FeedCaudinische Pässe
ErdkundeBrockhaus 1882

Caudinische Pässe (Furculae Caudinae, d. i. caudinische Gabeln) hießen zwei hohe, enge, bewaldete Bergpässe bei der Stadt Caudium im alten Samnium, an der Grenze gegen Campanien und der Straße von Capua nach Benevent. Sie sind berühmt durch die Niederlage, welche die Römer im zweiten Samnitischen Kriege in ihnen erlitten. Von Calatia (zwischen Caserta und Maddaloni) her hatten vier röm. Legionen unter den Konsuln Titus Veturius und Spurius Postumius 321 v. Chr. den westl. Paß überschritten und waren in ein geräumiges, aber von allen Seiten durch hohe Berge eingeschlossenes Thal, wahrscheinlich unfern vom heutigen Arpaja, herabgestiegen. Als sie den Paß, der gegen Osen aus demselben führt, überschreiten wollten, fanden sie diesen versperrt und von den Samnitern besetzt, desgleichen auch den Eingang, zu welchem sie sich zurückvendeten. So waren sie genötigt, die Nacht im Thale zu lagern. Am folgenden Tage, als sie den Versuch machten, sich durchzuschlagen, erlitten sie eine Niederlage und mußten sich ergeben. Der samnit. Feldherr Gavius Pontius schloß nun mit den Konsuln einen Vertrag, wodurch das Heer freien Abzug erhielt, Rom aber verpflichtet wurde, die gegen die Samniter angelegten Kolonien (Festungen) zu schbeifen und den gleichen Bund mit Samnium zu erneuern. Für diesen Vertrag mußten die Konsuln mit allen höhern Offizieren sich eidlich verbindlich machen und 600 Geiseln stellen. Außerdem aber ward dem röm. Heere die Demütigung auferlegt, durch ein Joch zu ziehen. Rom ward der Vertrag nicht genehmigt und die Konsuln mit allen Offizieren, die mit ihnen ihr Eideswort verpfändet hatten, den Samnitern ausgeliefert, von diesen aber zurückgewiesen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 80Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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