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ErdkundeBrockhaus 1882

Castilien bildet in natürlicher und polit. Hinsicht die Mitte der Hesperischen Halbinsel. Es ist die Centrallandschaft, wo die Plateauform des Landes am ungestörtesten und eigentümlichsten aus-Hedoenst ist, und der Kern der span. Monarchie. In eiden Beziehungen erscheint die Trennung in das nördl. Alt-und das südl. Neucastilien notwendig. Das Plateau von Altcastilien, zu welchem auch noch der größte Teil der ehemaligen Provinz Leon gehört, ist unter den größern Hochebenen Europas die höchstgelegene, indem ihr tiefster Punkt bei Zamora 619 müber dem Meere liegt, während die mittlere Höhe etwa 800 m beträgt. Sie bildet eine nach W. gesenkte Mulde, deren Nordrand das cantabrischastur. Gebirge, den Südrand das castil. Scheidegebirge bildet, und zerfällt in mehrere natürliche Abteilungen. Den Kern derselben bilden die Tierras de campos, baumlose Ebenen, aber zum Anbau von Getreide und Gemüsen wohl geeignet, da sich in geringer Tiefe Wasser findet. Nur südlich vom Duero, zwischen dessen Nebenflüssen Eresma und Adaja, ist die öde altcastil. Steppe. Im N. steigt die ebenfalls baumlose Terrasse von Reinosa über 1000 meempor, reich an Grasweiden, mit den obersten Thälern des Ebro und der Pisuerga. Südlich und südöstlich hiervon breiten sich die baumreichen, fruchtbaren und wohlangebauten Hügellandschaften von Burgos und Lerma und die Bureba aus, letztere steil zum Ebrothale abfallend. Weiterhin ist die castil. Hochebene von dem Thale des Ebro durch mächtige Gebirgszüge geschieden, von denen das Idubedagebirge weit nach W. in die Provinz Burgos hineinreicht. An seinem südwestl. Fuße liegt die rauhe Hochebene von Soria, bis 1100 m hoch, die Verbindung mit dem neucastil. Plateau bildend und nur mit holzigen Sträuchern bestanden. Die Bewässerung der alteastil. Hochebene ist gering, der Duero mit seinen Nebenflüssen ist im Sommer wasserarm und die ungenügenden Anfänge eines Kanalsystems sind seit Beginn der Eisenbahnbauten nicht fortgesetzt worden. Im südwestl. Teile des Plateau von Soria erheben sich mehrere Ketten aus sekundärem Kalk und Sandstein, die trotz ihrer ermißt, sind unter K aufzusuchen. Meereshöhe von 1030 m nur als niedrige Rücken erscheinen, wie die Altos de Barahona. Sie bilden den Anfang des castil. Scheidegebirges, welches die Halbinsel bis zu ihrem westlichsten Punkte durchde An diese schließen sich weiterhin die Cuesta e Atienza, Sierra Pela und Sierra de Ayllon, mit dem 2064 m hohen Pico Ocejon. Nach SW. umbiegend erhebt sich der Zug zu den mächtigen Ketten von Somosierra und Sierra de Guadarrama, deren gewaltige Granitmauern in der Cebollera (2145 m) und im Pico de Pesalara 2507 m) gipfeln. Nordwestlich von Madrid senkt sich die Sierra de Guadarrama zu breiten, stürmischen Hochebenen (Parameras), in welche die Flußthäler tief eingeschnitten sind; die Paramera de Avila trägt den 2104 m hohen Cerro del Zapatero. Südlich von diesem Zuge, durch die Längenthäler des obern Alberche und Tormes geschieden, erhebt sich die Sierra de Gredos mit dem 2660 m hohen ** de Almanzor. Von da an ändert sich der Charakter des Gebirges, es besteht aus einer Anzahl paralleler südwestlich streichender Ketten, die durch Parameras voneinander geschieden sind, sodaß die Verbindungswege zwischen Leon und Estremadura nirgends die Gebirgsketten überschreiten. Das Plateau von Neucastilien, tiefer als das vorige liegend, bildet eine nach W. geneigte doppelte Mulde, entsprechend den beiden Flußgebieten des Tajo und Guadiana, welche im östl. Teile nur durch eine flache Erhebung geschieden sind, die