Byzantiner, Byzantinus, Byzantius * die von den griech. Kaisern und zwar seit dem Anfang des 4. Jahrh. zuerst unter Konstantin d. Gr. in Byzanz oder Konstantinopel geprägte Goldmünze, die dem röm. Aureus oder Goldsolidus (.d. Ngleichstand. In Frankreich, wo sie Besant d'or enannt wurde, bildete sie ebenso wie auch in eutschland bis in das 13. Jahrh. die gangbarste Goldmünze. Buzantinische Kunst. Die seit Konstantin d. Gr. an die Stelle des alten Rom getretene neue Kaiserstadt Byzanz sucht es der alten an dem Glanze der künstlerischen Denkmale gleichzuthun; dorthin zogen sich, in stets wachsender Zunahme, die künstlerischen Kräfte der Alten Welt zusammen, dort erhielt sich ein mannigfach künstlerischer Betrieb, während Kräfte und Thätigkeit im alten Rom wie im gesamten Occident, unter den gewaltigen Völkerdes alte und bei der Auflösung aller erhältnisse es alten Lebens, mehr und mehr erlöschen mußten. Byzanz wurde der Herd, welcher während der dunkeln Zeiten des frühern Mittelalters den glimmenden Funken der Kunst, an dem sich später ein neues Leben entzünden sollte, aufbewahrte. Die byzant. Kunst hat nicht nur die alte Tradition, die ideale Nittet der alten klassischen Darstellungsweise, die Rittel und Handhabungen der Technik, insoweit diese Vorzüge aus dem erfall des Altertums herübergerettet waren, erhalten und uch spätere bessere Zeiten fortgepflanzt, sondern auch den weitaus größten Teil der christl. Darstellungstypen in schöpferischer Umbildung der alt eidnischen Formen und in Hiuusche 1 neuer Erfindung geschaffen. Diese schöpferische Ausbildung der selbständigen byzant. Kunst gehört vornehmlich dem Zeitalter des —* nian, der ersten Hälfte des 6. Jahrh., an. re Blüte dauerte bis zur Croberung des Reichs durch die Lateiner (1204ʃ). Von diesem Zeitpunkt an be2 der Verfall der byzant. Kunst. Doch erhielt ie sich auch dann noch bei den Völkern des Oströmischen Reichs bis zur Eroberung desselben durch die Türken (1453), und selbst bis auf den heutigen Tag ist sie in der griech. Kirche, bei Russen und Griechen, in unveränderter Geltung und UÜbung. Besonders wichtig wurde Byzanz für die Baukunst. Noch unter Konstantin war die byzant. Baukunst mit der abendländ. Basilika (s. d.) wesentlich übereinmmend gewesen, bald Langhaus, bald Centralau. Unter Justinian aber 6790 sich in San-Vitale zu Ravenna und in der Kirche des heil. Sergius und Bacchus zu Konstantinopel und vor allem in der Uliedlicher 3. ebendaselbst der Kuppelbau zu ausschließlicher Herrschaft. Von nun an wurde es bindende Norm, die Form der Kuppel mit einer viereckigen, fast quadraten Anlage der Mauer zu verbinden, unter dieser Kuppel den mittlern Raum freizulassen, ringsherum aber, mit Ausschluß der Seite des Altars, Emporbühnen für den Aufenthalt der Frauen anzubringen und im Außern die Wölbungen in Kuppeln und Halbkuppeln frei herauszuheben. Die künstlerische Wirkung ist überraschend und der in sich selbst gekehrten und doch nach oben gerichteten Stimmung des christl. Gemüts poesievoll entsprechend, ein Vorzug, der auf die spätere Entwickelung der abendländ. Baukunst nicht ohne eingreifende Nuet blieb. Aber allerdings wirkte diese energische Ausbildung der Kuppel auf das architektonische Detail nicht günstig. Das gerade Gebälk wird immer seltener und verschwindet zuletzt völlig. Die Säulenkapitäle, nun die unmittelbaren Träger des Bogens, geben die zarte Linie des korinth. Blumenkelchs aujh und