Brennkraft, oder absoluter Wärmeeffekt nennt man in der Technik die bei der Verbrennung eines Heizmaterials frei werdende Menge von Wärme, ausgedrückt in Wärmeeinheiten oder Calorien. Zur Ermittelung der den Wert der Brennmaterialien bedingenden B. dienen entweder calorimetrische Messungen, oder direkte, aber sehr schwierig genau aus ulührende Heizversuche, oder endlich am gewöhnlichsten Elementaranalysen, aus deren Ergebnis sich nach Dulong die B., wenn auch nicht absolut exakt, so doch mit sehr annähernder Genauigkeit ableiten läßt. Dulongs Formel zur Berechnung der B. lautet: Hierin ist Wdie gesuchte B., 8080 die von Favre und Silbermann gefundene Verbrennungswärme des Kohlenstoffs, CO der Kohlenstoffgehalt in der Gewichtseinheit des Heizmaterials, 34462 die Verbrennungswärme des Wasserstoffs und H — 2 der des Brennmaterials. Als disponiblen Wasserstoff bezeichnet man diejenige Menge dieses Elements, welche 1f so viel nachdem man von dem Gesamtwasserstoff so viel abgezogen hat, wie zur Bindung des vorhandenen Sauerstoffs erforderlich ist. 0 die Analyse einer Braunkohle im wasserfreien Zu-Kehum für die Gewichtseinheit folgende Zusammenetzung ergeben: so ist V ,oris und H — 4* oder der disponible Wasserstoff = 0,o6rs — 0,oers = 0,0461, folglich W 8080-0,6467 + 0,461: 34462 6814. Wenngleich die Richtigkeit der Dulongschen Formel mancherlei Einwände zuläßt und dementsprechend vielfach angefochten ist, 1 haben doch neuere Untersuchungen gezeigt, daß sie brauchbarer ist, als von vielen Seiten angenommen wird, und daß man aus der leicht ausführbaren Elementaranalyse mittels derselben ziemlich sichere Schlüsse auf die B. machen kann, namentlich wenn es sich darum handelt, einander ähnliche Heizstoffe miteinander zu vergleichen. Von B. ist im technolog. Sinne der Begriff Heizkraft zu unterscheiden. Letztere bezeichnet die Maximaltemperatur, welche bei der Verbrennung eines Heizstoffes zu erzielen ist, unter der Voraussetzung, daß die Gesamtmenge der bei der Verbrennung frei werdenden Wärme ausschließlich auf die Verbrennungsprodukte übertragen werde; hiernach ist Heizkraft gleichbedeutend mit dem Ausdrucke pyrometrischer Wärmeeffekt. Beide Wertzahlen, sowohl der absolute wie der pyrometrische Warmeeffekt, können nur als Vergleichungswerte benutzt werden, da es in der Praxis niemals gelingt, eine Ausnutzung der Wärme zu erzielen, welche der berechneten gleichkommt. rennlinie oder kaustische Linie. Ein polierter Ring, etwa ein goldener Fingerreif, oder der obere innere Rand einer mit Fussigteit ziemlich Sute sch Porzellantasse wirft, wenn Licht von der Seite schräg hineinfällt, dasselbe so zurück, daß es sich auf der Unterlage des Ringes oder auf der Flüssigkeitsoberfläche in der Tasse als eine helle, erzförmig eingebuchtete Linie, die sog. B., abzeichnet. Ganz ahnliche krumme Linien entstehen bei der Brechung des Lichts in stark gekrümmten Linsen. Die durch piegelung entstandenen B. nennt man auch katakaustische, die durch Brechung entstandenen diakaustische Linien. Die nähere Erörterung der Eigenschaften dieser Linien gehört in die höhere Geometrie. rennmaterialien oder Heizstoffe sind diejenigen Körper, deren man sich zur willkürlichen Erzeugung von Wärme bedient. Sie sind teils Natur⸗, teils Kunstprodukte. Die wichtigsten natürlichen B. sind Holz, Torf, Braunkohle, Steinkohle, die sämtlich auf gleichen Ursprung, auf Pflanzenubstanz, zurückzuführen sind. Im Holz ist die flanzensubstanz noch im unveränderten Zustande erhalten, in den übrigen ist sie durch einen langsam verlaufenden, aber stetig fortschreitenden Verwandat mehr oder weniger verändert; am wenigsten in den jüngern Torfsorten, in denen noch wo +1t 8 Pfanzenreste mit bloßem Auge sichtbar sind; am meisten in den Steinkohlen, deren chwarze Farbe, Glanz, Bruch nicht die geringste erwandtschaft mit pflanzlichen Gebilden mehr wahrnehmen