Brescia, die Hauptstadt der ital. Provinz gleichen Namens (4257,58 qkm mit 18811 471564 E.) in der Lombardei, an der Garza und der Eisenbahn Mailand-Verona, die hier nach Pavia abzweigt, liegt in 143 m Höhe, 99 km östl. von Mailand, in einer weiten, fruchtbaren Ebene am 27 einiger Hügel längs des genannten Flusses und ist größtenteils regelmäßig gebaut. Die Wälle der ehemaligen Festungswerke hat man in Promenaden umgewandelt; indessen befindet sich an der Nordseite noch ein festes Schloß, welches von hohem und steilem Felsen herab die Stadt beherrscht. Dieselbe ist der Sitz der Präfektur, eines Appellationshofs und anderer Behörden sowie eines Bischofs und hat viele schöne öffentliche Gebäude und Privatpaläste. So die alte Domkirche, La Rotonda genannt, eine prächtige, mit vielen Statuen verzierte Rundkirche, die eine Kuppel von 83 m Höhe deckt; der neue, moderne, 1825 fertig ausgebaute Dom aus weißem Marmor, mit herrlicher Kuppel und kostbaren Reliquien; der bischöfl. Palast mit einer bedeutenden Bibliothek (B.Quiriniana 40000 Bände), welche die Stadt dem Kardinal Quirini verdankt; der 1187 begonnene Broletto, der einstige Sitz der Größe undWan Behörden, berühmt wegen seiner Größe und auart; der schöne marmorne Palazzo del Municipio oder della Loggia von 1484, und gegenüber der Uhrturm. Der prachtvolle Camposanto, seit 1815, zu welchem eine dreifache Cypressenallee führt, ist dem von Bologna ähnlich. Ferner die Paläste der Familien Martinengo (von Palladio erbaut) u. s. w. „die auch wegen ihrer Gemäldesammlungen sehenswert. Die Stadt hatte zur Zeit der venetian. Republik 65 Kirchen, von denen noch kaum die Hälfte gottesdienstlichen Zwecken dient, darunter die Madonna dei Miracoli, San-Nazaro e Celso, mit Gemälden von Tizian, San-Giovanni Cvangelista mit ausgezeichneten Gemälden und Sta.⸗Afra die berühmtesten sind, mehrere Anstalten der Wohlthätigkeit, ein geschmackvoll gebautes Theater, ein Lyceum, mehrere Gymnasien, das reiche Mufeo civico, ein Naturalien⸗, ein Münzkabinett und einen Botanischen Garten. Auch bestehen daselbst verschiedene Akademien, darunter die Accademia de' Filarmonici, eine der ältesten in Italien, und eine landwirtschaftliche Gesellschaft. Ein Aquädukt führt das Wasser den 72 Spring⸗ und 400 Privatbrunnen von ompiano her; an Fontänen und Inschriften ist kein Ort reicher. Die Stadt * (1881, nachdem 1880 fünf Gemeinden mit B. vereinigt worden waren) 60630 E., die sehr thätig und industriös sind. Es befinden sich hier vorzügliche Seidenspinnereien, Gent, Et in seidenen Zeugen, Bändern, Zwirn, Barchent, Strümpfen, Mützen, Leinwand, wollenen Decken, Hüten und andern Arbeiten aus Seide, Hanf, Flachs, Wolle und Baumwolle, ferner Goldarbeiterei, öl⸗ und Papierfabriken. Am berühmtesten sind die Eisenwaren⸗, besonders die Messer⸗ und Gewehrfabriken, weshalb auch die Stadt von alters her den Namen Parmata führt. Hammer⸗ und Mühlenwerke schallen durch die Stadt. Auch treiben die Bewohner bedeutenden Handel mit Seide, sowohl roher als esponnener, mit Wein, namentlich dem berühmten Uno-Santo, mit Flachs, Tuch, Eisen⸗ und Seidenwaren sowie Römer hat die Stadt mehrere herrliche Denkmäler aufzuweisen, die nebst den in der Umgegend aufgefundenen in dem Museo Patrio vereinigt sind, das man an der Stelle des mitten in der Stadt 1820 aufgegrabenen Tempels des Hercules (aus Vespasians Zeit 2) oder des Jupiter mit der berühmten 2m hohen ehernen Victoria errichtet hat. B. war eine altgallische Stadt, hieß im Altertum Brixia und war Hauptstadt der Cenomanen. Ihre Einwohner waren Bundesgenossen der Römer, als Zannibal über die Alpen herabstieg und sie bekriegte. Später führten die Römer Kolonisten dahin, durch welche die Stadt sich bald zu großem Wohlstande aufschwang, sodaß sie einer der bedeutendern Orte in Gallia Transpadana wurde. Während der Völkerwanderung von den Hunnen zerstört, wurde sie bald wieder aufgebaut und teilte nach dem Unterange des Ostgotischen Reichs mit dem größten eile Oberitaliens gleiche polit. Schicksale. Die Longobarden, dann Karl d. Gr. und die Franken, das Deutsche Reich und einheimische Fürsten setzten sich nacheinander in den Besitz derselben. Trotz dieser Wechselfälle gelangte sie doch zu bedeutendem Wohl-Ra und äußerer sowie innerer Kraft und Macht. dach dem Aussterben der deutschen Kaiser aus dem sächs. Hause errang sie sich Selbständigkeit, trat daher auch der Verbindung der lombard. Städte gegen Kaiser Friedrich I. bei und erlangte nach dem Siege über denselben bei Legnano 1176 im Frieden zu Konstanz die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit. Kaiser Friedrich II. belagerte die Stadt Aug. bis Okt. 1238 vergebens, Heinrich VII. eroberte sie 1311. Dann kam B. 1339 unter die Herrschaft der Visconti, 1428 an Venedig. Im J. 1796 entriß Bonaparte den Venetianern B. und schloß daselbst mit Neapel Waffenstillstand. Vald darauf wurde die Stadt durch die Osterreicher unter Wurmser genommen, die sie aber wieder an Augereau über-In d mußten. Erst 1815 gelangte sie an Esterreich. n der mlehbaft des J. 1848 nahmen die Brescianer den lebhaftesten Anteil. Schon im März ergriffen sie bei den ersten Nachrichten von den Ereignissen in Mailand die Waffen und nötigten die österr. Garnison zu kapitulieren. Die Stadt beunstigte jedoch im Gegensatz zu den mailänder Republikanern lebhaft den Anschluß an Piemont. Nach der Schlacht von Custozza und der Kapitulation von Mailand teilte sie das Schicksal der übrigen lombard. Städte. Als im März 1849 der Krieg zwischen Piemont und Ssterreich wieder ausbrach, war B. die einzige größere Stadt der Lombardei, deren Bevölkerung sich gegen die österr. Herrschaft erhob. Da sich die Stadt nach der Niederlage der Piemontesen bei Novara nicht gutwillig ergeben wollte, wurde sie 30. März von Haynau mit 3800 Mann angegriffen und zugleich von der in österr. Händen gebliebenen Citadelle ein furchtbares Bombardement eröffnet. Die Bewohner verteidigten sich bis zum Mittag des 2. April, zum Teil zwischen rauchenden Ruinen. Haynau gewährte der Stadt Schonung des Lebens und Eigentums gegen Entrichtung einer Auflage von mehr als 6 Mill. Lire. Im Italienischen Kriege von 1859 stand B. wieder auf seiten Piemonts, an das es mit der übrigen Lombardei abgetreten wurde.