FeedBrouckere (Charles de)
GeschichteBrockhaus 1882

Brouckere (Charles de), hervorragender belg. Staatsmann, geb. zu Brügge 18. Jan. 1796, stammte aus einer in Lüttich und Limburg begüterten adeligen Familie. B. besuchte die Gymnasien * Brügge und Brüssel und trat 1815 als Sekondeieutenant in die niederländ. Artillerie, schied aber 1819 aus dem Heere und wurde Abteilungschef bei der Provinzialregierung für Limburg „1828 kommandierender Major der «Schutterijo in Mastricht. Als Deputierter der limburger Provinzialstaaten in die Zweite Kammer der Generalstaaten (1826) gesandt, schloß er sich der liberalen belg. Minorität an, zu deren Hauptführern er gehörte, trat 1829 aus dem Staatsdienst und schlug sich 1830 auf die Seite der Revolution, nahm an dem außerordentlichen Landtage im Haag teil, schloß sich bald entschieden der neuen Ordnung an, wurde in die Ver-De Darhanplunten gewählt und stimmte, nachdem ie Verhandlungen mit dem Prinzen von Oranien völlig gescheitert waren, im Nationalkongreß für die ewige Ausschließung des Hauses Oranien wie für die Berufung des Herzogs von Nemours auf den belg. Thron. Unter der Provisorischen Regierung wirkte er als Chef des Finanzausschusses, dann als Finanzminister des Regenten. Im ersten Ministerium des Königs Leopold, dessen Thronkandidatur er zuerst bekämpft hatte, war B. einige Tage lang Minister des Innern. on die Provisorische Re⸗ +1. hatte ihn zum Artillerieobersten und der önig zum Adjutanten ernannt. Nach den unglücklichen Kriegsoperationen gegen Holland (Aug. 1831) wurde er zum Kriegsminister ernannt und erwarb sich durch kräftig durchgeführte Organisationsmaßregeln große Verdienste, gab aber schon im März 1832 wieder seine Entlassung. Zwei Jahre darauf wurde er Direktor der Münze, übernahm 1834 an der neugegründeten liberalen Universität zu Brüssel eine Professur, später auch für die Staatswirtschaft an der brüsseler Handelsschule. Bedeutend vergrößerte sich sein Wirkungskreis, als er zu Anfang 1835 mit dem Projekt der Bank von Belgien hervortrat, als deren Direktor er fungierte, bis er nach der 1838 eingetretenen Bankkrisis seine Entlassung nahm. Nachdem er 1848 zu Brüssel wieder in die Kammer gewählt worden, ernannte ihn der Minister Rogier zum Bürgermeister der Hauptstadt, als welcher er sich durch energisches und praktisches Wirken große Verdienste erwarb. B. starb 20. April 1860. Vgl. Juste, Charles de B.y (Brüss. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 586Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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