FeedCastilho (Antonio Feliciano)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Castilho (Antonio Feliciano), einer der vorzüglichsten unter den neuern portug. Dichtern, geb. zu Lissabon 26. Jan. 1800, studierte von 1817 bis 1822 nach dem Wunsche des Vaters, welcher Professor der Medizin zu Coimbra war, die Rechte und wurde Advokat, doch praktizierte er niemals, sondern führte ein idyllisch-poetisches Leben bei seinem Bruder Augusto Frederico. Dazu nötigte ihn ein körperliches Leiden: er war schon als siebenjähriges Kind infolge eines bösartigen Masernanfalls vollständig erblindet, ein Unglück, das auf die eigentümliche Entwickelung seines unleugbaren Dichtertalents großen Einfluß gehabt hat. Schon mit dem achten Jahre begann er zu dichten, und noch als Student veröffentlichte er seine ersten Versuche in der bukolischen Dichtkunst: Cartas de Echo e Narcisop (Coimbra 1821; 3. Aufl., Par. 1836) und „A Primaveéra, colleçäo de poemetoso (Lissab. 1822; 2. Aufl. 1837). Ersteres wendete ihm die Liebe einer Dame zu, die er aber erst 1834 persönlich kennen lernte und, nachdem er sich mit — vermählt, sehr bald durch den Tod verlor. ächst einer metrischen Übersetzung der ersten fünf Bücher der Metamorphoseno des Ovid (Lissab. 1841) und dessen Amoréeso (Rio de Janeiro 1858) gab er unter anderm Amor e melancolia, ou a novissima Heloisao (Coimbra 1828) und A Noite do Castello e os Ciumes do Bardos (Lissab. 1838) haum v Ein Amt, welches ihm der König Johann VI. verlieh, wurde später aufgehoben; unter Dom Miguel mußte er auf einige Zeit flüchtig werden. Von einer Gesamtausgabe seiner poetischen Arbeiten sind der erste (EXcuraçgoes poeticaso, 1844) und dritte Band (Milte um Mysterios, Romance dos Romancesv, 1845) erschienen. C. hat auch vielsach deutsche, engl. und franz. Dichtungen ins Portugiesische übertragen, unter denen die des Goetheschen Fausto hervorgehoben zu werden verdient; jedoch haben die Übersetzungen viele Mängel. Besser sind seine Üübertragungen der «Fastio des Ovid (1859), der (Georgicap des Virgil (1865) und der Lieder des Anakreon (1866). Später wurde C. auch Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften sowie Generalkommissar des Volksunterrichts, als welcher er sich vielfach um die Verbesserung des Elementarunterrichts und der Volksschulen verdient gemacht und eine neue Methode des Unterrichts (Methodo portuguez C., auch Methodo repentino genannt), eingeführt hat. Gegen Ende Nigan Lebens erhielt er den Titel und Rang eines icomte. Er starb zu Lissabon 18. Juni 1875. Was den Werken C.s besonders ihren Wert verleiht, ist ihre stilistische und rhetorische Vollendung, sowie die kindliche Einfalt und die Reinheit der Gefühle, welche darin ausgesprochen sind. Vgl. Ortiz, La literatura Portuguesa en el siglo XINo (Madr. 1870); Theophilo Braga, (Iistoria do Romantismo em Portugabo (Lissab. 1880) und Memorias de C.v (Lissab. 1881), eine mit warmer Liebe, doch mit blinder Bewunderung von seinem Sohne Julio de C. geschriebene, äußerst minutiöse Biographie des Dichters. — Sein jüngerer Bruder, Au gusto senem Lod C., geb. 1802 zu Lissabon, ist bis zu seinem Tode ein treuer Gefährte, Studiengenosse und Freund seines blinden Bruders gewesen. Er war Landpfarrer im Bistum Averio, mußte ebenfalls unter Dom Miguel flüchten und starb auf Madeira 31. Dez. 1840. Er übersetzte Lucans Pharsaliao und gab mit seinem ältern Bruder Quadros historicos de Portugabo (8 Lfgn., Lissab. 1831—41) heraus. — Ein dritter Bruder, Jozé Feliciano C., geb. 4. März 1812 zu Lissabon, studierte in Coimbra und sah sich 1829 zur Auswanderung genötigt. Er wendete sich nach uch po wo er mit seinem Bruder Alexander C. ich vorzugsweise mit Mnemonik beschäftigte und mit diesem den Traité mnémoniquev, das Dictionnaire de mnémoniqued und den Traité de sténographie Lerleideie Nach seiner Rückkehr nach Portugal ekleidete er mehrere Stellen und redigierte eins der geachtetsten Journale der gemäßigt liberalen Partei, bis er sich 1836 abermals enötigt sah, auszuwandern. Er hielt sich längere Zeit in Hamburg auf und kehrte von da 6r Gortugal zurück, wo er 1843—47 Vorstand der Nationalbibliothek zu Lissabon war. C. begab sich 1847 nach Brasilien, wo er seitdem lebte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 56Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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