Angostüra oder Ciudad Bolivar, Hauptstadt des 385 446 qkm großen, aber (1873) nur 34053 E. zählenden Staates Guayana der Vereinigten Staaten von Venezuela in Südamerika, amphitheatralisch am rechten Ufer des Orinoco, etwa 400 km oberhalb der Mündung desselben, am Abhange eines kahlen Hügels von Hornblendeschiefer gelegen, hat gerade, meist dem Strome parallel lansende Straßen, massive, zweistöckige Häuser, aber außer der Kathedrale kein einziges nennenswertes öffentliches Gebäude. Die Stadt Bü 8486 E., darunter viele Fremde, ist Sitz des ischofs von Guayana, hat ein Kollegium mit Priesterseminar und verschiedene öffentliche Schulen. Das Klima ist verhältnismäßig gesund, die Hitze durch die regelmäßigen Passatwinde vom Meere her ermäßigt, sodaß die mittlere Jahrestemperatur 26* C. beträgt. Die Stadt ist der Haupthafen des großen Orinocogebiets, liegt aber nicht Her Gie da sie zu weit von der See entfernt ist. Der Strom drängt sich hier durch einen Engpaß (angostura), den zwei Forts verteidigen, und hat trotzdem noch die Breite von 778 m. Dieser Paß ist die obere Grenze der oceanischen Ebbe und Flut. Bis zu ihm kann der Strom zu allen Hren werden von Seeschiffen mittlerer Größe befahren werden, aber diese brauchen ohne die Hilfe von Schleppdampfschiffen oft sehr lange Zeit, um die Stadt zu erreichen. A. wurde 1764 gegründet und San-Tomas de la Nueva Guayana genannt zum Unterschiede von dem 185 km weiter Awieronth gelegenen San-Tomas de Guayana, welches jetzt zu dem elenden Dorfe Guayana-Vieja herabgesunken ist. Zu A. wurde 15. Febr. 1819 von Venezuela und Neugranada auf einem Kongreß der Grund zu der Föderalrepublik Columbia gelegt, einer Schöpfung Bolivars, dem zu Ehren die Stadt ihren neuen Naden häufigen Bürgerkriegen 400 die Stadt viel zu leiden, sodaß ihr Handel ganz daniederlag. Erst in neuerer Zeit hat sich letzterer wieder gehoben, namentlich durch die regelmäßige Dampferverbindung mit Trinidad, wodurch ein Anschluß an verschiedene europ. Dampferlinien .— wurde. Der Export besteht namentlich in Gold, Copaivabalsam, Varinastabak, rohe Häute, Kaffee, Baumwolle, Indigo, Kautschuk u. s. w. Die Kaskarilla, Angostura-und falsche Fieberrinde wird in den Wäldern am Coroni gesammelt. Importiert werden deutsche und engl. Manufakturwaren, namentlich Gewebe. Der Handel liegt großenteils in deutschen Händen. ngosturarinde, die Rinde von Galipea officinalis, einem in Südamerika wachsenden Baume aus der Familie der Diosmeen, nach der Stadt Angostura (s. d.) benannt, wurde früher vielfach gegen Verdauungsstörungen, Ruhr und Wechselfieber angewandt, neuerdings aber nicht mehr, weil sie öfters mit der giftigen Rinde von Strychnos nux vomica verfälscht im Handel vorkam. Die A. schmeckt Bittermist bitter und gehört in die Klasse der sog. Bittermittel (s. d.).