Brunner (Sebastian), kath. Theolog und Schriftsteller, geb. 10. Dez. 1814 zu Wien, studierte Theologie an der wiener Universität, wurde 1838 zum Priester ordiniert, wirkte hierauf als Kaplan und Pfarrverweser in verschiedenen, an der mähr. und ungar. Grenze der Erzdiöcese gelegenen Stationen, dann 10 Jahre lang als Kooperator in Wien. Von 1843 bis 1848 wurde er von Metternich für Zusammenstellung und Beurteilung der 1e Beweschaftsberichte über die religiöse und soziale Bewegung verwendet. Der Staatskanzler schickte ihn 1846 nach Deutschland und Frankreich; B. machte ein Referat, in dem er das Losbrechen der Revolution in längstens zwei Jahren voraussagte, und legte seine Anschauungen über die Zustände in Deutschland im Romane Die Prinzenschule zu Möpselglücke (2 Bde., Regensb. 1847) nieder, welcher im letzten Kapitel den März 1848 drastisch ankündigt. Von 1848 bis 1865 gab B. die Wiener Kirchenzeitunge heraus; 1853—-57 war er Prediger an der Universitätskirche, auf welche Stelle er aber resignierte, als die Kirche den Jesuiten zurückgegeben wurde. Im J. 1865 wurde er zum infulierten apostolischen Protonotar, päpstl. Hausprälaten und röm. Grafen ernannt. Seine ersten Dichtungen, Der Babenberger Chrenpreiso (2. Aufl., Regensb. 1846) und «Die Welt ein Eposo (3. Aufl., Regensb. 1846), fanden außerhalb Osterreich und Altbayern nur eine sehr geringe Beachtung. Mehr Aufmerksamkeit erregten einige seiner in Versen abgefaßten satirischen Schriften, deren Ton und Inhalt sich schon im Titel charakterisiert. Dahin gehört: „Der Nebeljungen Liede(Regensb. 1845; 4. Aufl. 1857), ein Angriff auf die Hegelsche Schule. Ferner die Schriften: „Die Hiobsposto, Blöde Ritter. Galerie deutscher Reichspiehs „Schreiberknechtex, «Das deutsche Reichsvieh, «Keilschriftendo u. s. w. Hieran reihten sich Erzählungen, wie Des Genies Malheur und Glücko (2. Aufl., 2 Bde., Regensb. 1847), „Diogenes von Azzelbrunno (2. Aufl., 2 Bde., Wien 1853), «Fremde und Heimato (2. Aufl., 2 Bde., Wien 1849). Später folgten noch mehrere Reiseschilderungen, wie «Kennst du das Land? Heitere Fahrten durch Italien» (Wien 1857), Aus dem Venediger⸗ und Longobardenlando (Wien 1860); »Unter Lebendigen und Toten» (Wien 1862; 2. —*— 1863), «Heitere Studien und Kritiken in und Über Italieno (Wien 1866). Alle diese poetischen und ausgabe ( Werke, von denen B. eine Gesamtausgabe (18 Bde., Regensb. 1864— 77) veranstaltete, sind reich an drastischem Humor und derbem, oft kaustischem Witz, bekunden aber doch, abesehen von ihrer dsers gehen den fanatischen ngrimm des Verfassers gegen alle Erscheinungen des modernen Lebens, die Über seinen engen Horizont hinausliegen. Nicht ohne Interesse sind Clemens Maria Hofbauer und seine Zeite (Wien 1858) und Die Kunstgenossen der Klosterzelles (2 Bde., Wien 1863) wegen der darin gebotenen Materialien zur Kirchen⸗ und Kunstgeschichte. Dasselbe ist der Fall mit alt an histor. Werken, 0 B. Die theol. Dienerschaft am Hofe Walledn I.v (Wien 1868), Die Mysterien der Aufklärung in Ssterreich 1770—18005 (Mainz 1869), Der Humor in der Diplomatie und Regierungskunde des 18. Jahrh.v (Wien 1872). Eine Art Selbstbiographie — er unter dem Titel Woher? Wohin o (2 Bde., ien 1855) heraus. Außerdem hat er auch Predigten, Erbauungsbücher und theol. Schriften (3. B. gegen Renan) veröffentlicht.