Elbing, Fabrik⸗ und Handelsstadt im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen, am schiffbaren Flusse gleiches Namens, der durch den Kraffohlkanal mit der Nogat, dem östl. Arme der Weichsel, in Verbindung gebracht ist, ist Station (km vom Orte) der Linie Berlin-Königsberg-Eydtkuhnen der Preußischen Staatsbahn, bildet einen eigenen Stadtkreis und zählt (1880) 35842 E., wovon 28356 Cvangelische, 6612 Katholiken, 519 Juden, 219 Sektierer und 106 Andersgläubige, bezugsweise ohne Angabe. Die freundliche und sauber gebaute Stadt ist Sitz des Landratsamts für den Kreis C. Land, eines Land⸗, Schwur- und zweier Amtsgerichte, eines Hauptsteueramts, sowie einer Reichsbankstelle, einer Handwerkerbank, hat fünf evang., eine kath. und zwei mennonitische 44. 5 sowie eine Baptistenkapelle und eine Synagoge. Als Gebäude zeichnet sich darunter nur die Marienkirche aus, ein Bau des 14. Jahrh. Das 1536 gestiftete, 1817 an den Staat übergegangene Gymnasium enthält die Stadtbibliothek von 26000 Bänden. Außerdem bestehen ein Realgymnasium, eine höhere Töchterschule, zwei Mittel- und neun Elementarschulen, eine Taubstummenschule, ein Waisenhaus und gut eingerichtete Armen- und Krankenanstalten. Sehr bedeutend ist die Pott-Cowlesche Stiftung, aus der viele Wohlthätigkeitsanstalten unterstützt werden. Dieselbe verdankt ihre Begründung dem reichen Engländer Rich. Cowle, der sich 1810 in E. niederließ und 1821 in Danzig starb, und dessen Gemahlin eine geborene Pott war. Die Fabriken und Manufakturen der Stadt Darte Herren. lich Wagen, Stärke, Segeltuch, Watte, Kerzen Fonditorwaren, Weberwaren, Leder, Sprit, Tabak, Seife, Essig, Ol, Bier, Glas, Strohpapier, Dachpappe und Kunststeine. Von besonderer Wichtigkeit sind die Maschinenbauanstalten, in denen der Bau von Lokomotiven, Dampfmaschinen und allen landwirtschaftlichen Maschinen schwungvoll betrieben wird, solche für Eisenbahnbedarf (Waggons), für Blechwaren, sowie Schiffswerfte (Kriegs⸗, Torpedo⸗ See-und Flußschiffe für die Handelsmarine) und Zuckerfabriken. Außerdem findet sich hier Gemüsebau, Leinweberei, Dampfmahl-⸗ und Sägemühlen, eine Gasanstalt, Schiffahrt und lebhafter Handel mit Getreide, Holz, Steinkohlen, Flachs, Butter, Fischen, Kolonialwaren. Erwähnenswert sind ferner die hiesigen Fettviehmärkte. Mit Danzig, Königsberg und Stettin steht E. durch Dampfschiffahrt in Verbindꝓung. Während der Seehandel E.s durch das Aufblühen Danzigs beeinträchtigt wird, hat die Binnenschiffahrt durch den 1844 -60 erbauten Oberländischen Kanal, welcher die höher liegenden ostpreuß. Seen mit dem etwa 100 m tiefer liegenden Drausensee und dem Elbingfluß verbindet, einigen Aufschwung genommen. E. wurde 1237 durch Lübecker gegründet, welche sich um die von den Deutschen Rittern daselbst angelegte Burg ansiedelten. Die Stadt erlangte 1246 lübecker Recht, wurde Alübdeitig in die deutsche Hansa aufgenommen und blühte rasch auf, bis sie sich 1454 vom Orden losriß, unter poln. Schutz stellte und 1466 auch vom Orden an Polen abgetreten wurde. Ganz herabgekommen, erholte sich E., als es 1772 an Preußen kam, zumal da Danzig noch bis 1793 bei Polen verblieb. Später sank es wieder; doch in neuerer Zeit strebt es mit Rührigkeit nach neuer Blüte. Vol. Rhode, Der Elbinger Kreis in topogr., histor. und statist. Hinsichtb (Danz. 1871). — Der Landkreis Elbing zählt (1880) auf 608 akm 37316 E.