FeedBucer oder Butzer (Martin)
ReligionBrockhaus 1882

Bucer oder Butzer (Martin), einer der Kirchenreformatoren des 16. Jahrh., geb. 1491 zu Schlettstadt im Elsaß, trat schon 1505 in den Dominikanerorden. Seiner Talente wegen veranlaßte ihn der Prior des Klosters, zu Heidelberg Theologie zu studieren. Mit Eifer trieb B. neben der Theologie und den 9510. Wissenschaften das Studium der griech. und hebr. Sprache. Durch des Erasmus und Luthers Schriften bereits vorbereitet, wandte er sich, durch die persönliche Bekanntschaft Luthers bei der heidelberger Disputation völlig gewonnen, entschieden der Reformation zu. Aus dem Orden entlassen, fand er bei Franz von Sickingen auf der Ebernburg Aufnahme, ward kurze Zeit Hofkaplan des Pfalzgrafen Friedrich, übernahm 1522 die Pfarrstelle in Landstuhl und heiratete die Nonne Clisabeth Pallas. Der Kriegszug gegen Franz von Sickingen zwang ihn, zunächst nach Weißenburg und 1523 nach Straßburg zu gehen. Hier hat B. als Prediger an der Thomaskirche an der Durchführung der Reformation hervorragenden Anteil genommen; besonders sein Verdienst war es, daß dieselbe ohne UÜberstürzung und Aufruhr erfolgte. Auch in Ulm und in Köln war B. für Einführung der Reformation thätig. In den Streitigkeiten zwischen Schweizern und Wittenbergern suchte er stets zu vermitteln und besonders ber das Abendmahl Formeln am Neichete welche beide befriedigen sollten. Auf dem Reichstage von Augsburg überreichten die vier Reichsstädte Straßburg, Konstanz, Memmingen und Lindau die von B. verfaßte &Confessio tetrapolitanas, unterzeichneten aber 1532 auch die Augsburgische Konfession. Im J. 1536 brachte B. die sog. Wittenberger Concordia zu Stande. Doch war der Friede nicht von langer Dauer. Weil er sich beharrlich weigerte, das vom Kaiser aufgedrunene Interim zu unterzeichnen, so wurde seine Lage, eshalb 4. April 1549 sehr gern der Einladung des Erzbischofs Thomas Cranmer, ihn nebst Paul Falind bei der Einführung der Reformation in Engand 90 unterstützen, und wurde für die Erklärung des Neuen Testaments an der Universität zu Cambridge angestellt. Doch schon 27. Febr. 1551 starb B., wie einige angeben, an Gift. Unter zweitägigen großen Feierlichkeiten ward sein Leichnam in der Hauptkirche zu Cambridge beigesetzt. Als die Königin Maria durch die päpstl. Inqusstoren die Universität reinigen ließ, wurden 6. Febr. 1556 B.s Gebeine auf dem Marktplatze öffentlich verbrannt; doch die Königin Ses ließ dessen Grabmal wiederherstellen. Bis bestes Werk ist eine übersetzung und Erläuterung der Psalmen, die er unter dem Namen Aretinus Felinus zu Straßburg (1529) herausgab. Eine Gesamtausgabe seiner Schriften in zehn Bänden beabsichtigte Hubert; doch ist davon nur ein Band (Bas. 1577) erschienen, der zu den Seltenheiten gehört. Vgl. Baum, «Capito und Butzer, Straßburgs Reformatorenv (Elberf. 1860), Briefwechsel Landgraf Philipps des Großmütigen mit B.», herausg. von Lenz (Bd. 1, Opz. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 647Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6