Clementi (Muzio), einer der hervorragendsten Klavierspieler und Komponisten für das Klavier, geb. in Rom 1752 als Sohn eines Gold- und Silberarbeiters, der das früh sich offenbarende Talent des Knaben sorglich pflegte. Kapellmeister Buroni, Organist Cordicelli und der als Contrapunktist hochgeachtete Carxpini waren seine Lehrer; dem letzten verdankt er die Einführung in die wahre Fugenkunst, deren Beherrschung ihm vollkommener gelang als irgend einem seiner Zeitgenossen. Im 12. Jahre schrieb er eine mit großem Beifall aufgeführte Messe und zeichnete sich schon mit 14 Jahren durch sein Klavierspiel so aus, I* ein engl. Kunstfreund, Beckford, ihn mit nach England nahm. Bei demselben blieb C. vier Jahre, hauptsächlich in Beckfords Landsitz in Dorsetshire, und hier bildete er sich lediglich durch energische Privatstudien zu dem großen Meister aus, der bald alle seine Konkurrenten überflügeln sollte. In London hörte er nicht nur die besten Spieler seiner Zeit, sondern hier lernte er zugleich die gesamte außerital. Klavierlitteratur kennen, namentlich auch die ältern Klassiker, wie Händel, die seine harmonische Vertiefung und kontrapunktische Gewandtheit förderten. Diese Bildungselemente erzeugten in C. einen Stil, welcher die Vorzüge der verschiedenen Nationen in sich vereinigte, wie es bei keinem andern Klavierkomponisten in dem Grade der Fall war. Schon mit 18 Jahren schrieb C. ein Sonatenwerk, welches die Grundlage für die Form der modernen Klaviersonate mit sicherer Hand zeichnete. Seit 1770 lebte er in London als Virtuos und Klavierlehrer, zuletzt (1777 —80) auch als Cembalist oder Dirigent an der dortigen ital. Oper. Seine erste große Kunstreise unternahm C. 1780 nach Paris und von da im Sommer 1781 nach Wien, wo er in einem Virtuosenwettstreit mit Mozart sich diesem ebenbürtig erwies. Nach England zurückgekehrt, wirkte er beständig in den Konzerten des Adels mit und blieb, einen Besuch in Paris 1785 abgerechnet, bis 1802 ununterbrochen in England. An dem Musikverlag und der Pianofortefabrit von Longman u. Broderiep war C. seit längerer Zeit betei-Ue: als die Geschäfte des Hauses schlecht gingen, übernahm er zum Teil selber die Leitung. Nachdem dennoch der Bankrott eintrat, errichtete C. mit Collard sofort ein ähnliches Geschäft, welches unter Collards Namen noch besteht. Die Verbesserungsversuche im Pianofortebau und namentlich die Zurichtung von verkäuflichen Verlagswerken aller Art nahmen C. jahrelang fast ausschließlich in Anspruch. Im J. 1802 machte er sich hiervon vorläufig frei und trat mit seinem Schüler Field seine dritte und größte Kunstreise an. Paris, Wien, Petersburg, Berlin, Dresden, die Schweiz und Italien wurden besucht. Nachdem Field in Petersburg seßhaft geworden war, s loßßen sich Zeuner, Ludw. Berger und Al. Klengel dem Meister an; auch Moscheles und Kalkbrenner gehören zu denen, welche damals Unterricht von ihm empfingen. In Berlin verheiratete er sich, verlor aber seine Frau vor Jahresfrist durch den Tod. Erst 1810 kehrte C. von dieser langen Wanderung nach London zurück, wo er sich 1811 nochmals verheiratete. Mit Ausnahme eines Winteraufenthalts in Leipzig 1820 — 21, wo er zwei Orchestersymphonien aufführte, blieb er in England und lebte als begüterter Mann meistens a5 seinem Landsitze Evesham bei London. Hier starb er 10. März 1832, bis an sein Ende volle künstlerische und körperliche Frische sich bewahrend. C. ist als der Begründer des gesamten modernen Klavierspiels anzusehen; in seinen Kompositionen und Lehrwerken hat er demselben die Höhenrichtung vorgezeichnet. Dieselben sind von unvergänglicher Bedeutung und gehören insgesamt zu den klassischen Werken der Klavierlitteratur, namentlich seine 60 Klaviersonaten und der gediegene „Gradus ad Parnassumv.