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ErdkundeBrockhaus 1882

Catania, die schönste und drittgrößte, regelmäßig und schön gebaute Stadt der Insel Sicilien, von 8 km Umfang, überall reinlich, freundlich und heiter, sowie die Hauptstadt der gleichnamigen, 5102,2 àkm und (1881) 563 217 CE. zählenden Provinz, liegt am Jonischen Meer und an der mit gewaltigen Viadukten versehenen Eisenbahn Messina-Siracusa, die hier nach Aragona abzweigt, in einer sehr fruchtbaren und herrlich angebauten Gegend, welche die Kornkammer Siciliens a wer wird und der Stadt den Beinamen la bella verschafft hat, am südöstl. Fuße des Atna. Durch Ausbrüche desselben und Lavaströme, durch Erdbeben und Erschütterungen wurde sie wiederholt fast gänzlich zerstört, aber stets regelmäßiger und schöner wieder aufgebaut. Auch ihr früher sehr guter Hafen wurde durch Lavaströme verschüttet Ln, und der Molo zum Teil zerstört; jetzt ist er klein, flach und unbeguem. Das Klima ist gesund; das N hat 210 heitere und 45 regnerische Tage; im Mittel rmißt, sind unter K aufzusuchen. etwa 1800 mm Regen. Die mittlere Temperatur ist 18,8 C., Erxtreme 3 und 34 C. Ein herrlicher Platz ist der Elefantenplatz mit einem aus Lava gehauenen antiken Elefanten. Sehenswerte Gebäude sind das Benediktinerkloster San-Nicolo d'Arena, eins der reichsten und schönsten Klöster, mit einer großen Marmortreppe, einer Kirche, einer Bibliothek und einem Museum von Lavastücken; ferner die blendendweiße Domkirche aus dem 11. Jahrh., das Rathaus und der Palast Biscari mit reichen Sammlungen. Die eine Straße hat 2800 m Länge. Die Arena Pacini ist das größte Theater Italiens. C. ist der Sitz eines Erzbischofs, des Präfekten, eines Appellationsgerichts und des Großpriors des Malteserordens, hat 105 Kirchen, eine 1444 gegründete Universität mit 2—300 (ehemals über 2000) Studierenden, eine Akademie der Wissenschaften, mehrere wissenschaftliche und wohlthätige Anstalten. Die hier gefeierten kirchlichen Feste sind die glänzendsten in ganz Sicilien. Die (188¹) 160417 Seelen zählende Bevölkerung fabriziert Leinen⸗, Baumwoll⸗ und Seidenzeuge, Waren aus Bernstein, Lava, Holz und Marmor, gebleichtes Wachs, Blivenöl und span. Saft aus dem Süßholz und treibt Handel mit Getreide, Südfrüchten, Wein, Ol, Seide, Holz, Soda, Schnee vom Ätna, und mit den genannten Fabrikaten; der Fischfang beschäftigt 2000 Personen. Aus der Römerzeit stammen noch die Ruinen eines Amphitheaters, Odeums, Cerestempels, Theaters, Forums, Triumphbogens, einer Wasserleitung von 25 km Länge und einer Naumachie, sowie von Thermen, Grabstätten, Brunnen, Gymnasien und Cirken. Sehenswert sind auch die naturhistor. Sammlungen der vom Ritter Gioẽni Ramen 2 Academia Gioenia. C. ward unter dem Namen Katana 729 v. Chr. von Naxos, einer ionisch-chalkidischen Kolonie auf Sicilien, aus gegründet und gehörte schon im Anfange des 5. Jahrh. v. Chr. zu den blühendsten Städten der Insel. Hieron J. von Syrakus verpflanzte 476 v. Chr. die Bewohner von C. nach Leontini, kolonisierte die Stadt durch 5000 Syrakusaner und ebensoviele Peloponnesier und nannte sie Atna; doch schon 462 kehrten die frühern Einwohner zurück und gaben der Stadt den alten Namen wieder. Von den Athenern genommen (415), von Dionys I. verwüstet (401), erhob sie sich unter der röm. Herrschaft wieder zu großem Wohlstande, litt aber 123 v. Chr. so sehr durch einen Lavastrom, daß der Senat von Rom die Abgaoenfreiheit ihres Gebietes auf 10 Jahre verordnete. Augustus sandte eine röm. Kolonie hierher. Im Mittelalter sank sie sehr herab, teils durch die wiederholten Einfälle erst der Goten, dann der Vandalen, endlich der Sarazenen, die sie bis 1071 besaßen, mehr noch durch das furchtbare Erdbeben vom 4. Febr. 1170, bei dem 15000 Personen umkamen, die große Eruption des Atna von 1669 und das Erdbeben vom 11. Jan. 1693, das nur fünf Häuser der Stadt stehen ließ. Aber ihre herrliche Lage, ihre reizenden und fruchtbaren Umgebungen ließen sie stets von neuem aus den Trümmern auferstehen. Die Campagna von C., 350 qkm, vom Simeto durchflossen, ist nicht allein die reichste, sondern auch die bevölkertste ganz Siciliens. Vgl. Holm, Das alte C.v (Lübeck 1873), «Guida letteraria, scientifica, artistica, amministrativa e commerciale di C.o (Catania 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 68Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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