FeedCauer (Emil)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Cauer (Emil), bedeutender Bildhauer, geb. zu Dresden 29. Nov. 1800, bildete sich unter Rauch in Berlin und seit 1824 unter Haller in München, von wo er sich nach Bonn begab und Universitätszeichenlehrer wurde. Im J. 1829 ging er nach Dresden, wo ihm die Restauration der Antiken des Museums übertragen wurde. Seit 1832 fungierte C. als Zeichenlehrer am Gymnasium zu Kreuznach. Hier fertigte er seine Hauptwerke: Sickingen, Hutten, Karl V., Melanchthon, Berlichingen, ferner die Märchendarstellungen «Aschenbrödels und Rotkäppcheno, die in vielen tausend Exemplaren sich über ganz Deutschland verbreiteten, sodann eine Caritas, die Kinder segnend, die Lebensalter, die Jahreszeiten als Kinder. Auch eine Anzahl kleiner Statuetten Shakspearescher Gestalten und religiöser Reformatoren vollendete er hier, die ebenfalls durch Nachbildungen vielfach verbreitet wurden. In C.s Werken herrscht eine edle Formvollendung und einfache Natürlichkeit und ein echt deutscher Geist. Er starb zu Kreuznach 4. Aug. 1867. Karl C., namhafter Bildhauer, ältester Sohn des vorigen, geb. 1828 zu Bonn, erhielt seine künstlerische Ausbildung im Atelier seines Vaters, dann bei Wolff in Berlin, ging 1848 nach Rom, 1851 nach London und kehrte 1854 über Berlin nach Rom zurück. Im J. 1854 entstand die Figur des Königs Friedrich Wilhelm IV. in Berlin, dann in Rom der sterbende Achilles, welcher nach England kam. Sein Olympischer Sieger, welcher in Bronzeguß dann zu Sanssouci aufgestellt wurde, errang ihm 1857 die Goldene Medaille. Eine Wiederholung in Marmor besitzt das Kensington-Museum in London. Gleichzeitig erhielt C. einen Ruf nach Wien, wo er die Porträtstatue des Kaisers Franz Joseph, des Fürsten Metternich, Windischgrätz u. a. fertigte. Nach Rom zurückgekehrt, arbeitete C. eine Kolossalfigur des Hektor; siegte in der Konkursausschreibung für das Schiller-Denkmal in Mannheim und führte dasselbe aus. 9109 J. 1862 etablierten sich Karl und sein Bruder Robert in Kreuznach, wo sie zahlreiche Marmorgebilde schufen. So das Denkmal des Gründers des dortigen Heilbades, ein Grabmonument für die Fürstin Khevenhiller in Wien u. s. w. Im J. 1871 fertigte C. eine wohlgetroffene und künstlerisch hervorragende Büste der Erbprinzessin vonHohenzollern aus Carraramarmor mißt, sind unter K aufzusuchen. für das Schloß Jägerhof bei Düsseldorf. Auch2 die Büsten des Fürsten und der Fürstin jenes Hauses sind von seiner Hand. Eins seiner bedeutendsten Werke ist die Kassandra, welche den bevor-d stehenden Untergang der Vaterstadt beklagt. Neben dem Atelier in Kreuznach gründeten beide Brüder 1873 noch in Rom eine Werkstätte. In demselben i etlun erschien auf der berliner akademischen Austellung von C. eine Nymphe nach dem Bade, eine e idyllische Komposition von anmutiger Auffassung, t 1876 die Hexe (in der Nationalgalerie zu Berlin). Robert C., Bildhauer, der Bruder des vorigen, geb. 13. Febr. 1831 1 Dresden, besitzt gemeinsam mit Karl C. Ateliers in Kreuznach und Rom, hat sich durch Gruppen und figurale Kompositionen bekannt gemacht, darunter Dornröschen, Hänsel und Gretel, Paul und Virginie, Hermann und Dorothea, Undine u. w. Für ein Grab auf dem Kirchhofe in Mainz lieferte er eine kolossale trauernde Muse. C.s Schöpfungen sind zum Teil durch Abgüsse weit verbreitet. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 80Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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