weiter westlich zu den Montes de Toledo ansteigt, und in Estremadura in der bis 1558 m hohen Sierra de Guadalupe kulminiert. Der Teil der südl. Mulde, welcher zu Neucastilien gehört, ist unter dem damen La Mancha (. d.) berühmt⸗ Das obere dndichaft des Tajo bildet die fruchtbare Hügelandschaft Alcarria, im Halbkreise von einer Anzahl kleinerer Plateaus von ödem Ansehen eingeschlos-Ler die bis 1300 m don Arr und allmählich in die errassenlandschaften von Aragonien und Valencia übergehen. Westlich an die Alcarria stößt die Hochebene von Madrid, bedeutend unfruchtbarer, aber ziemlich angebaut und etwa südlich bis zum Tajo reichend, während jenseit desselben schon die öden Steppen der Mancha beginnen. Weiter abwärts gelangt man zu dem weidereichen, aber wenig angebauten Plateau von Toledo, und endlich zu der schönen Ebene von Talavera de la Reina (351 m), welche sich Seit ihren Reichtum an Laubwald von den übrigen Teilen Neucastiliens vorteilhaft auszeichnet und den schmalsten Teil des Tajogebietes bildet. Die Flußthäler sind in Neucastilien im allgemeinen tief eingeschnitten und stehen durch ihre außerordentliche Fruchtbarkeit und ihren Laubreichtum im schroffen Gegensatz zur Umgebung. Auch Neucastilien leidet unter ungünstigen Verkehrsverhältnissen, die Flusse sind für die Schiffahrt unbrauchbar und die wenigen neuerdings erbauten Bahnen können den Mangel eines vollständigen Straßennetzes nicht ersetzen. Bei der hohen Lage C.s ist das Klima ziemlich rauh und zeichnet sich namentlich durch große Trockenheit, heftige Temperaturwechsel und häufige Stürme aus. Im allgemeinen erscheint das Land in traurigem Zustande, und doch ist der Castilier der stolze und echte Repräsentant des span. Volkscharakters, seine Sprache die der Schrift und der Gebildeten im ganzen Lande geworden. Jetzt umfaßt Altcastilien die acht Provinzen Santander Palencia, Valladolid, Avila, Segovia, Soria, Burgos und Logrono und zählt auf 65 806,8 qkm (1877) 1654495 E. Neucastilien besteht aus den fünf Provinzen Madrid, Guadalajara, Cuenca, Toledo und Ciudad-Real und hat 72564,8 qm mit 1 62794⁵ E. Zur Krone C., im Gegensatze der Krone Aragonien und der freien Provinzen Navarra, Alava Guipuzeoa und Biscaya, 10 hören außerdem noch das Königreich Leon, Galicien, das Fürstentum Asturien, die Landschaft Estremadura und Andalusien mit Granada und Murcia. Alteastilien bildete sich als selbständiger Staat aus der Grafschaft Burgos, deren Besitzer, Ferdinand Gonzales, sich seit 923 unabhängig machte. Ferdinand I. oder d. Gr., der 1035 bei der Teilung der väterlichen Besitzungen Alteastilien erhielt, erhob dasselbe nach Erwerbung Leons (1037) zum Königreiche C. Durch Alfons VI. ward 1085 das von ihm eroberte maurische Königreich Toledo unter dem Namen Neucastilien mit Altcastilien vereinigt. Als Ferdinand III. 1230 die 1157 von einander getrennten Reiche Castilien und Leon wieder unter seinem Scepter vereinigte, Racht er die Unteilbarkeit Cis aus und führte das echt der Erstgeburt ein. Unter seinen Nachiolgern zeichnete sich besonders enn X. C. d.) und Johann II. aus. Da Isabella, die Schwester Heinrichs IV., welche diesem 1474 in der Regierung folgte, seit 1469 mit dem Kronprinzen Ferdinand von Aragonien vermählt war, wurden 1479 nach König Johanns II. von Aragonien Tode beide Länder vereinigt und bildeten nun das Königreich Spanien, wiewohl die gänzliche Verschmelzung derselben erft nach Ferdinands des Katholischen Tode 1516 erfolgte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 56Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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