FeedBruno (Giordano)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bruno (Giordano), ital. Philosoph, geb. zu Nola 1548, trat 1563 in den Dominikanerorden, wurde aber bald wegen seiner Zweifel an der Transsubstantiation und der unbefleckten Empfängnis der R. 576 Maria verdächtig, mußte fliehen und verließ 1576 Italien. Von da an führte er ein unstetes Leben, befand sich 1577 in Genf und wendete sich dann nach Toulouse, wo er über Aristoteles' Buch De anima, und 1579 nach Paris, wo er über die «Große Kunst des Raimundus Lullus (s. d.) ahl keiner Schrr welcher auch eine ziemliche Anzahl seiner chriften gewidmet ist. Seine Streitigkeiten mit den Anhängern des Aristoteles nötigten ihn, Paris zu verlassen, und er wandte sich 1583 nach London, wo er sich zwei Jahre aufhielt. Hier lebte er unter dem ase des franz. Gesandten Michel de Chateauneuf de la Mauvissieère und Paris seine bedeutendsten Werke, ihn zum Widerrufe zu Dewegen, als Ketzer und durchaus einen kräftigen, mutigen, leicht erregbaren, einer tiefen Begeisterung fähigen, aber vergebich nach Klarheit ringenden Geist. Seine Cena delle ceneri Koperuikanichen 5 chreden) ist eine Apologie der Kopernikanischen Astronomie, der „Spaccio della bestia trionfanten (Par. 1584) eine im Stile jener Zeit gehaltene, ziemlich schwer-Hierae Allegorie, in welcher er an die Stelle von iergestalten die Tugenden an den Himmel versetzt und dabei satirische Bemerkungen über seine Zeit macht. In der Cabala del cavallo Pegaseo coll' aggiunta dell'asino Cillenicos (Par. 1585) preist er ironisch das Glück der Unwissenheit. Die edichte, die er unter dem Titel: KDegli eroici furorio (Par. 1585) herausgab, verherrlichen die göttliche Liebe zur Wahrheit. Früher (1582) hatte er auch ein . De Lustspiel: &II candelajos, drucken lassen. ie wichtigsten seiner Schriften sind seine metaphysischen, unter denen die Della causa, principio ed uno (Vened. 1584; deutsch von Lasson, Berl. 1873), «Del infinito universo mondi (Vened. 1584) und das Gedicht ⸗De innumerabilibus, immenso et infigurabili s. de universo et mundiso (zugleich mit der Schrift „De monade, numero et figura er 1591) hervorragen. B.s Verdienst ist, daß er zuerst die philos. Konsequenzen des aunt aegen den Systems mit rücksichtsloser Polemik gegen den geocentrischen Standpunkt der scholastischen und kirchlichen Metaphysik zog. Neben dem Gedanken der Unendlichkeit der Welt verteidigte er den der Einheit, der innerlichsten Lebensgemeinschaft aller Dinge ebenfo sehr gegen die empirische Beschränkung der menschlichen Erkenntnis, wie gegen die kirchliche Dogmatik und den scholastischen Aristotelismus. Seine Lehre war den aDriefen ude geblieben, bis F. H. Jacobi in den „Briefen über die Lehre des Spinoza durch die Auszüge, die er daselbst aus B.s Hauptarbeiten gab, und nach ihm Schelling in dem „Brunos benannten ihn len über die Weltseele die Aufmerksamkeit Ri ihn lenkten. Die Originalausgaben seiner Schriften sind sämtlich sehr selten; die italienischen hat Wagner in den 4Opere di Giordano B.v (2 Bde., Lpz. 1830) mit einer bioraphischen Einleitung herausgegeben; die lateinichen Gfrörer (Bd. 1 u. 2, Stuttg. 1834-36) zum eil gesammelt; die Schrift De umbris idearumo, hat Tugini (Berl. 1868) herausgegeben. Vgl. Bartholmes, GJordano B. de Nolav (2 Bde., Par. 1846); Clemens, Giordano B. und Nicol. von Cusa» (Bonn 1847); Carriere, «Die philos. Weltanschauung der Reformationszeit „ 118671 1847); Scartazzini, „Giordano B.v (Biel 1867); Berti, „Vita di Giordano B. da Nolas (Flor. 1868); Hugo Wernekke, (Giordano B.s Polemik gegen die Aristotelische Oordano 5.5 (Dresd. 1871); Pie tro Bionda, „Giordano B. (Lecce 1873); A. Colocci, &Giordano B. Cenni biografici con documentiv (Rom 1876); Hartung, (Grundlinien einer Ethik bei Giordano B.5 1879); Sigwart, «Die Lebensgeschichte Giordano B.sv (Tüb. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 632Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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