Buntblätterigkeit (Panachure) nennt man die Eigentümlichkeit mancher Blätter, nicht das normale gleichmäßige, wenn auch verschieden getonte Grün, sondern gelbe oder weiße Flecken, Streifen oder Ränder zu zeigen. Derartige buntblätterige (p anachierte) Gewächse waren in der Mitte des 19. bescht als Zierpflanzen sehr beliebt und sind es in beschränkterm Maße auch jetzt noch. Die Ursache der grünen Farbe der Blätter ist das Blattgrün oder Chlorophyll (s. d.), das 25 in allen grünen Pflanzenteilen findet, vorzugsweise in dem zwischen der Epidermis beider Blattflächen liegenden Zellgewebeschichten. Es besteht aus kleinern Körnern (Chlorophyllkörnern), die ihre grüne Farbe erst unter dem Einflusse des Lichts erhalten. Letzteres 3 auch der Grund, warum die obere, dem Lichte direkt ausgesetzte Fläche in der Regel dunkler gefärbt ist, als die untere, warum Gewächse, die im Schatten erwachsen, wenn sie nicht etwa für das Schattenleben bestimmt sind, sich nicht grün färben, sondern bleich bleiben, wie die im dunkeln Keller gewachsenen Kartoffelkeime, die Spargelsprossen u. s. w. Den sehr verschiedenen Nuancen von Grün liegen verschiedene Ursachen zu Grunde, die sehr ungleiche Form und Größe der Zellen des Blattewebes, wie die ungleiche Größe und Menge der Blattgrünkörner. uch scheint die Ansicht berechtigt zu sein, daß letztere ihr Grün zwei verschiedenen Farbkörpern verdanken, von denen bald der eine blaue, bald der andere gelbe sich mehr entwickelt und den Ton der grünen Farbe bestimmt. Über die Ursachen dieser Entfärbung des Blattgrüns ist man noch ziemlich im Unklaren. Was die gelbbunten Pflanzen betrifft, so läßt das Mi-Lrostop erkennen, daß an den entfärbten Stellen gelbe statt grüner Farbkörperchen vorhanden, bei den weißbunten, daß die Zellen leer und mit Luft gefüllt sind. Ebenso wenig hat die . baldbedie Ursachen davon entdeckt, daß die B. bald beständig ist und höchstens in der Größe, Menge und Form der Flecken und Streifen variiert, wie bei dem buntblätterigen Negundo-Ahorn (Acer Negundo), bald sogar typisch 1 also bei der Reproduktion der Pflanze aus Samen regelmäßig wieder auftritt, wie bei mehrern Dieffenbachia⸗ und Sonerila-Arten, bald geht und kommt, ohne daß eine äußere Veranlassung dazu erkennbar wäre, wie beim Cederbaume (Ptelea trifoliata). Aber schon n. tig zog dieses Phänomen die Aufmerksamkeit der Pflanzenforscher auf sich, und bereits in Kniphofs „Botanica in originalis finden sich zwei bunte Varietäten des Goldlacks, den Goldlack mit «averuldtend und «versilbertene Blättern. In den unfziger und sechziger Jahren waren die bunten flanzen in der Mode, und konnte man nicht genug derselben herbeischaffen, insbesondere bunte Geölze, welche allerdings dazu geeignet sind, im arkgarten inmitten des eintönigen Grün der Laubgruppierung eine aßdt indeß Kontrastwirkung lagen denug d. Es gibt indessen der Parkanagen genug, von welchen bunte Gehölze ausgeschlossen sind, und in denen man durch die Anordnung der verschiedensten grünen Nuancen, von dem silbernen Ton der Kiefernadel bis bror dunkelsten Tannengrün einerseits und der Laubform andererseits die ansprechendste Abwechselung hervorzubringen gewußt hat. Die Japanesen haben, wie es scheint, schon seit undenklichen Zeiten und mit Vorliebe buntblätterige Pflanzen in den Gärten erzogen. Aus diesen stammen z. B. zahlreiche bunte Aucuba-Varietäten und bunte Formen von Evonymus japonicus, die in den Gewächshäusern unterhalten werden und in denen Gelb oder Weiß in verschiedener Weise auf den Blättern verteilt i Soweit die B. nicht typisch ist, wie bei Bertolonis margaritifera u. a., läßt sie sich fast nur durch ungeschlechtliche Vermehrung, also durch Pfropfen, Okulieren, durch Teilung u. w., beständig er ten, nur bei einer kleinen Zahl von Gewächsen, B. bei dem Bandmais (Zea japonica), reprouziert sich die Pflanze aus Samen unverändert. an hört häufig die B. als einen krankhaften Folgend bezeichnen und sucht diese Ansicht durch olgendes zu begründen: Solche Gewächse sind von schwächerm Wuchse als die Sunge aus gam Arten, denen sie . Stecklinge aus ganz entfärbten Zweigen lassen sich schwer dazu brin . Wurzeln zu bilden, wie dies unter anderm der 80 bei den gelegentlich ganz weiß erscheinenden Trieben des Acer Negundo; Zweige buntblätteriger Pflanzen von schwachem Wuchse entwickeln ein kräftigeres Wachstum, wenn sie auf verwandte grünblätterige Pflanzen gepfropft werden; bunte Mfan. zen sind leichter dem Erfrieren und ihre Blätter leichter dem Verbrennen durch heiße Sonnenstrahlen ausgesetzt als grünblätterige u. s. w. Wenn auch diese Erscheinungen auf eine gewisse Abschwächung der Lebenskraft hinzudeuten scheinen, so gilt dies doch nur von weißbunten, also aller Farbkörperchen entbehrenden Pflanzen, vorzugsweise dann, wenn die Entfärbung, die dem Albinismus der Tiere vergleichbar ist, sich über den größten Teil des Blattes ausgebreitet hat. Das iit leicht erklärlich, denn die Ernährung der Pflanze wird dadurch bedingt, daß die Blätter durch Vermittelung des Chlorophylls die aus der Luft aufenommenen Gase assimilieren und aus 4⁷ Rährquelle den Pflanzen das zueignen, was sie für ihre Erhaltung und ihr Wachstum gebrauchen. Es muß also die Ernährung durch eine sehr ausgebreitete Entfärbung des Laubes mehr oder weniger gehemmt, dadurch aber die Lebenskraft der Pflanze vermindert werden. Die außer dem Gelb und Weiß in der Iden Blat auftretenden bunten Farben, wie sie in den Blattpflanzen (s. d.) auftreten, rühren nicht vom Chlorophyll, sondern von ewissen im Zellsafte ausgelöften, also flüssigen arbstoffen her. (S. Blattfarbstoffe.)