FeedBusch (Johannes)
ReligionBrockhaus 1882

Busch (Johannes), Augustinerpropst zu Hildesheim, eifriger Klosterreformator des 15. Jahrh., eb. im Anfang des J. 1400 zu Zwolle, besuchte die chule seiner Vaterstadt, trat 1417 ins Kloster Windesheim ein und ward nach anderthalbjährigem Noviziat 6. Jan. 1419 als Mönch eingekleidet. Windesheim bildete den Ausgangspunkt fur eine gründliche Reformation der meist entarteten 2518 welche von den Brüdern des gemeinsamen Lebens (. d.) angeregt war. Die in deren Sinne reformierten deshei des Augustinerordens schlossen si zur Windesheimer Kongregation Leitanr. S. Dieser Reform wandte auch B. seine Arbeit zu. Schon als Diakon ward er im J. 1424 vom Generalkapitel nach Bödingen in der Diöcese Köln gesandt, um für dessen Resorm thätig zu sein; in Köln zum Kloster 75 weiht, ward er im Jan. 1429 in das Klo dinkerken in bamdde and geschickt, im August nach Beverick und ba Von 1434 bis 1437 verwaltete B. zu Windesheim und Sestnern * War 1447 mit zaund Jegen gewirkt. Dann siedelte er als des Klosters Neuwerk und Nuchbiakon der Propst nach Halle über. Als Archidiakon hatte er dis Ge richtsbarkeit über ganz Sachsen und wirkte nachdrücklich für Reform der Klöster, ehrbares Leben der riester, Verbesserung des Gottesdienstes. Als im 1451 der Kardinal Nikolaus von Cusa als päpstl. egat nach Deutschland kam, um eine eetlöterdr eform der Benediktiner⸗ und Augustinerkloöster urchuführen, ernannte er auf der Isemem Steld zu agdeburg (Juni 1451) B. zu seinem Stellvertreter, der, mit allen Ehren und Rechten eines päpstl. Legaten ausgestattet, die Klö ter Sachsens und Thü½½ reformieren dend. it Eifer widmete sich B. dieser Stellung, aber die ihm damit ubertragene Macht ward der Anlaß dazu, daß der Crzbischof iedrich von Magdeburg ihn Anfang 1454 zwang, ein Amt als Herr und Archidiakonus niederzuegen, doch blieb er päpstl. Visitator. Die nächsten ahre verlebte B. wieder in Windesheim. Jetzt chrieb er den Läber de viris illustribusb, eine Lebensgeschichte aller, damals bereits verstorbener Windesheimer Mönche. Später fügte er unter dem Titel: Liber de origine modernae devotioniso eine eigentliche Kloster⸗ und Kongregationschronik Bich welche jedoch nur bis zum J. 1455 reicht. iese beiden Schriften nebst B.s lat. Übersetzung der Epistola de passione Christis des Priors Voß bilden das sog. Chronicon Windesheimenser (zuerst erausg. von Heribert Rosweyde, Antw. 1621. m J. 1458 kehrte B. in seine frühere Stellung als Propst des Klosters Sulte bei Ppapo t zurück. Bis zum J. 1473 war er als päpstl. Visitator in weitern Kreisen thätig, dann beschränkte er . auf sein Kloster, bis er im J. 1479 auch das mt eines Propstes niederlegte. Jahr und Tag Tehen Todes schr unbekannt. In schicht letzten ebensjahren schrieb er noch die Ge chichte seiner reformatorischen Thätigkeit in den Libri quattuor de reformatione monasteriorum quorundam Saxoniaey. Vgl. Grube, Johannes B., Augustinerr u Hildesheimy (Freiburg i. Br. 1881). — Jul. Herm. Moritz), Publizist, geb. zu Dresden 13. ichu 1821, studierte, nachdem er die dortige Kreuzschule besucht, 1842—47 in Lei zig Theologie und Philosophie, widmete sich, nachdem er das theol. Examen 9 und bald darauf Mansgtter hatte, ganz der Schriftstellerei, war itarbeiter an verschiedenen Zeitungen und übertrug Werke von Dickens und Thackeray ins Deutsche. Der radikalen Partei an ehörig und gleichzeitig eifrig national Rahrrz sah er 10 in seinen Hoffnungen durch die Reaktionszeit nach 1849 so schwer enttäuscht, daß er nach den Vereinigten Staaten auszuwandern beschloß. Er reiste 1851 dahin ab, kehrte aber 1852 nach Leipzig zurück. Er hatte sein Ideal in Amerika nicht gefunden, aber manche Beobachtungen und Erfahrungen gemacht, die ihn von der ö Schwärmerei für republikanische Einrichtungen abbrachten. Die Frucht seiner Beobachtungen im Bereiche des nordamerik. Kulturlebens waren die „Wanderungen zwischen Hudson und Mississippi⸗ (2 Bde., Stuttg. 