Carlyle (Thomas), berühmter engl. Schriftsteller, wurde 4. Dez. 1795 in dem Bontte 19 gehpren. in der Grafschaft Dumfries in Schottland geboren. Von seinen Eltern, wohlhabenden Landleuten, für die Kirche bestimmt, befriedigte ihn auf der Universität zu Edinburgh weder das Studium der Theologie noch das der Rechte. Er wurde Lehrer der Mathematik an einer Schule in Kirkcaldy und beschäftigte sich mit deutscher Sprache und Litteratur. Eine Reihe von Jahren war von nun an sein Hauptbemühen darauf gerichtet, durch Übersetzungen und kritische Arbeiten den Briten die Geistesschätze Deutschlands zugänglich zu machen. Seiner William Meister's apprenticeshipo (3 Bde., Edinb. 1824; neue Ausg., Lond. 1874) folgten das Life of Schillero (Lond. 1825; neue Ausg., Lond. 1874; deutsch, Frankf. 1830) und die Translations of emißt, sind unter K aufzusuchen. German romancesd (4 Bde., Edinb. 1827), eine Auswahl aus Goethe, Tieck, Jean Paul, Fouqus, Musäus, Hoffmann u. a. Die Huldigung der 19 engl. Zuns Gow (darunter Sir Walter Scott und Lord Francis Gower, nachheriger Graf Ellesmere), 1831 in einer Adresse und einem sinnreichen Gedicht an Geethe dargebracht, war von C. Wreiin Mit Goethe trat C. auch in nähere persönliche Beibs auf Nachdem er bis 1834 teils in Edinburgh, teils auf dem Landgute Craigenputtock in Dumfriesshire als Mitarbeiter an Frazer's Magazinen, der „Edinburgh Revievo und der (Foreign Reviewo, die er besonders durch geistvolle kritische Arbeiten über die deutsche Litteratur bereicherte, privatisiert hatte, siedelte er nach London über, welches seitdem sein dauernder Wohnsitz blieb. Von sseme Originalarbeiten begründete zuerst seinen Ruf seine French Revolution, a historyo (3 Bde., Lond. 1837; 4. Aufl. 1864; deutsch von Feddersen, 3 Bde., Lpz. 1844), ein durch die Sunadere der Behandlung und den poetischen Schwung der Sprache ausgezeichnetes Werk. Die Geschichte seiner innern Entwickelungskämpfe und seine philos. Weltansicht legte C. in dem schon 1831 geschriebenen, aber erst deutsch von Th. A. Fischer, Lpz. 1882) nieder, das ebenso durch seine eigentümliche, ans Barocke * sende Schreibart, wie durch seinen Humor un die kühne Neuheit der Gedanken Aufsehen erregte. Im d. 1839 erschien von ihm eine Schrift ber den hartismus, hierauf die Vorlesungen: On Heroworshipo (Lond. 1841; deutsch von Neuberg, Berl. 1853) und die Betrachtungen: Past and presento (Lond. 1843). In diesen Werken trat eine neue Geistesrichtung C.s hervor, die Keaff ale die individuelle geniale Einsicht und Thatkraft als das bewegende Prinzip der Geschichte arzustellen und über das Interess an dem allgemeinen menschlichen Fortschritt zu 4 Mangs den C. im ganzen geneigter war in seinen ängeln zu kritisieren als in seinen Vorzügen anzuerkennen. Iu den Watter-day pamphletso (Lond. 1850) ist diese Anschauungsweise auf die Spitze getrieben. Man kann diese Flugschriften als die genialste Apologie des Rückschritts und die bitterste Kritik des progressistischen Geistes unserer Zeit betrachten, welche die neuere europ. Litteratur hervorbrachte. Ces histor. Auffassung bildet daher den schärfsten Gegensatz zu den geschichtsphilos. Grundideen Buckles. Den größten historischen Wert von allen Schriften Sohg die Letters and speeches of Oliver Cromweile (2 Bde., Lond. 1845, mit einem „Supplemento von 1846). Wenn der Commentar des Deredsamtteit — auch mehr durch Scharfsinn und Beredsamkeit als durch Unparteilichkeit auszeichnet, so verdient er doch das Lob, die Ehrenrettung eines der bedeutendsten Charaktere der engl. Geschichte mit Erfolg versucht zu haben. Einen zweiten seines Heroenkultus würdigen Helden fand C. in Friedrich d. Gr., den er viele Nicnre hindurch — Gegenstand umfassender Studien machte, we che ihn auch nach Deutschland führten. Das Ergebniß derselben legte er nieder in der «History of Friedrich II, called Frederick the Greate (6 Bde., Lond. 1859 —65; neue Ausg., 10 Bde. 1874; deuts ch von Neuberg und Hieter al 6 Bde., Berl. 1859—69), die aber trotz vieler glänzenden Vorzüge an zu großer Länge und in manchen Aung l an einer gewissen Formlosigkeit der Darstellung leidet. Seitdem hat C. kein größeres Werk mehr veröffentlicht. Unter seinen übrigen Arbeiten ist die Biographie seines Jugendfreundes, des Dichters Sterling (Lond. 1851), zu erwähnen. Seine kleinern, in verschiedenen Zeitschriften verstreuten, meist auf deutsche und franz. Litteratur bezüglichen Schriften erschienen unter dem Titel «Critical and miscellaneous essaysv gesammelt in 4 Bänden (Lond. 1847 und später in vielen neuen Auflagen). Von 1868—70 war er mit einer neuen Gesamtausgabe seiner Werke (Library editiono, in 34 Bänden) beschäftigt. Dieser Ausgabe folgte 1871 die billige Peoles editiono, die in zahlreichen Auflagen eine weite erbreitun gefunden hat. Ferner veröffentlichte er eine Reihe von Abhandlungen unter dem Titel: The early Kings of Norway. Also an essay on the portraits of John Knoxy (Lond. 1875). Mit Ausnahme seiner Amtsführung als Rektor der Universität Edinbur h, zu welchem Ehrenposten die edinburgher Studenten ihn für das J. 1866—67 wählten, bekleidete C. nie eine öffentliche Stellung, sondern lebte ausschließlich seiner f ranögschen Thätigkeit. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870—71 nahm er eifrig Partei für die Sache Deutschlands; während des Russisch-Türkischen Kriegs für die Befreiung der Balkanstaaten. Er starb in London 5. Febr. 1881. Seine Leiche wurde in seinem Geburtsort beigesetzt. Großes Aufsehen erregten seine von seinem litterarischen Testamentsvollstrecker Zond. veröffentlichten Reminiscencesv (2Bde., ond. 1881), sowie die ganz auf seine Korrespondenz und Tagebücher geründete und ebenfalls von Froude herausgegebene Biographie: Thomas C. X history of the first forty years of his lifer (2 Bde., Lond. 188²2). Vgl. Oswald, Thomas C. Ein Lebensbildo (Lpz. 1881), und Althaus, „Erinnerungen an Thomas C.v (in Unsere Zeito, 1881, Bd. J1).