Byron (Anna V——* Milbanke, Lady), einzige Tochter und Erbin Sir Ralph Milbankes und Lady Nai 1792 in London geboren. Durch ihre Mutter, die Schwester und Erbin Thomas Noels, Viscounts Wentworth⸗ war sie zugleich Erbin der Baronie Wentworth. Eine grazibse, angenehme Erscheinung, besaß sie vielseitige, durch sorgfältige Erziehung entwickelte Talente und eine ungewöhnliche Entschiedenheit des Charakters. Mit Lord Byron wurde sie dani in der Saison von 1813 bekannt, in em Hause ihrer Tante Lady Melbourne, einer Gönnerin des Dichters, die seine Verheiratung mit Miß Milbanke wünschte und beförderte. Ihr einberen edles Wesen schilderte Lord B. später in einem er anziehendsten Frauencharaktere des Don Juanv, Aurora Raby. Auch Miß Milbanke 0,an ein tiefes nteresse fr den Dichter, wies jedoch, an der Mögichkeit einer Versöhnung der großen Verschiedeneiten ihrer Naturen zweifelnd, seinen Nov. 1813 emachten ersten Heiratsantrag zurück. Einen zweien, nach einer längern vorhergehenden Korresponenz im Sept. 1814 wiederholten Antrag, nahm sie in und die Vermählung wurde 2. Jan. 1815 vollogen. Die in durhe Hinsicht dunkle Geschichte hrer Ehe wurde durch einen in MMacmillan's Mazaziner (Sept. 1869) veröffentlichten, auf persöniche Mitteilungen Lady B.s gegründeten rtikel der NRrs. Beecher-Stowe, The true story of Lady B.s ifen, aufgehellt, weniger durch die darin aufgestellen Behauptungen als durch die Kontroverse, welche dadurch hervorgerufen wurde. Es war bekannt, da Byrons Che keine gluclliche war. Das Cheband als solches widerstrebte dem Unabhängigkeitssinne seiner unstäten Natur, und eine Frau von vorwiegend praktischem, verständigem Wesen, von strengen Grundfätzen und starkem Selbstbewußtsein wie Lad B. war trotz der reinsten Absichten und des besten Willens nicht 1elancholt das leidenschaftliche, barocke, cholerisch-melancholische Temperament eines Dichters wie Byron zu verstehen oder zu leiten. Dazu lamen aus seiner verschwenderischen Lebensweise entspringende Anche ie Verlegenheiten, sodaß bereits eine stürmische leidensvolle Zeit hinter den Vermählten lag, als (10. Dez. 1815) ihre Tochter verließ Ada 8. Lond wurde. Am 15. Jan. 1816 verließ Lady B. London und begab sich mit 5108 Tochter nach Kirkby-Mallory, dem Landsitze ihres Vaters in Leicestershire. Von dort schrieb sie noch mehrere heitere, 2Hunch Briefe an Lord B.ʒ ihre Mutter lud sogar B. nach Kirsby-Mallory ein, sodaß dieser aufs höchste überrascht wurde, als kurz darauf (2. Febr.) sein Schwiegervater ihm den Entschluß seiner Gemahlin ankündete, sich auf immer von ihm zu trennen. Die Kunde von diesem Ereignis rief das größte Aufsehen n Man nah fast allgemein Partei für Lady B., und ein plötzlich ausbrechender Sturm des öffentlichen Unwillens trieb Lord B. ins Exil. Als jedoch Moores Bio-Maphis Lord B.s erschien, war in der öffentlichen Meinung schon eine entschiedene Reaktion gegen das Verdammungsurteil eingetreten. Sein heroischer Tod in Griechenland hatte die Sympathie für ihn verstärkt; durch Moores Darstellung seiner Lebensgeschichte wurde das Urteil dauernd zu seinen Gunsten umgeändert. Lady B. brachte den Rest ihres langen Lebens, mit Werken der Wohlthätigkeit beschäftigt, in urückgezogenheit und war in der großen Welt so gut wie verschollen. Erst die Kunde von ihrem 16. Mai 1860 erfolgten Tode frischte die Erinnerung an sie wieder auf. aaht vs ihrer letzten Lebensjahre Ir. sie einer Anzahl von Freunden vertrauliche Mitteilungen über die ange liche ge⸗ —5 Ursache sen Ehescheidung gemacht, auch apiere hinterlassen, die si auf denselben Gegenstand bezogen, aber leine Veröffentlichung derse ben angeordnet. Unter den ins Geheimnis gezogenen Personen befand ach Mrs. Beecher-Stowe. Als dann acht Jahre nach Lady B.s Tode das Bu der Gräfin Guiccioli über Lord B. erschien, hielt Mrs. Stowe sich fur verpflichtet, das Wahren zu brechen und durch ihre Mitteilung der Wahren Geschichte von Lady B.s Lebeno die Gemahlin Lord B.s gegen dessen Geliebte zu rechtfertigen. Durch ihre Erzählung in Macmillan's Magazinen erfuhr man nun, daß Lady B. ihren Gemahl eines atetmn Schpener Verhältnisses mit seiner verheirateten Schwester angeklagt und die tdeckung dieses Verhältnisses als die wahre Ursache ihrer Trennung bezeichnet habe. Bald jedoch erhoben sich gewichtige Stimmen chtte die Glaubwürdigkeit dieser mit dem Ilrei0oe lichsten Detail gemachten Enthüllung. Zahlreiche innere Widersprüche wurden der Geschichte der Mrs. Stowe nachgewiesen; dokumentarische Gegenbeweise kamen von den verschiedensten Seiten hinzu, sodaß 90 enwärtig die Unwahrheit der gegen Lord B. erobenen Anklage als vollständig erwiesen zu betrachten ist. Das Unglück und die Auflösung ihrer Ehe waren wohl einfach (Bamte in der entschiedenen Unverträglichkeit der Naturen beider Gatten. Lady B.s einzige Tochter, Ada, vermählte sich 1835 mit William Graf Lovelace und starb 27. Nov. 1852. Sie hinterließ zwei Söhne und eine Tochter. Der älteste Sohn, Byron Noel, wurde 12. Mai 1836 geboren. Er trat in die engl. Marine, diente jedoch nur kurze Zeit und starb, nachdem er beim Tode seiner Großmutter Lady B. die Baronie Wentworth baner nach einem wilden, unstäten Leben, als Areiter in einem der londoner Docks 1. Sept. 1862. Der zweite Sohn, Ralph Gordon Noel Milbanke, eb. 2. Juli 1839, folgte seinem Bruder bei dessen ode als Lord Wentworth nach.