gestalten sich in die statisch richtige, aber spröde Gestalt des aus dem Kreise des Säulenstamms in das Viereck des Bogenansatzes überleitenden Würfels. Alles Ornament bleibt ohne innere Notwendigkeit; es ist nur äußere, willkürliche und nicht selten prunkhafte Bekleidung. (S. Tafel: Baustile — Am wenigsten Pflege fand in der byzant. Kunst die Plastik. Sie litt namentlich unter der Nachwirkung der Bilderstreitigkeiten, durch welche sich der Grundsatz stentehend atte, nur Flächendarstellung, + aber freistehende Statuen fur die heiligen Geten und für den kirchlichen Gebrauch zuzulassen. ie Plastik beschränkt sich daher bei den Byzantinern fast nur auf das Relief, insbesondere auf Elfenbeinschnitzereien und Gold⸗ und Emailarbeiten. Einen besondern Zweig bilden die Reliefs der gron Erzthüren in südital. Kirchen, in Amalfi (1066), in Monte-Cassino (1070), in St. Paul zu Rom (1070), in Salerno (1084) und in der Ma Skirche zu Venedig (1112), an denen die Umrisse flach einraviert und mit Silberdraht ausgefüllt sind. Die ormen sind herb und hager, in der Verfallzeit starr In gewissem Sinne großartig dagegen ist die Malerei, welcher die figürliche Darstellun fast ausbineliunden Besonders die großen Mosaikbilder an den Wänden der Kirchen sind von hoher kunstkung Her Bedeutung und von ergreifender Wirng. Hier wurden die typischen Awostel des Christusbildes, der Jungfrau und der Apostel, der Gedankenzusammendang und die Anordnung der großen cyklischen Kompositionen festgestellt; ier wurden die alten röm. Bildformen mit künstlerisca Klarheit und Bewußtheit in die neuen Anschauungen und Empfindungen umgewandelt und umgebildet. Im Osten selbst hat sich wenig erhalten, aber die im frisch Stil erbauten ital. Kirchen geben vollen und rischen Einblick. Die Formenebung ist roh, nichtsdestoweniger liegt in dem üÜbermaß der Gestalten, in ihrer ruhigen, ernsten Haltung, in ihren hagern, langgestreckten Proportionen, in den einfachen, kräftigen, lichten Farben unendlich viel Würde und Hoheit, überwältigende Majestät, ehrfurchterweckende Feierlichkeit. Die ganze Macht und Kraft der jungen Kirche, die 1 ihrer Andacht, die Strenge ihrer Entsagung spricht hier mit 65 in einer ue Eindringlichkeit, weit mehr, als es in einer freiern und mildern Kunst jemals geschehen könnte, und das einfache Blau des Hintergrundes und der feierliche Glanz des Goldgrundes, der bald an die Stelle jenes Blau tritt, trägt mächtig dazu bei, den Eindruck dieser reinen und feierlichen Erhabenheit zu steigern und zu vertiefen. Aber allerdings erhielt sich die byzant. Kunst felhn lange in dieser Jugendfrische. Wie das Reich elbst, so erstarrte und erstarb auch die Kunst. Die uffassung wurde unlebendig und schematisch, die Technik verwilderte, endlich legte die Orthodoxie die Phantasie und Erfindung der Künstler in die unbeweglichen Fesseln ritueller Vorschriften, von denen nicht abgegangen werden 11 In diese Verfallzeit gehören die vielen Tafelbilder, deren chronol. Bestimmung aber wegen der toten Einförmigkeit, die sich in der griech. noch bis heute erhalten hat, unmöglich ist. ichtig für das Studium der byzant. Malerei ist das sog. „Malerbuch vom Berge Athosv (Par. 1845; von G. Schäfer, Trier w1855). Vgl. Salzenherg, Altchristl. Baudenkmale Konstantinopelso (Berl. 1854); Texier und Popplevel-Pullan, «Architecture byzantines (Par. 1864); Schnaase, „Geschichte der bildenden Künster (2. Aufl., 3. Bd., Düsseld. 1869).