Buchez (Philippe Jos. Benjamin), franz. sozialpolit. Schriftsteller, geb. 31. März 1796 zu Matagne-la-Petite, einem damals zum Depart. Ardennen gehörigen Dorfe in der jetzigen belg. Provinz Namur, wurde in Paris erzogen und erhielt hier eine kleine Anstellung am Steueramt. Während der Restauration beteiligte er sich vielfach an den asenscha Gesellschaften und lag neben den Naturwissenschaften und der Medizin auch der Philosophie und Geschichte ob. Damals war er Hauptredacteur des «Journal des progrès des sciences et institutions médicales v und Mitarbeiter an dem Saint-Simonistischen Wochenblatt Le Producteury, bis ihm die Tendenzen dieses Blattes mit selsch eigenen Ideen über die Verbesserung der Geellschaft und Wissenschaft auf kath. Grundlage nicht länger vereinbar schienen. Völlig losgetrennt von der Saint-Simonistischen Schule, stiftete er 1831 die 4% Zeitschrift &L'Européeno, die er rößtenteils selbst schrieb und zum Organ des neuath. Systems, des sog. 4Buchesismus » machte. Sein Grundgedanke ist die Idee des in der Natur und Menschengeschichte hervortretenden Fortschritts und Entwickelungsganges. Die Geologie, Embryoenie und vergleichende Anatomie liefern dazu die Beweise außerhalb des Bereichs der mora i0 die und polit. Welt. Bei den Menschen aber muß die fortschreitende Ausbildung dem Zufall entrissen und auf ein von der christl.Kath. Offenbarung vorausverkündigtes Ziel angewiesen werden. Dies ist die Theorie seines ESsai d'un traité complet de philosophie au point de vue du catholicisme et du progrès „ (3 Bde., Par. 1839) und seiner Introduction à la science de L'histoire (2 Bde., Par. 1833; 2. Aufl. 1842). Mit Roux-Lavergne gab er heraus: Histoire parlementaire de la Révolution française, ou Journal des assemblées nationales depuis 1789 jusqu'en 1815 5 (40 Bde., Par. 1833—38), eine reiche und für die Geschichte der Französischen Revolution wichtige Materialiensammlung, die vom republikanischen Gesichtspunkte aus zusammengetragen ist. Besondere Erwähnung verdient, daß er zuerst — 1831 im Européen o — die Idee der Produktivassoziation als Mittel zur Emanzipation der Arbeiterklasse entwickelt und auch selbst einige Genossenschaften dieser Art mit Erfolg egründet hat. Seine eigentümliche Idee, einen eil des Gewinns der Genossenschaften im Interesse der ganzen Klasse zu opfern, um ein stets zunehmendes aunteilbares Kapitalo zu bilden, bun bei den französischen Arbeitern viel Anklang gefunden und ist häufig, auch in einigen jetzt noch bestehenden Genossenschaften, und nicht ganz ohne Erfolg, verwirklicht worden. Nach der Februarrevolution von 1848 im Depart. Seine in die Konstituierende Nationalversammlung gewählt, wurde B. durch den Einfluß der Partei des Nationalo Präsident dieser Versammlung, entfaltete jedoch nach dem Attentat vom 15. Mai so wenig Energie gegen die Empörer daß er sein Amt niederlegen mußte. Seitdem schrieb er: Mistoire de la formation de la nationalité françaiser (2 Bde., Par. 1859). B. starb 12. Aug. 1865 zu Rhodez. Rach seinem Tode veröffentlichten Cerise und Ott seinen Traité de politique et de science socialer (2 Bde., Par. 1866). Vgl. «Ein Schüler Saint-Simons » in «Unsere Zeit (Jahrg. 1868, Bd. 4, Abteil. 2).