FeedDaumer (Georg Friedr.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Daumer (Georg Friedr.), Dichter und religionsphilos. Schriftsteller, geb. 5. März 1800 zu Nürnberg, besuchte das Gymnasium daselbst, das damals unter Hegels Leitung stand, und bezog 1817 die Universität Erlangen, wo er anfangs theol. Studien oblag, wandte sich aber später der Philosophie zu, hörte zu Erlangen noch Schelling und ging dann auf ein Jahr nach Leipzig. Im J. 1822 ward D. erst als Vorbereitungslehrer, dann als Professor am Gymnasium seiner Vaterstadt angestellt. Doch gab er schon 1830 seine Amtsthätigkeit wegen Kränklichkeit auf und widmete sich von nun an ausschließlich litterarischen Arbeiten. Noch als Lehrer schrieb D. die „Urgeschichte des Menschengeistes » (Berl. 1827) und die „Andeutungen eines Systems der spekulativen Philosophies (Rürnb. 1831). In den beiden Schriften Philosophie, Religion und Altertum (Nürnb. 1833) und Züge zu einer neuen Philosophie der Religion und Religionsgeschichtey (Nürnb. 1835) zeigte sich teilweise schon die eigentümliche Auffassung des Christentums und seiner Geschichte im Keime, die er einige Jahre später in den Werken „Der Feuer⸗ und Molochdienst der Hebräer Braunschw. 1842) und Die Geheimnisse des christl. lltertums (2Bde., Hamb. 1847) weiter entwickelte. Diese letztern Arbeiten erfuhren wegen ihrer antichristl. Tendenz heftigen Widerspruch. Im Kampfe mit Feuerbach und angeregt durch die Bestrebungen der Lichtfreunde der J. 1844 und 1845 erklärte sich D. in verschiedenen Schriften für eine neue Religion, die BReligion der Liebe und des Friedensv, die er später in dem Werke «Religion des neuen Weltalterso (3 Bde., Hamb. 1850) als das Ergebnis eines seit Jahrhunderten begonnenen und fortgehenden Bildungsprozesses zu konstruieren suchte. Die Einsicht, daß er bezüglich des Ursprungs und der wahren innern Natur des Christentums geirrt abe, führte ihn später dem Katholizismus zu. Im „1858 trat D. zu Mainz förmlich in die kath. irche über. Seitdem veroöffentlichte er eine Reihe von Schriften, in denen er das Bestreben bekundete, seiner Kirche durch Aussöhnung derselben mit der Zeitbildung nützlich zu werden. Dahin gehören: Meine Konversiono (Mainz 1859), Aus der Mansarder (6 Hefte, Mainz 1860—62), „Das Christentum und sein Urhebers (Mainz 1864), Christina Mirabilis und Joseph von Copertino, als Vorläufer einer neuen künftigen Menschengattungy (Münst. 1864). Hierzu kamen noch: Marianische Legenden und Gedichter (Münst. 1859), «Schöne Seelen. Ein Legenden- und Novellensträußchens (Mainz 1862), (Aphorismen über Tod und Unsterblichkeite (Lpz. 1865), Das Geisterreich in Glauben, Vorstellung, Sage und Wirklichkeite (2 Bde., Lpz. 1867), ferner eine Streitschrift gegen Strauß: „Das Wunder, seine Bedeutung, Wahrheit und Notwendigkeitv (Regensb. 1874). Einer frühern Bal gehören mehrere poetische Arbeiten D.s an: „Bettinas (Nürnb. 1837), die unter dem Pseudonym Eusebius Emmeran veröffentlichte Glorie rrucht se Jungfrau Mariae (Nürnb. 1841) und, als Frucht seiner orient. Studien, die Gedichtsammlungen ⸗Mahommed» (Hamb. 1848) und «Hafiso (2 Sammlungen, Hamb. 1846—51). Seine Beziehungen zu Kaspar Hauser (6.d.) veranlaßten ihn zu den Schriften:«Mitteilungen über Kaspar Hauser⸗ (Nürnb. 1832), «Enthüllungen über Kaspar Hauser» (Frankf. 1859) und Kaspar Hauser, sein Wesen, seine Unschuld u. s. w.»(Regensb. 1873). D. starb 14. Dez. 1875 zu Würzburg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 905Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6