FeedCamonica (Val)
ErdkundeBrockhaus 1882

Camonica (Val), ein Thal im N. der ital. Provinz Brescia, vom Oglio durchflossen, von Ponte di Legno bis zum Iseosee (s. d.) . 75 km lang, im obern Teile bald schmal und eng, hald kesselartig erweitert, im untern 3—4 km breit. Die oberste Thalstufe hat südwestl. Richtung, bei Edolo wendet sich das Thal nach S. und oberhalb Breno wieder nach SW. O. von der Adamellogruppe, im W. von den ergamasker Alpen ein-Ausläufer der Ortlesgruppe begrenzt. In scharfen Kontrasten die wilden, öden Wae und „ der Noralven: die grünen eiden und Wälder der Voralpen und die üppige Vegetation der südl. Alpenthäler zeigend, bietet das vom Touristenverkehr noch weni berührte Thal in buntem Wechsel bald liebliche, bald erhabene Landschaftsbilder; besonders wild und großartig sind die östlich gegen die Granitkette des Adamello ansteigenden Seitenthäler, von denen mehrere durch Seen geschmückt Awis so im N. des Adamello (3547 m) das Bal d'Avio mit dem Aviosee, weiter südlich Bal di Malga mit dem Lago di Baitone am Fuße des Corno delle Granate (3233 m) und Val Saviore mit dem Lago d'Arno am Fuße des Re' di Castello (2879 m). Die Haupterwerbsquellen der ungefähr 55000 E. des Thals sind neben dem Aderbau und der im großen betriebenen Alpwirt-Rarr die Ausbeutung der Eisenminen und der Marmor⸗ und Schieferbrüche, die Eisenindustrie, die Seidenzucht und die Ausfuhr von Kastanien. Hauptort ist Breno, ein malerisch auf einem Felsen gelegener Flecken mit 1708, als Gemeinde (1881) 3280 E. am Fuße des Monte-Blumone (2841 m); außerdem sind zu erwähnen: Ponte di Legno, 1200 m über dem Meere, das oberste Dorf am Fuße des Tonale, Edolo, 697 m über dem Meere, wo nach W. Val di Corteno abzweigt, und am Nordende des Iseosees Pisogne, ein stattliches, stadtartig gebautes Dorf mit 1852, als Gemeinde 3637 E., 4. Pif der Eisenindustrie und Haupt-Beraamp, Pisogne gegenüber, in der Provinz ergamo, liegt das Städtchen Lovere, das röm. Lauceris. Für die 555 6. Bedeutung des Thals, dessen Bewohner, die Camunes, schon von Julius Cäsar als ein kriegerischer Stamm erwähnt werden und das in den Kriegen der Guelfen und Ghibellinen, der Mailänder und der Venetianer eine hervorragende Rolle spielte, sprechen die zahlreichen Burg- und Festungsruinen, für den Wohlstand und den Kunstsinn der Bewohner die schönen Kirchenbauten mit ihren trefflichen Fresken und Altarblättern von Romanino, Calista da Lodi, Beniamino u. s. w. Aus dem Val C., welches von Pisogne bis Ponte di Legno von einer Poststraße durchzogen wird, führt von letzterm Orte aus nach O. der Tonalepaß in das Val di Sole (Sulzberg), nach N. der rauhe Gaviapaß zu dem Badeorte Sta.⸗Caterina und weiter nach Bormio; ins Veltlin zieht sich von Edolo aus +1 Val di Corteno eine Militärstraße uber den Apricapa (1234 m); nach Lodrone im Thale der Chiese fu rt der Croce-Dominipaß (1982 m), von Breno aus nach Val di Scalve die kühn angelegte dhesen iu durch die Schlucht des Dezzo. Außer diesen führen noch viele andere, teils Saumwege, teils beschwerliche Gletscherpfade ins Veltlin, ins Quellthal der Sarca (Val di Genova) u. s. w. Mit Brescig ist das Thal durch eine Fahrstraße am linken Seeufer (von Pisogne über Iseo) verbunden; nach Bergamo führen von Lovere aus zwei Straßen, die eine durch Val Cavallina, die andere über Clusone und durch Val Seriana. Von dem Städtchen Sarnico, der Dampfbootstation am Südwestende des Iseosees, führt eine Zweigbahn nach Palazzolo an der Bahn Bergamo-Brescia. Eamorra, eine geheime, über das ganze Gebiet des ehemaligen Königreichs Neapel verbreitete Brüderschaft, deren Etreitt Camorristi hießen. Sie maßten sich bei Streitigkeiten ein Schiedsrichteramt an, erpreßten bei Verkäufen, Mieten, Spielen und andern derartigen Gelegenheiten einen Anteil am Verdienst oder Gewinn und übernahmen außer Schmuggeltransporten auch Aufträge zu schweren Verbrechen. Ihre Bereitschaft zu Gewalt und Mord und die solidarische Verbindung, in der sie untereinander standen, machten sie sehr gefürchtet. Die Brüderschaft hatte in jeder Provinzialhauptstadt eine Centralstelle, in der Stadt Neapel eren zwölf. Jede Centralstelle stand unter einem ewählten Chef mit absoluter Gewalt, dem ein technungsführer (Contarolo) beigegeben war. Bewerber um die Mitgliedschaft mußten nachweisen, daß sie sich weder der Spionage noch des Diebstahls schuldig gemacht hatten, ingleichen daß ihre Frauen und Schwestern nicht zu den Prostituierten gehörten, und gelobten auf ein eisernes Crucifix mit einer furchtbaren Eidesformel Treue und Verschwiegeneit. Jeder von ihnen führte zwei Messer von beonderer Form, an denen sich die Mitglieder gegeneitig erkannten. Unter König Ferdinand II. wurde die . aus polit. Gründen geduldet. Die Regierung Franz' II. wollte ihr ein Ende machen und ließ alle der Volizei bekannten Mitglieder deportieren. Die Zurückgebliebenen setzten sich dafür mit dem Gazribaldi-Komitee in Verbindung und leisteten bei Vertreibung der Bourbonen wesentliche Beihilfe. Ein Versuch, sie nunmehr im Polizeidienste zu mißt, sind unter K aufzusuchen. verwenden, mißlang völlig. Auch unter der Regierung Victor Emanuels erhielt sich diese ders Meaoel und machte durch ihre Verbrechen bes onders Neape unsicher. Der dortige Präfekt Mordini ließ 1874 über 200 Mitglieder derselben verhaften und nach den Inseln schaffen. Vgl. Monnier, “La C., notizie storiches (Flor. 1863). lübungen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 874Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6