FeedCassini (Giovanni Domenico)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Cassini (Giovanni Domenico), berühmter Astronom und Geograph, geb. 8. Juni 1625 zu Perinaldo bei Nizza, studierte im Jesuitenkollegium zu Genua und auf der Universität zu Bologna, wo An schon 1650 der Senat den ersten Lehrstuhl der stronomie an der dortigen Universität übertrug. Sein erstes Werk erschien unter dem Titel De cometa anni 1652—1653 (Modena 1653). Später folgten genauere Sonnentafeln (1662) und viele Abhandlungen über verschiedene Teile der Astronomie. In den J. 1664 und 1665 beobachtete er in Rom wei Kometen und bestimmte ihren Lauf. Durch Beobachtungen zu Litta della Piave in Toscana berichtigte er die Theorie der Bewegungen der Jupitertrabanten und bestimmte die Umdrehungszeit der Venus, des Mars und Jupiter. Die Ephemeri⸗- des Bononienses Mediceorum siderumo (Bologna 1668), ein seinerzeit hochgeschätztes Werk, lenkten die Aufmerksamkeit Ludwigs XIV. auf C., der ihn vermochte, 1669 nach Frankreich zu kommen. C. setzte hier, mit der Direktion der neuerbauten pariser Sternwarte beauftragt, seine astron. Arbeiten mit vermehrtem Eifer fort und entdeckte, außer dem schon 1655 von Huyghens wahrgenommenen Trabanten des Saturn, noch vier andere wei 1671 und 1672, zwei andere 1684). Schon früher hatte er (seiner Meinung nach zuerst) das Zodiakallicht entdeckt, das aber bereits Kepler, wiewohl minder genau, beobachtet. Außerdem fand er die weiche der Bewegung des Mondes um seine Achse, welche wichtige Entdeckung unter dem Namen Cassinisches Gesetz bekannt ist. Die von Picard 1669 angefangene, von C. und Lahire 1680 —83 bis nördlich von Paris fortgeführte Breitengradmessung wurde später von ihm nochmals verlängert. starb, nachdem er einige Jahre zuvor erblindet, 14. Sept. 1712 an Altersschwäche. Eine vollständige Sammlung der frühern Schriften enthalten seine „Opera astronomica o (Rom 1666). Die Selbstbiographie C.s gab sein Enkel Cassini de Thury in den «Mémoires pour servir à Phistoire des sciencesv (Par. 1810) heraus. Cafsini (Jacques), Astronom und Physiker, Sohn des vorigen, geb. 18. Febr. 1677 zu Paris, wurde schon 1694 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er begleitete seinen Vater 1695 nach Italien, bereiste in der Folge Holland und England, wo er Newton, Halley, Flamstead u. a. kennen lernte, und ward 1696 Mitglied der Königlichen Gesellschaft zu London. Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich mit der Astronomie und Physik und schrieb mehrere Abhandlungen über die Elektricität, das Barometer, die Vervollkommnung der Brennspiegel u. s. w. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er die Direktion der pariser Sternwarte. Der Akademie überreichte er 1717 ein Zraband Werk über die Neigung der Bahnen der Trabanten und des Ringes des Saturn. Aus am Daber etzung der Gradmessung im Verein mit seinem Vater ging sein Werk: »De la grandeur et de la figure de la terred (Par. 1720) hervor, in welchem er zu einem dem Newtonschen System entgegengesetzten Resultat gelangt. Außerdem veröffentlichte er KEléments d'astronomiev (Par. 1740), wozu die Tables astronomiques du soleil, de la lune, des planètes, des étoiles et des satelliteso (Par. 1740) gehören. C. starb auf seinem Landgute zu Thury 16. April 1756.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 46Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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