Burgdorf (frz. Berthoud), Hauptstadt des gleichnamigen Amtsbezirks im schweiz. Kanton Bern liegt 575 müber dem Meere, 18 Km nordöstlich von Bern, in romantischer Gegend am linken Ufer der Emme, da, wo diese aus dem Emmenthal in die Ebene hinaustritt, besteht aus zwei durch eine spiralförmige Straßenanlage verbundenen Teilen, der obern Stadt auf einer Anhöhe, 30 —50 meüber der Emme gelegen, und der untern Stadt, welche sich nördlich von jener in der Ebene ausdehnt; besitzt ein altes, malerisches Schloß, in welchem Pestalozzi 1798 seine berühmte Erziehungsanstalt gründete, eine schöne got. Kirche, ein altes Stadthaus, ein Spital und ein Waisenhaus, eine Bibliothek von 11000 Bänden, ein Gymnasium, mehrere andere Schulen, zwei roße Bierbrauereien, verschiedene Fabriken (Seidenand⸗ und Damastweberei, Flachsspinnerei, Tabaks- und Farbefabriken), ist Stapelplatz des Emmenthaler Käse⸗ und Leinwandhandels und Knotenpunkt der Eisenbahnen Bern-Olten und Langnau-Solothold und zählt (1880) 6581 E., worunter 289 Katholiken. Der Ort‚, 1706, 1715 und 1865 teilweise abgebrannt, trägt in seinen ältern Teilen, namentlich in der obern Stadt, die von dem vieltürmigen Schlosse und der 3 Geprüger d Kirche überragt wird, ein altertümliches Gepräge; die Häuser sind massiv aus Sandstein erbaut, ot mit Laubengängen (Arkaden) versehen. Die untere Stadt, weniger eng ebaut, mit schönen Villen, inmitten freundlicher Inlagen, zeigt ⁷ modernen Charakter. Die beachtenswertesten Punkte der sehr anmutigen Umgebung sind der Lueg oder Heiligenlandhubel 880 m), 9 km nordöstlich von B., mit herrlicher ernsicht, und das 2 km südlich der Stadt auf dem rechten Ufer der Emme gelegene Loch bachbad mit erdiger Eisenquelle, beit Bierbrauerei und bedeutender Bleiweißfabrik. Das Schloß B. soll der Sage nach schon 712 von den Grafen von Lenzburg erbaut worden sein, die urkundliche Geschichte der Stadt beginnt aber erst mit den Herzogen von Zähringen, die als Rektoren von Burgund hier und da im Schlosse B. residierten und 1191 das unter demselben entstandene Dorf mit Mauern umgaben. Nach dem Aussterben der Zähringer, 1217, kam B. an die Grafen von Kyburg und von diesen 1384 durch Kauf an Bern, dessen Landvögte bis 1798 als Schultheißen von B. den Vorsitz im Rate der Stadt führten. Von B. ging 1830 die Vollsbewegung gegen das aristokratische Regiment Berns aus, welche die Staatsumwälzung und die demokratische Verfassung von 1831 zur Folge hatte.