FeedCelle
ErdkundeBrockhaus 1882

Celle, freundlich gebaute Kreisstadt in der Landdrostei Luneburg der preuß. Provinz Hannover, liegt in wasserreicher, mit Kiefernwäldern bedeckter Ebene, am Südrande der Lüneburger Heide an der hier schiffbar werdenden Aller, welche hier links die Fuse aufnimmt, und an der Staatsbahn Lehrte-Harburg und zählt mit den seit 1869 damit vereinigten Vorstädten Hehlen, Westercelle und Altencelle (1880) 18808 E., meist Protestanten, welche fünf Kirchen besitzen; die Katholiken und die Re-Iöenierten haben je eine Kirche, die Juden eine Synagoge. Eine Zierde der Stadt ist das Schloß L010 aus Inr Ren Zeit, teils 1680 von Giacomo Bolognese im Renaissancestil aufgeführt), in welchem 1369 —1705 die Herzöge von C. aus dem Hause Braunschweig residierten und 1775 die un-Danena Königin Karoline Mathilde (s. d.) von dänemark starb. In der 1485 erbauten Schloßkapelle befindet sich ein von Marten de Voß (1560) kuche an n Altargemälde. In der alten Stadtirche, an welcher 1611—21 der bekannte theol. Schriftsteller Joh. Arnd Generalsuperintendent war, befinden sich Denkmäler von acht Herzögen und die herzogl. Gruft, in welcher auch die Köniin Karoline Mathilde und Sophia Dorothea (Prinzessin von Ahldeno), die 1694 geschiedene Gattin des hannov. Kurprinzen, spätern Königs Georg I. von England, beigesetzt — Am Markt-Rat liegt das aus dem 14. Jahrh. stammende athaus. C. ist Sitz des Oberlandesgerichts für die Provinz Hannover, eines Amtsgerichts, eines Hauptzollamts, einer Königlichen Landwirtschafts— Gesellschaft, einer Kreishauptmannschaft und anderer Behörden. C. hat mehrere Bibliotheken, worunter die des Oberlandesgerichts und die Kirchen-Ministerialbibliothek, ein königl. Gymnasium, eine Realschule erster Ordnung, eine Handelslehranstalt, eine Hebammenschule, ein Waisenhaus, ein Werk⸗ und ein Krankenhaus. In der Westerceller Vorstadt liegen das Zuchthaus sowie das ausgezeichnete königl. Landgestüt. Fabrikfleiß und Handel sind in C. in fortwährendem Zunehmer begriffen und haben die Stadt ziemlich wohlhabend gemacht. Zur Ausfuhr kommen besonders Wolle Wachs, Honig, Getreide, Preißelbeeren, Holz und Holzsamen. Unter den Fabriketablissements sind je eins für Leim, Schirme, Seife, Ofen und Buchdruckerschwärze (von Hostmann) hervorzuheben, Spieichen. Wollgarnfärbereien, Tuchfabriken, Wachsbleichen, Tapeten⸗, Tabak⸗ und Cigarrenfabriken, Branntweinbrennereien, Bierbrauereien, Gerbereien, Kunstgärtnereien und Baumschulen. In der Nähe von C., zu Lachendorf, liegt eine 4T56 Laronamen C. ist der Geburtsort des großen Agronomen Thaer und des Dichters Ernst Schulze; ersterm wurde im ber Luft 1 Garten eine blahime 50 und an der Trift 1873 auf Veranlassung der Königlichen Landwirtschaftlichen Gesellschaft ein von Hartzer aus C. in Berlin modelliertes Denkmal (Marmorstatue), letzterm auf dem städtischen den Ourt ein Denkstein errichtet. Im Französischen Garten befindet sich auch noch ein 1784 von der Landschaft errichtetes Marmordenkmal für die dän. Königin Karoline Mathilde. Haus und Garten Thaers, der die erste landwirtschaftliche Lehranstalt und Musterwirtschaft in Deutschland errichtete, liegen eine Viertelstunde von der Stadt entfernt. — Der Kreis Celle zählt auf 1876 qkm (1880) 69908 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6