FeedBuren (Martin van)
GeschichteBrockhaus 1882

Buren (Martin van), der achte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 1837—41, aus einer alten, aber armen holländ. Familie stammend und 5. Dez. 1782 zu Kinderhoot im Staate Neuyork geboren, wurde 1803 zur Advokatur zugelassen, praktizierte in Hudson am Hudson und wirkte eifrig für die demokratische Partei, die ihn durch verschiedene Ehrenstellen auszeichnete und 1821 als Senator in den Kongreß sandte. Hier sprach er sich als Demokrat gegen die Staatenbank und gegen das System der hohen Zollsätze aus; doch widersetzte er sich der unbedingten Wahlfreiheit und erklärte sich für die Veräußerung oder Abtretung der Staatsländereien an die bezüglichen Staaten. Er zeigte sich 1828 als eifriger Verteidiger des Generals Jackson, der ihn sofort nach seiner Wahl, 12. März 1829, zum Minister des Auswärtigen, 1831 aber infolge von Streitigkeiten, welche im Kabinett ausgebrochen waren, zum Gesandten in London ernannte. Diese Ernennung ward jedoch vom Senat verworfen, sodaß er zurückgerufen werden mußte. Die demokratische Partei erwählte ihn dafür 1832 zum Vizepräsidenten, während gleichzeitig Jackson wieder zum Präsidenten der Vereinigten Staaten erwählt wurde. Von nun an war B. der entschiedene Freund und Ratgeber Jacksons und der von der demokratischen Partei anerkannte Nachfolger desselben, die ihn denn auch 1836 als Präsidenten gegen drei tarle Gegner (Webster, Clay und Harrison) durchsetzte. Am 4. März 1837 bestieg B. den Präsidentenstuhl. Doch schon zu Anfang Derde Verwaltung Prasi die während der letzten Jahre der Jacksonschen räsidentschaft begonnenen Finanzwirren eine Höhe erreicht, welche B. veranlaßten, eine außerordentliche Kongreßsitzung zusammenzurufen. In dieser trug er auf die gänzliche Trennung der Finanzen des Staats von den Banken und auf die Errichtung einer Schatzkammer in Washington und von Unterschatzkammern in den Provinzen an, erlitt aber eine änzliche Niederlage. So geschah es, daß bei der Präsidentenwahl von 1840 die Whigpartei in der Person des Generals Harrison den Sieg davontrug. Am 4. März 1841 legte B. sein Amt nieder und zog sich + inderhook zurück. Seine Kandidatur zur Wahl von 1844 fand ebenfalls bei der demokratischen Partei nicht allgemeinen Beifall. Namentlich wurde das Mißtrauen der Sklavenstaaten gegen ihn rege, weil er sich der schon 1841 beantragten Annexion von Texas widersetzt hatte und diese auch jetzt von der Zustimmung Mexikos abhängig machen wollte. Der in Baltimore zusam-Betrieb Calhouns, mit Ubergehung B.s, den ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, Polk (. d.), zum Kandidaten der Partei, der auch wirklich zum Präsidenten erwählt wurde. Hierdurch entstand eine Spaltung unter den nördl. Demokraten. Ein Teil von diesen vereinigte sich mit einer Fraktion der Whigs und bildete 1846 die Partei der Freibodenmänner (Freesoilers), welche die Sklaverei aus den Territorien ausschließen wollten. Die Freesoilers beriefen am 9. Aug. 1848 einen Konvent nach Utica in Neuyork, in dem B. einstimmig zum Präsidentschaftskandidaten für das J. 1848 erklärt wurde. Er nahm diese Wahl an und gab der Partei des freien Bodens (e keine neuen Sklavenstaaten und kein neues Sklavereigebiete) dadurch neue Wichtigkeit. Der Siegesruhm des Generals Taylor (s. d.) führte jedoch diesem die wot L ohne Unterschied der polit. Farbe zu, und sowohl B. als der von den regulären (Hunkers⸗)Demokraten aufgestellte Caß blieben in der Minorität. Seitdem Ira sich B. ganz von der Politik zurück und verrachte den Rest seines Lebens, nur durch eine 1853 nach Europa unternommene Reise unterbrochen, auf seinem Gute Lindenwald, wo er 24. Juli 1862 starb. Seine einzige größere litterarische Arbeit ist: Inquiry into the origin and course of political parties in the United States (1867). — Von seinen vier Söhnen hat 5 der zweite, John, geb. 18. Febr. 1810, als Advokat in Neuyork und talentvoller, aber wenig zuverlässiger Politiker gleichfalls einen Namen erworben. Er starb 13. Okt. 1866.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 737Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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