Davis (Jefferson), amerik. Politiker, 1861 65 Präsident der sog. Konföderierten Staaten, wurde 3. Juni 1808 im gegenwärtigen Todd⸗, damaligen Christian-County des Staates Kentucky geboren. Bald nach seiner Geburt zog sein Vater, ein Pflanzer, der im Revolutionskriege gedient, nach Woodville, Wilkinson-County, im Staate Mississippi. D. trat 1824 als Zögling in die Militärakademie-zu Westpoint ein, die er 1828 als Unterlieutenant verließ. Er blieb sieben Jahre lang in der Armee, diente erst in der Infanterie, wurde ld dem Stabe beigegeben und zeichnete sich an der damaligen nordwestl. Grenze im Kriege mit Black-Hawk 1831—33 so aus, daß er im März 1833 zum ersten Lieutenant in einem Dragonerregiment ernannt wurde. Am 30. Juni 1835 resignierte er und widmete sich fortan als Pflanzer dem Baumwollbau in seinem Heimatsstaate Mississippi. Hier lebte er zurückgezogen und nur mit seinen Privatangelegenheiten beschäftigt bis 1844, wo er energischen Anteil an der Wahl des Präsidenten Polk nahm. Im Nov. 1845 wählte ihn sein Staat als Abgeordneten in den Kongreß der Vereinigten Staaten. Schon während der Wahlagitation von 1844 war er ein eifriger Fürsprecher der Annexion von Texas, und ebenso thätigen Anteil nahm er an dem infolge dieser Maßregel ausgebrochenen Kriege mit Mexiko. Im Juli 1846 zog D. als Oberst des 1. Mississippi Milizregiments mit nach Mexiko. Er zeichnete sich in dieser Stellung bei verschiedenen Gelegenheiten aus; so im Sept. 1846 bei Monterey und im Febr. 1847 bei Buena⸗-Vista. Im J. 1847 wurde D. Bundessenator und zugleich Vorsitzender des Militärausschusses, legte jedoch 1851 seine Stelle nieder, um sich zum Gouverneur von Mississippi wählen zu lassen. Sein Gegenkandidat war H. S. Foote, der für die Union eintrat, während D. schon damals das Nullifikations⸗ und Secessionsrecht für die Einzelstaaten in Anspruch nahm und als unbedingter Verteidiger der sog. Staatenrechte auftrat. Diesmal siegte noch Foote. D. begünstigte 1852 die Kandidatur Pierces für den Präsidentenstul! der Union und hielt in verschiedenen südl. Staaten für diesen Wahlreden. Dieser ernannte unmitte! bar nach seiner Inauguration im März 1853 D. zum Kriegsminister. Als solcher war er bis 1857 sehr thätig, ließ unter anderm die Armeeregulative revidieren, bildete vier neue Regimenter, führte die Kamele als Lasttiere für die westl. Wüsten ein und schickte verschiedene zur Erforschun des besten Wegs für die Pacific-Eisenbahn aus. Nach seinem Rücktritt aus dem Kabinett ließ er sich wieder in den Vereinigten-Staaten-Senat wählen. Im Frühjahr 1861 schlug D. sich zur Seeession und stellte sich als Präsident an die Spitze der süd!. Konföderation. In dieser Stellung leitete er zu Richmond energisch und rücksichtslos die Geschicke des wesentlich durch ihn ins Leben gerufenen Sklavenhalterstaats und war bis zuletzt der Kopf und die bewegende Kraft der Secession. (S. Vereinigte Staaten.) Als sich Lee nach dreitägiger Entscheidungsschlacht 2. April 1865 zur Räumung von Richmond gezwungen sah, verließ auch D. die Stadt und ging nach Danville, um hier oder anderwärts seinen Regierungssitz aufzuschlagen. Nach Lees Waffenstreckung vom 9. April schwand jedoch alle Hoffnung auf weitern Widerstand, und es handelte sich für D. nur noch um Entweichung, zumal ihn eine Proklamation des Präsidenten Johnson als Teilnehmer am Attentat gegen Lincoln und Seward bezeichnete und einen Preis von 100000 Doll. auf seinen Kopf setzte. Hart verfolgt, ward D. endlich durch unionistische Kavallerie 13. Mai bei Irwinsville in Georgia mit Frau, Schwester, Bruder und einigen Regierungsmitgliedern und Stabsoffizieren der Secession gefangen genommen. Die Bundesregierung sperrte ihn in Fort Monroe in Virginien ein, wo er zwei Jahre lang auf seinen Prozeß zu warten, sich aber, mit Ausnahme der ersten drei Monate seiner Haft, einer äußerst milden Behandlung zu erfreuen Teerz Nach wiederholten Vertagungen und nach Freigebung des D. gegen Buürgschaft (13. Mai 1867) wurde der Prozeß endlich im März 1868 vor dem Vereinigten-Staaten-Distriktsgericht in Richmond verhandelt und von diesem, da es sich nicht einigen konnte, an den Bundesgerichtshof in Washington verwiesen, welcher die Anklage fallen und D. außer Verfolgung setzen ließ. Die 25. Dez. 1868 erlassene allgemeine Amnestie kam auch ihm zugute. D., welcher im Sommer 1868 eine Reise nach Canada, England und Frankreich unternommen hatte, zog sich im Winter 1868 nach Memphis zurück, wo er als Präsident einer Versicherungsgesellschaft lebt. Er ist der einzige der begnadigten Rebellen, welcher von der Bekleidung eines öffentlichen Amtes ausgeschlossen ist. Vgl. Alfriend, The lite of Jeflerson D.» (1868), und Pollard, «The life ot Jefferson D.v (1869), deren ersteres für D. freundlich und deren letzteres ihm seindlich gesinnt ist; ferner Cravens Prison life of Jefferson D.d (Neuyork 1866). D. verteidigte sich und seine Sache in einem sehr umfangreichen, aber ziemlich inhaltslosen Werke: The rise and fall of the confederate governmento (2 Bde., Neuyork und London 1881.