läßt, in denen aber das Mikroskop noch deutlich die Elementarorgane der Pflanzen, Zellen und Gefäße nachweisen läßt. Dieselben Bestandteile, sich in allen natürlichen B., nur sind die Mischungsverhältnisse andere geworden. Durch den Vermoderungsprozeß hat eine Zunahme des Kohlenstoff-H ehalts, dagegen Abnahme von Sauerstoff und asserstoff stattgefunden und zwar mit dem Alter fortschreitend. Nirgends ist aber diese Umwandlung bis zur Abscheidung von reinem Kohlenstoff geganen, alle natürlichen B., selbst die ältesten Steinohlen, enthalten neben dem Kohlenstoff noch Wassertoff, Sauerstoff und Stickstoff in chem. Bindung. uch die den Pflanzen eigenen anorganischen, unverbrennlichen Bestandteile fehlen nicht, doch sind diese vielfach modifiziert, teils durch Wasser ausgewaschen, teils sind durch überflutungen schlammcelöstern Wassermassen, teils durch Infiltrationen elöster Substanzen die mannigfachsten fremden örper hinzugelangt, welche beim Verbrennen als Asche zurückbleiben und sowohl durch ihre Menge, als auch durch schädliche Wirkung, welche sie ausüben können, erheblich vermindernd auf den Wert der B. wirken. Beim Entzünden verbrennt das Holz, die Kohle nicht unmittelbar, sondern es wird durch die zum Anbrennen erforderliche Kenaelettet, dienichd. an einer Stelle eine Zersetzung eingeleitet, die sich durch die Entwickelung von gasigen und dampfförmigen Dänthie e kundgibt. Die verbrennenden Gase und ämpfe geben zu neuer Zersetzung, zu vermehrter Bildung von brennbaren Gasen und Dämpfen Veranlassung, es verbrennen also die Zersetzungsprodukte der B. Und da diese einen weit größern Raum einnehmen als das ursprüngliche Material, so verbrennen sie nicht am Ort ihrer on demseih sondern in einer gewissen Entfernung von demselben, wodurch die Flammbildung ben di Je nach der Zusammensetzung der B. geben diese H17 oder weniger Dämpfe und Gase und das eine hiernach liefert eine lange Flamme, das andere verbrennt mit kurzer Flamme. Je nach dem Zweck, um den es sich handelt, wird man sich des einen oder des andern B. bedienen; will man z. B. die Wärme in einem weitern Abstande von dem Feuerherde wirken lassen, so wählt man ein starkflammendes B., kommt es dagegen auf eine mehr lokalisierte Erhitzung an, so verdient ein wenigflammendes B. den Vorzug. Die B. werden entweder in dem Zustande verwandt, wie sie von der Natur geboten werden, oder sie unterliegen einer künstlichen Zubereitung: Torf wird geformt und getrocknet, erdige Braunkohlen werden in Briquettes verwandelt, aus Holz. wird Holzkohle, aus Steinkohle Coks dargestellt. Diese bezeichnet man, im Gegensatze zu den natürlichen, vielfach als künstliche Brennstoffe. Zu letztern ist auch das Leuchtgas zu rechnen, soweit es zu Heizungszwecken verwandt wird; von besonderer Wichtigkeit für die Technik sind in neuerer Zeit auch die 0 Generatorengase geworden, die aus jedem B., selbst dem geringwertigsten, herstellbar, eine schr enaue Regulierung der Hitze bei Erzeugung sehr Hober Wärmegrade und eine genaue Bemessung der Wirkung der Flamme gestatten. Die Menge von Wärme, welche bei der Verbrennung der einzelnen B. frei wird, bezeichnet man technisch als Brennkraft (s. d.). Dieselbe ist je nach der chem. Zusammensetzung verschieden. Dar-Größe bezeichnet man entweder in Form von Wärmeeinheiten oder so, daß man die Brennkraft des reinen Kohlenstoffs (8080 W. E.) als Einheit annimmt und die der unn des B. mit dieser vergleicht. Unter Zugrundelegung des Kohlenstoffs als Einheit worden die einzelnen B. folgende Werte ermittelt worden: Vgl. Peéclet, Traité de la chaleury (Par. 1861) stoffer (Berl. 1864); Habets, De Lagglomération des combustibleso (Par. 1870); R. von Wagner, „Handbuch der chem. Technologie (10. Aufl., Lpz. 1875); Kerl u. Stohmann [Muspratt!], «Encyklo-Branusch Handbuch der technischen Chemiev (3.Aufl., Braunschw. 1876; Bd. 3, Art. „Heizstoffey).