Böhmer (Eduard), roman. Philolog und theol. Schriftsteller, geb. 24. Mai 1827 in Stettin, studierte in Halle und Berlin Theologie, Philosophie, und Philologie, habilitierte sich 1854 an der theol. Fakultät in Halle, wurde unter 3015.196 seiner theol. Lehrthätigkeit 1866 außerord., 1868 ord. Professor der roman. Sprachen und Lalote 187² einem Rufe an die neubegründete straßburger Universität, wo er das Studium der roman. Philolo ie in wirksamster Weise bis zu seiner, 1879 ihm bewilligten Emeritierung förderte; seit 1881 lebt er in Wien. Seine wissenschaftliche Vielseitigkeit bekunden neben einigen der Philosophie Spinozas Botete wn Schriften zahlreiche Arbeiten auf theol. ebiete, wie die Schristen über reformatorische Bewegungen und Reformatoren in Spanien und Italien (Ausgaben von Werken des Juan de Valdes u. s. w.: 4Spanish reformers of two centuries from 15205, Bd. 1, Straßb. 1874), über 3 Grese (in der von ihm in Gemeinschaft mit Ludw. Giesebrecht 1864—65 herausgegebenen Zeitschrift Demariso), über Bücher des Alten und Neuen Testaments (Das 5 Buch der Thoras, Halle 1862, «Über die Apokalypse des Johanneso, Halle 1855), eine Ausgabe von «Sleidanus' Reden an 4*• und Reich' (Stuttg. 1879) u. a. In den von ihm gemeinsam mit K. Witte herausgegebenen drei ersten Bänden des Jahrbuchs der Deutschen Dante-Gesellschafté (1867—70) veröffentlichte er mehrere Aufsätze über Dante, dessen lat. Schriften er auch in wertvollen Spezialuntersuchungen behandelte. Seit 1871 95 er die Zeitschrift aRoman. Studien heraus, die scharfsinnige Aufsätze namentlich lautgeschichtlichen Inhalts von ihm enthielt; ferner edierte er die altfranz. Rolandsdichtung (Roncesvalv, Halle w1872) in einem eigenen phonetischen System und veröffentlichte eine Schrift aüber die provengale Poesie der Gegenwarte (Halle 1870). B. ist Sanimler rhätoromanischer Schriftwerke und besitzt die größte 35. Friedt Kollektion derselben. forscher, geb. 22. April 1795 Frankfurt a. M., besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte dann in Heidelberg und Göttingen die Rechte und ging 1818 nach Italien, wo er zu Rom im Kreise deutscher Künstler reiche Anregung empfing. Nach seiner Rückkehr ward er 1822 Bibliothekargehülfe und Mitadministrator des Städelschen Kunstinstituts, 1823 Sekretär der Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichte, 1825 Archivarvikar, 1830 erster Bibliothekar. Um sich ganz der deuts chen Geschichtsforschung widmen zu können, legte er jedoch seine Amter bis auf das Bibliothekariat nieder. Er unternahm seitdem jährlich Reisen zur Durchforschung der Bibliotheken und Archive Deutschlands, rankreichs, ½% und der Niederlande. Als rüchte seiner Bemühungen erschienen zuerst: Die rkunden der röm. Könige und Kaiser von Konrad I. bis Heinrich VII., 911 — 1313 (Frankf. 1831), sodann Die Reichsgesetze von 900—14005 Wuolin 1832), endlich Die Urkunden sämtlicher arolingero (Frankf. 1833), Dokumente, die als das Fundament er die Ralen tschreibung dieser Periode von höchster Wichtigkeit sind. Sodann gab B. heraus: «Urkundenbuch der Reichsstadt Frankfurty (Bd. 1, Frankf. 1836), «Die Urkunden Lud- und des Bayern, König Friedrichs des Schönen und König Johanns von Böhmen» (Frankf. 1839), woran sich ein «Erstes Ergänzungshefto (Frankf. 1841) und ein «3Zweites AneS Kallerrchs (Lpz. 1846) anschlossen; «Regesten des Kaiserreichs unter Abratg Raspe, Wilhelm, Richard, Rudolf, Adolf, lbrecht und Heinrich VII. 1246—13135 (Stuttg. Die Regesten des Kaiserreichs unter Philipp, Otto IV., Friedrich II., Heinrich VI. und Konrad IV., 1198—1254 (2 Tle., Stuttg. 1847 —49), Wittelsbachsche Regestend (Stuttg. 1854). Außerdem sammelte B. in den Fontes rerum Germani-Geschichtschreiber des 13. und 12. Jahrh. Er starb 22. Okt. 1863. Aus seinem Nachlasse erschienen gesta imperii VIII; die Regesten des Kaiserreichs unter Karl IV.„ (Innsbr. 1876), Regesten zur Geschichte der Erzbischöfe von Mainzy (Innsbr. 1877) und Die Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern„(Innsbr. 1880 fg.). Janssen gab heraus: 0 Friedrich B.s Leben, Briefe und kleinere Schriftend (3 Bde., Freiburg i. Br. 1868).