FeedCienfuégos (Nicasio Alvarez de)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Cienfuégos (Nicasio Alvarez de), span. Dichter, geb. zu Madrid 14. Dez. 1764, nn zu Salamanca, als dort die in der neuern span. Poesie Epoche machende Dichterschule durch Cadalso und Melendez Valdes gegründet wurde. Besonders der letztere ist als sein Lehrer und Vorbild anzusehen. C., in dem sich frühzeitig eine große Neigung und bedeutende Anlage zur Poesie entwickelte, schloß sich mit Leidenschaft diesem Dichterbunde an. Hierauf lebte er einige Zeit in Madrid, aber ganz zurückezogen, nur seinen Studien, deren erste Früchte seine streng klassischen, nach franz. und griech. Mustern gebildeten Dramen sind. Seinen litterarischen Ruf begründete er durch die Herausgabe seiner Gedichte 1798. Bald udert vertraute ihm die Regierung die Redaction der Zeitschriften La Gacetay und EI Mercurios an, und wenige Jahre danach wurde er in dem Departement der auswärtigen Angelegenheiten angestellt. In dieser Stellung befand er sich, als der Unabhängigkeitskrieg ausbrach und Madrid von den Franzosen besetzt wurde. Nachdem er schon wegen eines gegen Napoleon gerichteten Artikels in der von ihm censierten 4Gaceta de Madrido harten Tadel von Murat erfahren, wurde er wegen Teilnahme an dem Volksaufstande vom 2. Mai 1808 gegen die franz. Besatzung in Madrid um Tode verurteilt, jedoch auf Verwenden seiner Freunde nur nach Frankreich deportiert, wo er bald nach seiner Ankunft in Orthez im Juli 1809 starb. C. war Mitglied der königl. span. Akademie, in die er wegen seiner Tragödie Pitacos gelangte. Außer dieser und den erwähnten Gedichten schrieb er noch die Tragödien Idomeneoo, Zoraida, La Condesa de Castillao und die Komödie Die großmütigen Schwesterno (deutsch in Melforts «Spanischen Bühnenstückenv, Bd. 2, 1839). Die Tragödien sind, obwohl dem Vorurteil seiner Zeit gemäß in enge und strenge Formen gebunden, frei von aller Pedanterie, voll mächtiger und ergreifender Leidenschaft. Seine Gedichte sind auch lebendig und warm empfunden, manchmal jedoch, wo der Dichter philosophische Probleme zu lösen versucht, etwas dunkel und geziert. C. selbst besorgte bei seinen Lebzeiten eine Ausgabe seiner Werke (Obraso, 2 Bde., Madr. 1798); die beste und vollständigste erschien 1816 (2Bde., Madr.). Seine Gedichte sind in die (Biblioteca de autores espanoleso (Bd. 67) aufgenommen worden. Die Zoraiday, seine beste dramatische Leistung, steht in Ochoas Tesoro del Teatro Espanob (Bd. 5, Par.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 396Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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