Casanova (Giovanni Jacopo de Seingalt), einer der berühmtesten Abenteurer des 18. Jahrh., eb. zu Venedig 2. April 1725, erhielt in Padua einen ersten Unterricht und machte beraus rasche ; ortschritte, wurde jedoch durch seine Leidenschaftichkeit schon damals in mancherlei Abenteuer ver⸗( wickelt. Nachdem er die Rechte studiert, widmete er sich in Venedig dem ½½% Stande, folgte jedoch mehr seinen weltlichen Neigungen und verwickelte sich in mancherlei Liebeshändel, welche nach einer kurzen Gefangenschaft seine Ausweisung aus dem Seminar zur Folge hatten. Er ing nach Neapel, dann nach Rom, wo er beim ardinal Aquaviva eine Stelle erhielt, wurde jedoch bald wieder entlassen, reiste 1743 nach Kon-Icabr machte dann in Korfu Uhnchren sah ch aber genötigt, nach Venedig zurückzukehren, wo er eine Zeit lang als Violinspieler lebte, bis die Heilung eines Senators ihn wieder in Ruf brachte. Er mußte dann Venedig von neuem verlassen, wurde nun Spieler, ging nach Paris, dann wieder nach Venedig, wo er in Verwickelungen geriet, die 1755⁵ seine Gefangenschaft in den Bleikammern zur Folge hatten. Nachdem er aus diesem Gefängnisse entkommen war, ging er abermals nach Paris, wo er vielen ausgezeichneten Männern und Frauen näher trat. Dann durchzog er das südl. Deutschland, die Schweiz und Oberitalien, hielt sich in London auf, begab sich dann nach Berlin und hatte hier ein Zusammentreffen mit Friedrich d. Gr., welches er in seinen Memoiren in interessanter Weise schildert. Er sollte Gouverneur der Kadettenanstalt werden, wandte sich aber nach Petersburg, dann nach Warschau, von wo ihn ein Duell mit dem Kronkämmerer Branicki vertrieb, und über Dresden und Prag nach Wien, wo ihm der Aufenthalt auch bald untersagt wurde. Später war er wieder in Paris, das er, durch eine Lettre de cachet genötigt, 1767 verließ, um nach Madrid zu gehen, von wo er ebenfalls uchten mußte. Nachdem er auf seinen weitern Reien den Marquis d + und Cagliostro kennen gelernt und Rom und Neapel berührt hatte, erhielt er die Erlaubnis, nach Venedig zurückzukehren und war 1775 —82 geheimer Agent des Juquisttionstribunals für den innern Dienst in Venedig. Das Manuskript seiner Memoiren reicht bis zum J. 1773. Beim venet. Gesandten zu Paris wurde C. mit dem Grafen Waldstein aus Dux in Böhmen bekannt, der, als er in ihm einen in der Kabbala und andern alchimist. Geheimnissen an Schts erkannte, ihm den Vorschlag machte, sein Schloß zu seinem Aufenthaltsorte zu wählen und gemeinschaftlich mit ihm zu operieren. C. nahm diesen Vorschlag an, be-Aufsich 1785 den Grafen nach Dux, übernahm die ufsicht über dessen Bibliothek und lebte zu Dur bis zu seinem Tode, der 4. Juni 1798 erfolgte. Seine berühmt gewordenen Memoiren, deren Ori-E Srochausind im Besitz der Verlagshandlung F. A. Brockhaus in Leipzig befindet, erschienen unter dem Titel «Mémoires, écrits par lui-méme (12 Bde., Lpz. 1826—38), in deutscher Bearbeitung unter dem Titel Aus den Memoiren des Venetianers C., oder sein Leben, wie er es zu Dux in Böhmen niederschriebv (12 Bde., Lpz. 1822—28), und machten bei ihrem Erscheinen ungemeines Aufsehen. Sie enthalten viele wertvolle Beiträge von kulturhistor. und selbst geschichtlichem Interesse, und führen Personen, die auf die Politik von Einfluß waren, in scharfem Umriß vor Augen. Außerdem schildern die Memoiren, die teilweise mit Tadent Frivolität Ziebesaben sind, eine Unzahl von C. erlebter romant. iebesabenteuer. Von seinen übrigen Schriften sind zu nennen: Confutazione della storia del goberno Veneto d'Amelot de la Houssaie (Amsterd. 1769), Istoria delle turbulenze della Polonia dalla morte di Elisabet Petrowna fino alla pace fra la Russia e la Porta ottomana (3 Bde., Gratz 1774), Dell' Iliade di Omero, tradotte in ottave rimer (4 Bde., Vened. 1778), Histoire de ma fuite des prisons de la République de Venise, qu'on appelle les Plombs„ (Prag 1788), «Ieosameron, ou histoire d'Edouard et d'Elisabet, qui passèrent quatrevingt ans chez les Megameickes (5 Bde., Prag 1788 1800), „Solution du probleème déliaque démontre (Dresd. 1790). Vgl. Barthold, «Die geschichtlichen Persönlichkeiten in C.s Memoireno (2 Bde., Berl. 1845) und Baschets Mitteilungen in dem Sammelwerke Le Livrer (Par. 1881).