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GeschichteBrockhaus 1882

Campenhausen, eine livländ. Familie, welche ursprünglich aus Schwaben stammte und früher Kempen J0h Der Stammvater der baltischen Linie ist ½ Balthasar Freiherr von C., due zu Stockholm 30. Juni 1689. Er besuchte das Lyceum zu Riga und trat sehr jung in schwed. Kriegsdienste. Nach der Schlacht bei Pultawa 1709 ging C. mit Karl XII. nach Bender und wurde in alle Abenteuer des Königs verwickelt. Im J. 1710 trat er in poln., 1711 in russ. Dienste und wurde 1712 Chef eines Grenadierregiments, das später eine Zeit lang seinen Namen fuhrte. Im J. 1742 um Generalgouverneur des damals von russ. ruppen besetzten schwed. Finland ernannt, erwarb er sich durch seine Gerechtigkeit die allgemeine Achtung und wurde in den D erhoben. C. nahm bald darauf seinen Abschied und wurde +. Lohn für seine Dienste mit vier Gütern in Livand beschenkt. Seit 1721 Landrat der livländ. Ritterschaft und Oberkirchenvorsteher des Rigaschen Kreises, erwarb er sich seit 1728 ganz Dedondere Verdienste um das Schulwesen dieser Provinz und um das schon 1507 gestiftete Armenhaus Campenhausens Elend in Riga. C. starb 11. März 1758 zu Petersburg. — Pierre Balthasar, Freiherr von C., ein Enkel des vorigen, geb. zu Riga am 25. Jan. 1746, studierte in Göttingen und begab sich darauf nach Genf, wo er in Ferney Voltaires Zuneigung gewann und über zwei Jahre in dessen Hause lebte. Aus dieser Zeit stammt sein Essai sur la littérature frangaise (in Schlegels Dann bereiste C. Westeuropa und kehrte als sächs. Kammerherr aus Dresden in sein Vaterland zurück, trat nach dem Tode seines Vaters in russ. Kriegsst, sind unter K aufzusuchen. dienste und machte den Feldzug gegen die Türken unter dem Feldmarschall Fürsten Potemkin mit, in huhrte Kanzlei er die ausländische Korrespondenz e. Nach dem Frieden bereiste C. die damals noch wenig bekannten Gegenden am Dnjepr, die er in seinen „Bemerkungen über Rußland efonders einige Provinzen dieses Reichs betreffend⸗ (Lpz. 1807) beschrieb. In dem bald darauf ausbrechenden poln. Kriege kämpfte C. im Isumschen Husarenregiment und nahm den im Minskischen Gouvernement einfallenden *** General Beschr Groboffsky Autens ( er lieferte später eine Beschreibung dieses egs (in Truharts 4Fama für Deutschland », 1807). Nachdem C. 1798 seinen Abschied genommen, lebte er in Riga, wo er unter andern Die Belagerung von Wenden », ein Drama (Riga 1801) und seine noch jetzt wertvolle 7 eschichte der deutschen Bühne in Riga (in Kaffkas Nordischem Archivo, 1805) schrieb und 1808 starb. Der bedeutendste aller C. ist aber der jüngere Enkel des erstgenannten, Balthasar, Freierr von C. Geboren auf dem Gute Lenzenhof in Livland 5. Jan. 1772, ** er seine Erziehun in der Brüdergemeinde zu Niesky und Uhyst un studierte seit 1789 in Leipzig, Wittenberg und Göttingen, in welchem letztern Orte er die Entwürfe u physik. Völker⸗, Religions⸗ und Kulturkarten des ussischen Reichs », &Elemente des russ. Staatsrechts» (Gött. 1792) und den „Versuch einer geogr.⸗ atist. Beschreibung der russ. Statthalterscha ten es Russischen Reichs » (Gött. 1803) verfaßte. Im J. 1792 tehrte er in sein Vaterland zurück und beleitete bald darauf den russ. Gesandten Grafen ievers nach Polen. Im J. 1795 ließ sich C. zur russ. Gesandtschaft nach Stockholm versetzen, wurde aber 1799 nach Petersburg berufen, wo er sich zunächst auf dem Gebiete des russ. Erziehungswesens Verdienste erwarb. Seine Hauptthätigkeit beginnt aber unter der Regierung Alexanders I. im Sommer 1802, als C. zur Zeit der Pest den 45Hm erhielt, sämtliche See⸗ und Landquarantänen üdrußlands und der Krim zu bereisen und die Mißbräuche der russ. Behörden unbarmherzig aufzudecken. Im J. 1806 zum Wirkl. Geh. Rat ernannt, fungierte C. seit 1810 als Reichsschatzmeister, dann als Reichskontrolleur und erhielt im Juli 1823 die Verwaltung des Ministeriums des Innern an Stelle des beurlaubten Ministers Grafen Kotschubei übertragen, starb aber nach kaum ** Monaten infolge eines Armbruchs in seiner Villa unweit Petersburg am 23. Sept. 1823. C. ist auch der Verfasser der „Genealog.⸗chronol. Geschichte des Hauses Romanowoy (Opz. 1805).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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