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Sagen & MythenBrockhaus 1882

Carmentis (oder Carmenta) hieß eine altröm. Göttin, welche dem Namen nach eine Göttin der Carmina (d. h. der Lieder, Weissagungen, Zaubersprüche u. s. w.) war. Insbesondere glaubte man sie bei Geburten mächtig, entweder weil man auch hier auf die Hilfe von Zaubersprüchen hoffte oder weil sie als Göttin des Gesanges und der Weissagung mit den Göttinnen der Bäche und Quellen verwandt erschien, die ebenfalls wegen des Rauschens des Wassers Gesangs⸗ und Weissagungsgöttinnen, wegen dessen lebenspendender Kraft Geburtsgöttinnen waren. Die Göttin hatte in Rom an dem nach ihr benannten Carmentalischen Stadtthor am Fuße des Capitolinischen Hügels ein Heiligtum mit einem eigenen Priester, sowie Feste am 11. und 15. Jan. Diese galten ihr als Geburtsöttin in doppelter Person, als der C. Prorsa oder orrima und der C. Postvorsa, welche ursprünglich als Göttinnen der Kopf⸗ und Steißgeburt verehrt wurden, während eine spätere Deutung aus ihnen Schicksalsgöttinnen machte, welche in die Verganugeborenen weissagen. In der röm. Sagengeschichte ist C. die seherische Mutter oder Gemahlin des Euander (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 4Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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