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ErdkundeBrockhaus 1882

Burgos, alte feste Hauptstadt der span. Provinz gleiches Namens (14 635 qkm (1877] mit 332 461 E.) und des ehemaligen Königreichs Altcastilien, dessen Centrum die Provinz einnimmt, eine Ciudad von 29683 E., Waffenplatz ersten Ranges, Sitz eines Generalkapitäns, eines Kardinal-Erzbischofs, der Provinzialbehörden, eines Obererichts, eines Handelsgerichts und einer Handelsammer. Die Stadt liegt in einer r, fruchtbaren Ebene amphitheatralisch um und auf einem Hügel am rechten Ufer des dreifach überbrückten bn Borkmten Arlanzon, der sie zum Teil von den Vortädten La Vega, Las Huelgas und San-Pedro trennt, und an der r von Madrid na Irun. Sie ist von beträchtlichem Umfang, sattlich gebaut, zum Teil altertümlich, winkelig und eng, doch reinlich und wird von alten Mauern mit neun Thoren umschlossen. Auf dem Gipfel des Stadthügels liegt die durch Joseph Bonaparte aus dem ehemaligen Alcazar der altcastil. Könige geschaffene und von neuen Festungswerken umgebene Citadelle, auf der Nordseite das Fort Tenazas. Im Stadtause ruhen seit 1842 die Gebeine des Cid, Ruy Diaz el Campeador, und seiner Gemahlin Ximene. B. besitzt 15 Kirchen, 2 Collegios, 4 Spitäler, 1 Armenhaus, 1 Findelhaus, 2 Kasernen, 1 Theater und 1 Badehaus. Unter den Promenaden ist gen der lon die schönste, unter den öffentlichen Plätzen der ausgezeichnetste die von Säulengängen umgebene Plaza de Gobierno mit der Bildsäule Karls III. Der Hauptschmuck der Stadt ist die berühmte, 1221 von zwei Deutschen im reinsten got. Stil begonnene roße und prachtvolle dreischiffige Kathedrale (90 m ang), einer der schönsten vorhandenen Dome, auf einer Terrasse, zu welcher eine breite Treppe von 38 Stufen führt. Andere got. Bauwerke sind die Paulskirche und besonders die ebenfalls berühmte, 1½ kEm westlich gelegene, 1187 gegründete Nonnenabtei Sta.⸗Maria de las Huelgas, mit Königsgräbern, deren Vorsteherin die höchste Dame Spaniens nächst der Königin war. Im ehemaligen Kloster San-Pedro de Cardena, 8 km östlich von der Stadt, befanden sich die Grabmäler des dort 1099 begrabenen Cid (s. d.), der in B. oder in dem 13,4 km entfernten Flecken Vivar geboren wurde und dessen steinernes Bild in Lebensgröße über einem der Thore steht. In der prachtvollen Kirche der 4 km von der Stadt entfernten, 1441 gegründeten Kartause Miraflores lhres sich die Grabmäler des Königs Johann II., ihres Gründers, und —717 Gemahlin Isabella von Portugal, das Meistertück von Gil de Silos. Ein Triumphbogen verewigt das Andenken des in B. geborenen Helden Fernando Gonzalez. Die 1550 von dem Bischof der tadt gegründete, 1776 erneuerte sog. Universität ist längst eingegangen. Doch bestehen ein königl. irdehr (Gymnasium), eine höhere Normalschule ür Lehrer, ein erzbischöfl. Priesterseminar und verschiedene andere Unterrichtsanstalten. B. besitzt viele I. Wollwebereien und Hutmachereien, treibt ebhaften Handel mit Schafwolle und groben Woll⸗ . und hält jährlich im Juni eine große Messe. Wolle und Käse sind die Hauptprodukte. Die vortrefflich angebaute Umgegend erzeugt Getreide, ülsenfrüchte, Flachs, Hanf, Gemüse und Gartenfia Eein 220 B. wurde 884 als Residenz der Grafen und dann ½% von Castilien und Leon egründet. Als 1087 Alfons VI. die Residenz nach Toledo verlegte, sank B., das einst 80000 E. gezählt haben soll, herab. In der neuern Kriegsdeshichte ist B. 1805 Souit durch die Schlacht, in welcher 10. Nov. 1808 Soult mit 40000 Mann das 20000 Mann starke span. Heer unter dem Marquis von Belvedere größtenteils vernichtete, sowie durch den wiederholten Sturm, den Wellington im Sept. und Okt. 1812 auf B. unternahm.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 746Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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