konservators der physik. und astron. Abteilung des kasseler Museums erhalten hatte, übergab er 1851 sein zu einer weithin gekannten Bedeutung erhobenes Institut seinem Sohne Georg August. Er starb 20. Juni 1855 in Kassel. — Georg August B., Sohn des vorigen, geb. 17. Aug. 1806 zu Kassel, widmete sich dem Berufe des Vaters und ist seit 1851 Inhaber des Instituts. Er baute 1850 nach eigenen Een Mer eine große Längenteilmaschine, welche einen Meter ohne Unterbrechung in jedem beliebigen Verhältnis mit der Genauigkeit des Tausendteils eines Millimeters teilt. Auf dieser Maschine wurde der größte Teil der Hauptnormalmeter für die damalige Normaleichungskommission des Norddeutschen Bundes von 1869 — 72 geteilt. Im J. 1866 konstruierte er die sog. neuere Breithauptsche Kippregel, 1873 für den Großen Generalstab in Berlin die Normalkippregel mit Meßtisch, vervolltommnete die Theodolite, Nivellierinstrumente, Kathetometer, führte zuerst den für enge Grubenräume und zu geogr. Reisen bestimmten Taschentheodolit aus, wie er auch zuerst erfolgreich für geodätische Datanmesse auf Glas eingeschnittene Kreuze und Distanzmesser anwandte. Von dem durch seinen Vater begründeten „Magazin gab er das vierte, fünfte und sechste Heft heraus, das erstere die Grubentheodolite, das andere die Nivellierinstrumente, das letzte die Theodolite behandelnd, und folgte seinem Vater auch als Konservator am kasseler Museum.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 500Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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