Castelar (Emilio), Führer der republikanischen Partei in Spanien, geb. 8. Sept. 1832 zu Cadiz, verlebte seine Jugend zu Elda in der Provinz Alicante, besuchte dann die Normalschule zu Madrid und studierte auf der dortigen Universität erst Jurisprudenz, dann aber vorzugsweise Geschichte und Litteratur. In seinen ersten Schriften, den Novellen EErnéston, La Hermana de la curidado, „Alonso el Sabios, zeigt er sich von Chäteaubriand und Lamartine stark beeinflußt. In der Julirevolution zu Madrid von 1854 schloß sich C. der demokratischen chen an und wurde Mitarbeiter an republikanischen Blättern. Später erhielt er eine Professur der Geschichte an der madrider Universität und 1864 gründete er mit Carrascon das Blatt Democraciav. In seiner Eigenschaft als Professor der Geschichte von dem Ministerium Narvaez bedroht, wurde er durch die begeisterten Kundgebungen der Studenten der Wachdm nur noch mehr verdächtig und verhaftet. Nach dem Scheitern des Aufstandes vom 22. Juni 1866 floh C. nach Frankreich, wohin ihm seine Verurteilung zum Tode nachgeschickt wurde. Nach dem Ausbruche der Septemberrevolution (1868) eilte er nach Madrid, wo ihn namentlich die akademische Jugend mit Begeisterung aufnahm. In zahlreichen Reden, sowohl in der Hauptstadt selbst als auf Rundreisen durch die Provinzen, machte er nunmehr, wie Orense, Fernando Garrido u. a., Propaganda für die Föderativrepublik. In Saragossa und Lerida zum Abgeordneten für die konstituierenden Cortes gewählt, ist sein Name mit der größten Errungenschaft der Septemberrevolution, der Kultusfreiheit, eng verknüpft. Die republikanische Partei, deren bedeutendster Stimmführer er ist, wählte ihn neben Orense und Figueras in ihr Direktorium. Unter dem ersten Ministerium Amadeos machte C. im Verein mit den Karlisten entschiedene Opposition, unterstützte aber dann wenigstens mittelbar das radikale Ministerium Zorrilla. Als Amadeo 11. Febr. 1873 abdankte und die Republik proklamiert wurde, übernahm C. das auswärtige Ministerium, trat aber 7. Juni zurück, nachdem der Bruch der Republikaner mit den Radikalen sich vollzogen hatte und seine Bemühungen, die Ordnung aufrecht zu erhalten, erfolglos geblieben waren. Doch wurde er 26. Aug. zum Präsidenten der Cortes ernannt und vereits 7. Sept. übernahm er das Ministerpräsidium mit diktatorischer Gewalt, machte erfolgreiche Anstrengungen, ein discipliniertes Heer zur Rederwerfung des kantonalen Aufstandes von Cartagena und des Karlistenkriegs auszurüsten, zog sich aber dadurch die Feindschaft seiner frühern Gesinnungsgenossen zu. Als er bei dem am 2. Jan. 1874 erfolgten Zusammentreten der Cortes seinen Rechenschaftsbericht ablegte, wurde sein Verfahren gegen die Aufständischen als unrepublikanisch bezeichnet und das beantragte Dankesvotum gegen die Regierung seitens der Cortes abgelehnt, worauf C. das Ministerium niederlegte. Nach der Wiedergerstellung der Monarchie unter Alfonso XII. im Jan. 1875 gab er seine Entlassung als Professor der madrider Universität, lebte darauf in Paris, wurde aber bei den im Jan. 1876 stattfindenden Wahlen in Barcelona in die Cortes gewählt. Hier bekämpfte er bei den Debatten über den neuen Verfassungsentwurf die von dem Ministerpräsidenten vorgelegten Glaubensartikel und suchte, jedoch erfolglos, allen Konfessionen Freiheit des Glaubens und der Ausübung des Kultus zu verschaffen. Bei der Adreßberatung vom 28. Febr. 1878 verlangte er die Zurückgabe Gibraltars an Spanien. Vor den neuen Corteswahlen von 1879 erließ er ein demokratisches Manifest, in welchem er die rückhaltlose Umkehr zu der Verfassung von 1869, zu der Freiheit des Glaubensbekenntnisses, der Presse, des Unterrichts, der Vereine und Versammlungen verlangte. Doch hatte er in den Cortes keinen Einfluß mehr auf die Gestaltung der Politik. on C.s publizistischen und wissenschaftlichen Arbeiten sind hervorzuheben: «La civilisazion en los cinco priméros siglos del cristianismos (2. Aufl., Madr. 1865), 4«Questiones politicas y socialeso (3 Bde., Madr. 1870), Miscelänea de historia, de religion, de arte y de politicao (Madr. 1874), Estudios histöricos sobré la edad medias (Madr. 1875), Mistoria del movimiento réepublicano en Europas (2 Bde., Madr. 1875), Perfiles de personages y bocetas de ideaso (Madr. 1875), Recuerdos de Italian (deutsch von Schanz: Erinnerungen an Italieno, Lpz. 1876). Seine parlamentarischen Reden sind gesammelt erschienen unter dem Titel: Discursos parlamentarioso (3 Bde., Madr. 1871); ein Teil derselben ist in deutscher übersetzung (Würzb. 1869) veröffentlicht worden. Vgl. Sanchez del Real, Emilio C., su vida, su caräcter, sus costumbres etc.o (Madr. 1874).