Bugenhagen (Joh.), Pomeranus oder Dr. Pomm er genannt, einer der bedeutendsten Mitarbeiter an der * Kirchenreformation, geb. 24. Juni 1485 zu Wollin in Pommern, betrieb seit 1502 zu Greifswald theol. und humanistische Studien und ward schon 1503 zum Rektor der großen Schule zu Treptow ernannt. An der Schule für Klosterbrüder hielt er außerdem theol. Vorlesungen und schrieb im Auftrag Herzog Bogislaws X. die erste Geschichte Pommerns, Pomeraniav (Greifsw. 1728, neu herausg. von Vogt, ebendas. 1857). Erriffen durch Luthers Schrist (Vom babylon. Ge0 der Kirches, wandte sich B. 1521 nach ittenberg und ielt hier Vorlesungen über die Psalmen, welche 1524 erschienen unter dem Titel: Interpretatio in librum psalmorum v Gasel). Schon 1523 als Prediger an der Stadtkirche an0 an ward B. 1525 Professor der biblischen Exeese an der Universität. An dem Abendmahlsstreit eteiligte er sich durch eine heftige Streitschrift wider Zwingli (1525), bei dem Werk der Bibelübersetzung war er einer der Hioel fu Mitarbeiter Luthers, Übertrug auch dessen Bibel für die Niedersachsen ins Plattdeuts — (Lübeck 1533). Das Hauptverdienst aber hat sich B. dadurch erworben daß er mit großem Geschick in einer Reihe von Gemeinwesen die kirchlichen Angelegenheiten nach reformatorischen Grundsätzen neu ordnete. So richtete er das evang. Kirchenwesen ein in Braunschweig 1528, in Hamburg 1529, in Lübeck 1530, und die er erlassenen Kirchenordnungen wurden auch für Bremen, Göttingen, Osnabrück u. a. Städte maß⸗ +* Im J. 1534 führte B. in Pommern die eformation durch, 1537 ging er zu demselben weck nach Dänemark, wo er auch für Wiederhertellung der Universität Kopenhagen sorgte und als erster Rektor und Lehrer der Theologie an ihr wirkte. Im J. 1542 führte er auch in Schleswig-Holstein dieselbe Kirchenordnung ein und leitete 1543 eine Kirchenvisitation in Hildesheim und Brauns I. Seitdem verblieb er in seiner amtlichen Thätigkeit zu Wittenberg, wo er 1533 zum Doktor der Theologie, 1539 zum Generalsuperintendenten des Kurkreises ernannt war. Mi. Luther blieb er bis ans Ende befreundet und hielt ihm 1546 die Leichenpredigt. Daß er in Wittenberg blieb, auch nachdem die Stadt im Schmalkaldischen Krieg an Moritz von Sachsen gekommen war, sowie seine Nachgiebigkeit gegen das Interim veranlaßten die luth. Eiferer zu maßlosen Angriffen, welche seinen Lebensabend verbitterten. Er starb 20. April 1558. — Sein Sohn Johann B., Professor der Theologie zu Wittenberg und seit 1588 Propst zu Kemberg, starb 1592. Vgl. Vogt, Johannes B. (Elberf. 1667).