Carriere (Moriz), hervorragender deutscher Philosoph und Asthetiker, geb. 5. März 1817 zu Griedel im Großherzogtum Hessen, studierte zu Gießen, Göttingen und Berlin, lebte dann einige Jahre, uand vabil mit Kunststudien beschäftigt, in Italien und habilitierte sich 1842 als Docent der erhielt. Seit 1853 Professor zu München, liest er an der Universität vorzugsweise Asthetik und trägt in der Kunstakademie, deren schriftführendes Mitglied er ist, Kunstgeschichte vor. C.s erste Schriften, wie namentlich Vom Geist. Schwert und Handschlag für Franz Baader» (Weilb. 1841) und „Die Religion in ihrem Begriff, ihrer weltgeschichtlichen Entwickelung und Vollendung v (Weilb. 1841), bewegten sich teilweise noch in Hegelschen Gedankenkreisen, hoben aber bereits das Prinzip der Individualität entschieden hervor. Daran reihte sich «Der Kölner Dom als freie deutsche Kirche » (Stuttg. 1843) und eine Übertragung der Briefe und Leidensgeschichte von „Abälard und Heloiser Ooun 184½. In dem Werke Die philos. Weltanschauung der Reformationszeitv (Stuttg. 1847) schildert er die übergangsperiode von der Scholastik zu Cartesius und legt namentlich die Lehren des Giordano Bruno, Campanella und Jakob Böhme in neuer und eigentümlicher Weise dar. Jugleich tritt die überwindung des Pantheismus nißt, sind unter K aufzusuchen. 2* und Deismus in der Anschauung eines sowohl selbstbewußten als unendlichen, in Natur und Geschichte sich offenbarenden Gottes als der Gedanke hervor, dessen Durchführung C. für die Aufgabe der Gegenwart hält. In diesem Sinne gehaltene Vorträge veröffentlichte er als «Religiöse Reden und Betrachtungen für das deutsche Volko (2. Aufl., Lpz. 1856). Ein Buch über Das Wesen und die Formen der Poesiey Hde. 1854) war der Vorläufer einer Asthetiko (2 Bde., Lpz. 1859; 2. Aufl. in neuer Bearbeitung 1873), welche die Idee des Schönen und ihre Verwirklichung im Leben und in der Kunst an der Hand der Erfahrung vom Standpunkte des Idealrealismus darlegte. Das ausgezeichnete Werk «Die Kunst im Zuf 2der Mein der Kulturentwickelung und die Ideale der Menschheity (5 Bde., Lpz. 1863—73; 3. Aufl. 1877 fg.) verbindet philos. Tiefblick mit geschichtlicher Treue. Das Charakterbild Cromwells im „Histor. Taschenbuch » (1851) kann als C.s polit. Glaubensbekenntnis gelten. Für Brockhaus' «Bibliothek der deutschen Nationallitteraturo besorgte er die Ausgaben von Goethes (118 (Lpz. 1869) und Schillers Wilhelm Tello (Lpz. 1871) mit histor. Einleitung und namentlich die erstere mit reichen Erläuterungen. Seine philos. Lebensansicht faßte er in einem Werke über Die sittrd Weltordnung » (Epz. 1877) zusammen, indem er dem Mechanismus der Natur und seiner Notwendigkeit wie der oundi des Geistes in gleicher Weise gerecht wird und nach den gesicherten Ergebnissen der Erfahrungswissenschaft die Prinzipien des Seins und Erkennens zu bestimmen sucht. In neuester Zeit erschien von ihm: Agnes. Liebeslieder und Gedankendichtungeno (Lpz. 1883).