FeedCaylus
Bildende KunstBrockhaus 1882

Caylus (Anne Claude Philippe de Tubieres u. s. w., Graf von), berühmter Archäolog, geb. 31. Okt. 1692 zu Paris, erhielt eine sorgfältige Er7 und diente dann im Spanischen Erbfolgeriege. Nachdem er seinen Abschied genommen, beleitete er 1716 Bonac auf dessen Gesandtschaft nach onstantinopel und bereiste von dort danunch und die Seeplätze der Levante. Auf den Wunsch seiner Mutter kehrte er 1717 nach Paris zurück, wo er nun seine großen Sammlungen zu ordnen begann und sich ganz dem Studium des Altertums und der Ausübung der schönen Künste widmete. Er war sowohl Mitglied der Malerakademie wie der Akademie der Inschriften und stiftete auch für beide einen Preis. Wenn er auch die Schriftsteller des klassischen Altertums oft mißverstand, so hat er sich doch durch seine Untersuchungen vielfach verdient gemacht. Junge Künstler fanden an ihm einen großmütigen Beschützer. C. starb zu Paris 5. Sept. 1765. Sein Hauptwerk ist der Recueil d'antiquités égyptiennes, étrusques, grecques, romaines et auloisesp (7 Bde., Par. 1752 — 67; deutsch von Pan er, Bd. 1, Nürnb. 1766). Seine Abhandlungen aus den «Mémoireso der Akademie der Inschriften wurden von Meusel ins Deutsche übersetzt (2 Bde., Altenb. 1768). Übrigens hat man von ihm mehrere Romane. Bekannt sind besonders seine Neuen morgenländ. Erzählungeno (deutsch, 2 Bde., Lpz. 1780). Auch war er ein fleißiger und geschickter Kupferstecher. Unter anderm lieferte er eine Folge von 200 Blättern nach den schönsten Zeichnungen des königl. Kabinetts; Sammlungen von Köpfen nach Rubens und van Dyck, von Charakterköpfen und verschiedenen Karikaturen nach Leonardo da Vinci, viele Blätter nach Lukas von Leiden, Albrecht Dürer u. a. Vgl. Mémoires et réflexions du comte de C.5 (Par. 1874). Marthe H* de Vilette, Marquise de C., die Mutter des vorigen (geb. 1673 in Poitou, gest. 15. April 1729), die Nichte der Frau von Maintenon, durch Schönheit und Geist eine der Zierden des Hofs Ludwigs XIV., ist in der Litteratur bekannt durch das sehr interessante Werkchen „Mes souvenirso, das zuerst von Voltaire 1770 zu Genf, dann von Asselineau (Par. 1860), zuletzt von Lescure (Par. 1874) herausgegeben wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 95Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Bildende Kunst 6