FeedBessarion (Johannes oder Basilius)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bessarion (Johannes oder Basilius), aus Traezunt, geb. 1395, einer der ersten, die im 15. ahrh, altgriech. Philologie und Philosophie ins bendland verpflanzten und eine freiere, der Scholastik entgegengesetzte Fors chung anregten, hatte Gemistos Pletho zum Lehrer, dem er namentlich die Vorliebe für Plato verdankte. Als Bischof von „Nicäa begleitete er den Kaiser Johannes VII. Paläologus nach Italien und erwirkte auf dem Konzil Florenz 1439 eine freilich nicht nachhaltige Union griech. und röm. Kirche. Später trat B. zur fröm. Kirche über, ohne damit die glühende Liebe für sein Vaterland aufzugeben. Papst Eugen IV. hobt ihn zum Kardinal ernannt, Nikolaus V. erob ihn zum Bischof von Sabina, dann von Frascati und übertrug ihm die Legation von Bologna, die er 1450—55 bekleidete. Nach dem Falle Konstantinopels suchte er in Deutschland auf den Reichstagen zu Nürnberg, Worms und Wien, später auch in Frankreich einen Kreuzzug gegen die Türken zu Stande zu bringen und nahm sich seiner flüchtigen Landsleute thätig an. Seine Stellung im Streite über den Vorzug des Plato oder Aristoteles war vermittelnd, indem er bei aller Vorliebe für jenen diesen nicht einseitig verwarf. Der Markus-⸗Bibliothek zu Venedig, in welcher Stadt er gern verweilte, vermachte er bei seinem Tode, der zu Ravenna 19. Nov. 1472 erfolgte, seine 600 wertvollen griech. Handschriften. Seine Schriften, teils lat. Übersetzungen griech. Autoren, teils Streitschriften zur Verteidigung des Plato, teils Reden und Briefe, sind nur vereinzelt herausgegeben worden. Die bedeutendste derselben führt den Titel: Adversus calumniatorem Platoniso (Rom 1469).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 896Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6