Brunnow (Phil., Graf von), russ. Staatsmann, geb. 31. Aug. 1797 zu Dresden als Sohn einer kurländ. Adelsfamilie, genoß hier Privatunterricht, bis er 1815 die Universität zu Leipzig bezog. Zur Zeit des Kongresses in Aachen trat B. 1818 in russ. Dienste und erhielt eine Anstellung im Departement des Auswärtigen. Nachdem er auf den Kongressen zu Troppau, Laibach und Verona gewesen und eine Zeit lang bei der Gesandtschaft in London als Sekretär fungiert hatte, wohnte er 1828 und 1829 als Civilbeamter den Feldzügen gegen die Türken bei. Zum Staatsrat ernannt und dem Grafen von Nesselrode unmittelbar attachiert, war er in Petersburg als erster Redacteur des Departements der auswärtigen Angelegenheiten thätig, wurde 1839 Gesandter in Stuttgart und Darmstadt und erhielt im Herbst desselben Jahres eine spezielle Mission nach London, um in der Pen den Rad Frage eine London Annäherung wischen den Kabinetten von London und Petersurg zu bewirken. Nachdem er im Frühling 1840 bleibend in London akkreditiert worden, kam hier unter seiner Mitwirkung der Vertrag vom 15. Juli 1840 zu Stande, wodurch Frankreich und Großbritannien diplomatisch getrennt wurden, während das Einverständnis der nordischen Mächte mit dem Kabinett von London in der Orientalischen Frage eine vorläufige Ents teer herbeiführte. Den engl. Handelsstand suchte er durch den Schiffahrtsvertrag von 1849 an Rußland zu fesseln, während die 9 das 20 beider Staaten im Norden Europas durch das Londoner Protokoll vom 8. Mai 1852 solidarisch verbunden werden sollten. Trotzdem vermochte B. die orient. Krise nicht abzuwenden. Anfang 1854 mußte er London verlassen und beab sich zunächst nach Petersburg, wo er ohne Anstellun blieb, bis er 1855 zum Gesandten am Deutschen Bundestage ernannt wurde. Hierauf unterhandelte er als zweiter Bevollmächtigter Rußlands den Friedenstraktat von Paris, wofür er 1856 den Titel eines Wirkl. Geheimrats und den Gesandtschaftsposten in Berlin erhielt. Im J. 1858 ward er von neuem am brit. Hofe akkreditiert und 1860 zum Range eines Botschafters eroben. Im April 1864 nahm er als Vertreter ußlands an der Londoner Konferenz teil, wo er mit CEifer die Interessen Dänemarks verfocht, aber das Scheitern der Unterhandlungen nicht verhindern konnte. Die im Herbst 1870 erfolgte Aufkündigung des Pontusvertrags wußte er dagegen der brit. Regierung gegenüber so glücklich zu vertreten, daß der Kaiser ihm 1871 den Grafentitel verlieh. Im J. 1874 nahm B. seinen Abschied und lebte darauf in Darmstadt, wo er 12. April 1875 starb.