FeedCampanella (Thomas)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Campanella (Thomas), ein als Philosoph berühmter Dominikanermönch, geb. 5. Sept. 1568 zu Stilo in Calahrien, studierte zu Neapel und Cosenza Eifters der An letzterm Orte, wo die * des tifters der dortigen Akademie, Bernh. Telesius, lebendig waren, wurde er dem aristotelisierenden Scholastizismus entfremdet. Um sich der Philosophie ungestörter zu widmen, zog er sich nach Balbia in die Einsamkeit zurück und arbeitete hier seine Philosophia sensibus demonstratay (Neapel 1591). Nachher ging er nach Neapel, wo er sein Hauptwerk De sensu rerum et magias (Frankf. 1620; 2. Aufl., Par. 1636) schrieb. Die Uberlegenheit, mit welcher er alegen beim Disputieren gegen die orthodoren Theologen auftrat, zog ihm Nachstellungen u, wes⸗ ˙ er 1592 sich nach Rom, von da nach —.—0 päter nach Venedig und Bologna wendete; 1598 kehrte er nach Neapel und bald darauf in seine Vaterstadt zurück. Hier ward er seiner Freimütigkeit wegen der span. Regierung verdächtig, die ihn 1599 nebst mehrern andern verhaften und foltern ließ. Er wurde 27 Jahre hindurch gefangen gebieten⸗ bis es Urban VIII. gelang, durch das Erieten, ihn als Ketzer zu richten, 1626 seine Auslieferung zu bewirken, worauf er zum Schein in die Gefängnisse der Inquisition zu Rom gebracht, 1629 aber mit einem ansehnlichen Jahrgehalt freigelassen und von Urban VIII. eines vertrauten Umgangs gewürdigt wurde. Neue Nachstellungen der Spanier nötigten ihn, sich 1634 nach Frankreich zu flüchten wo man ihn zu Paris ehrenvoll aufnahm. C. tarb daselbst 21. Mai 1639 in dem Dominikanerkloster der Vorstadt St.⸗Honoré. Von seiner Vielseitigkeit und seinem Fleiße zeugt die große Anzahl (82) seiner Schriften, welche den Gebieten der H%„ der Naturwissenschaften, der Astronomie, Astrologie, Medizin, Theologie, Dogmatik, Ethik und Staatswissenschaft angehören. Die meisten derselben hat er im Gefän 11 verfaßt, doch wurden dieselben zum j½ eil noch vor seiner Freilafsung durch den Sachsen Tobias Adami, der ihn während der Gefangenschaft kennen gelernt, auch außerhalb Italien bekannt und in Deutschland gedruckt; ebenso ging es mit seinen im Gefängnisse verfaßten Kanzonen und Sonetten, welche derselbe Adami unter dem Titel «Scelta d'alcune poesie filosofiche di Septimontano Squillar herausgab (später neu U1 dauat von Orelli, Lugano 1834). Eine Auswahl daraus hat Herder als ASeufzer eines gefesselten Prometheus aus seiner Kaukasushöhler in der Adrasteay (Bd. 3) ins Deutsche übertragen. Vgl. Cyprian, XVita et Philosophia C. (Amsterd. 1705 2. Aufl. 1722); Rixner und Siber, IThomas C.v (Sulzb. 1828, als 6. Heft von Leben und Lehrmeinungen berühmter Physiker im 16. und 17. Fabrhen Baldachini, «Vita di Thomas C. (2 Bde., (Frankf. 1622), Philosophia epilogistica realisßt, sind unter K aufzusuchen. »Discorsi politici ai principi d'Italiao Meapel 1848). Eine Sammlung seiner Werke erschien zu Turin 1854. Seine eie d. „Ansichten repräsentieren in eigentümlicher Weise den Gärungsprozeß, der zu Ende des 16. und im Anfang des 17. Jahrh. nach att verschiedenen Richtungen hin in den Köpfen tattfand; G0n wechseln bei ihm Reichtum und Kuhnheit der Gedanken und überraschend helle Blicke mit althergebrachten Gemeinplätzen und seltsamen rol. und magischen Träumereien. Eigentümlich sein Versuch, eine encyklopäd. Gliederung alles issens systematisch auftutelen. ebenso eine Theorie der Erkenntnis aufzustellen. Eine Lieblingslehre C.s ist diejenige von der allgemeinen Beseeltheit aller Dinge, dah welche er seine Ansichten von den Instinkten, Wahrsagungen und magischen Beziehungen stützt. C.s Verteidigung des Katholizismus und Papismus in der «Monarchia Messiaen (Aix 1633) und in Della libertz e della felice suggezione allo stato ecclesiasticop G 1633) verschaffte ihm die Gunst des Papstes. Als Vertreter der papistischen Universalherrschaft polemisiert er bei der n—k5 seines Staatsideals Civitas soliso) in heftigster Weise gegen die von achiavelli vertretene Idee des von der Kirche unabhängigen ital. Nationalstaats. Vgl. Tröbst, Der Somenmaat des C.„ (Weim. 1860), Sigwart, „Kleine Schrifteno, 1. u. 2. Reihe, Freiburg 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 876Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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