1853). Im J. 1853 unternahm er, von einer patriotischen Gesellschaft in Gotha beauftragt, eine sechsmonatliche Informationsreise dur die Elbherzogtümer, um dann in seinen 0S leswig-Holsteinischen Briefenv (2 Bde., Lpz. 1854) sowie in den „Grenzboten» und andern Wochenschriften deren Zustände zu schildern und deren Recht zu vertreten. In den J. 1856—59 be-Orien er für den Osterreichischen Lloyd dreimal den rient: Agypten und Nordnubien, Griechenland, Palästina, R** die Europäische Turkei und Rumänien. Erge nisse dieser Touren waren drei Reisehandbücher für den Verlag des genannten Instituts in Triest: „Agyptenv (1858), (Griechenland⸗ (1859) und „Die Türkeid (1860); ferner: Eine Wallfahrt nach Jerusalem„ (3. Aufl., Lpz. 1881), „Bilder aus dem Orientv (Triest w1862; ins Französische übersetzt 1868) und „Bilder aus Griechenlande (Triest 1863). Seit 1857 beteiligte er sich an der Redaction der „Grenzboten unter deren Herausgebern Rene Beezig und Julian Schmidt; von 1859 an leitete er das Blatt selbständig, na dessen polit. Seite in gemäßigt liberalem Sinne. Im Frühiahr 1864 trat er in die Dienste des Herzogs Friedrich von Augustenburg, um von Kiel aus dessen und der 1. 2 der Sache — die Dänen zu verteidigen. 8 der Herzog und seine Räte erkennen ließen, daß sie nicht national dachten, nahm B. im Febr. 1865 seinen Abschied und kehrte nach Leipzig zurück, wo er die Redaction der „Grenzboten » von neuem übernahm und sie bis kurz vor dem Ausbruche des Deutschen Kriegs bubere auch mehrfach für die „Preußischen Jahrücher thätig war. om Sommer 1866 bis zum Herbst 1867 überwachte und beeinflußte B., bald nach seiner Rucktehr aus Kiel mit seiner Uberzeugung vollständig der Politik Bismarcks zugewandt, als Adlatus des Civilkommissars von Hardenberg in Hannover die Presse des annektierten Landes, worauf er nach Leipzig zurückging und die Schrift Das Ubergangsjahr A 3. 1868) veröffentlichte. Ferner aßte er eine Bearbeitung von Lenormants NManuel d'histoire ancienne de l'Oriento, die unter dem Titel Urgeschichte des Orients, (3 Bde., Lpz. 1869) erschien, sowie eine Geschichte der Mormonen » (Lpz. 1870). Im Febr. 1870 wurde er in das Auswärtige Amt zu Berlin berufen, um in unmittelbarem Verkehr mit dem Bundeskanzler dessen Gedanken in der Presse zu verbreiten. Sommer desselben Jahres begleitete er denselben auf dem Feldzuge nach Frankreich und befand sich bis zur Rückkehr des Kanzlers in dessen nächster Umebung. Er verblieb dann noch bis Ostern 1873 in sn amtlichen Stellung, die er darauf mit der edaction des Hanngnerr chen Couriero vertauschte. Die letztere gab er 1875 auf, um abermals nach Leipzig zurückzukehren. Hier schrieb er, nachdem er noch in Berlin die Schrift Zur Geschichte der Aahl nationalev Wer 1872) veröffentlicht, eine Anzahl kulturhistor. Werke: Deutscher Volkshumor (Lpz. gute alte Zeito (2 Bde., Lpz. 18780: auch übertrug er mehrere amerik. Schriftsteller, z. B. Mark Twain, Bret Harte und Artemus Ward, deren Werke in den Sammlungen „Amerikanische Humoristen und „Amerikanische Novellisten» (Lpz. 1875—78) erschienen. Es folgte dann sein nach Tagebuchblättern verfaßtes und viel Aufsehen erregendes Buch Graf Bismarck und seine Leute während des Kriegs mit Frankreich»(2 Bde., Lpz. 1878), das in sechs Monaten f Auflagen erlebte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. B. kehrte darauf nach Berlin urück, wo er von neuem in engen Verkehr mit dem Reichskanzler trat und sich wieder lebhaft an den „Grenzboteno beteiligte, in denen er mit aller Entschiedenheit die Politik des Fürsten Bismarck vertritt: eine Ergänzung des genannten Buchs bildet die Schrift Neue Tagebuchsblättero (Lpz. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 767Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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